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"Stehen wir also endlich einmal auf"

Kolumne: Auf ein Wort - Die Heiligen Drei Könige überreichten dem neugeborenen Jesu-Kind damals Geschenke. Heutzutage hätte das auch ganz anders laufen können.

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„…da kamen Magier aus dem Morgenland in Jerusalem an“, schreibt Matthäus in seinem Evangelium zum Dreikönigsfest. Ob sie sich vorher kannten, bleibt unklar. Woher sie kamen, auch. Auf jeden Fall sind die Sterndeuter aufgebrochen. Das Ganze hätte auch anders laufen können: 

„Ne, Du, also das mit den Geschenken: Da bin ich nicht einverstanden. Also a) muss ich meinen Aufsichtsrat vorher fragen und b) muss da auch proportional aus unserer Region was von den Präsenten dabei sein. – Und zu dritt losgehen: Ich weiß auch nicht, ob das klug ist!? Drei – jede Erzieherin sagt das: Da bildet sich schnell eine Untergruppe. Soll ich nicht lieber meinen ‚Persönlichen Referenten‘ mitschicken? Eigentlich werde ich hier vor Ort gebraucht.

Und irgendwie: Was sagen die Kollegen dazu? Wie finanzieren wir die Reise überhaupt? Übertragen wir nicht Schulden auf die Enkelgeneration?

Ob das in unseren Fünf-Jahres-Plan passt? Macht doch erst mal ein Konzept für das Ganze.“

So hätte es laufen können. Ist es aber nicht. Die drei Glaubensneulinge (biblisch „Heiden“ genannt) sind keine Bedenkenträger, sondern setzen auf die Sicherheit ihrer Intuition. Die muss Gründe gehabt haben: Die Geburt Jesu war für sie keine Kleinigkeit. „Ganz Jerusalem ist erschrocken“, fasst Matthäus zusammen (2,3). König Herodes eingeschlossen.

"Die Unsicherheit beim Start wird durch die Sicherheit bei der Ankunft belohnt: ‚Proskynesan‘ heißt es im griechischen Text ..."Dietmar Kattinger

Die Sternkundigen bereiten sich vor auf ihr Ziel. Setzen viel auf diese Karte. Nehmen Geschenke mit. Wie lange werden sie unterwegs sein? Google Maps gab es nicht. WhatsApp auch nicht.

Die Unsicherheit beim Start wird durch die Sicherheit bei der Ankunft belohnt: ‚Proskynesan‘ heißt es im griechischen Text. ‚Proskynese‘: die verehrende, tiefe Verbeugung und Verneigung. Das mache ich nicht vor allem und jedem. Sondern nur, wenn ich tief von etwas überzeugt bin. Und wieder vertrauen sie ihrer Intuition: Die Magier sind sicher, dass sie ihr Ziel erreicht haben. Von keiner zusammenfassenden Diskussion schreibt Matthäus. Kein Vortrag, den sie halten, nur Verehrung. Die Ganzhingabe sozusagen. „Wer sucht, der findet“, hat sich für sie erfüllt. Die Reise sich gelohnt! Epiphanie ist geschehen. Erscheinung des Herrn.

„Stehen wir also endlich einmal auf“, wird der heilige Benedikt 500 Jahre später als Aufbruchs-Formulierung ins Vorwort seiner Ordensregel schreiben: „Die Stunde ist da, vom Schlaf aufzustehen.“ Gute Aufbrüche in einem guten Jahr 2021!


Zur Person:

  • Dietmar Kattinger ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail unter info@ov-online.de. Mails werden weitergeleitet.

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