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"Stark auch ohne Muckis": Trainerin bringt Schülern bei, Konflikte gewaltfrei zu lösen

Eineinhalb Wochen ist Heidi Höweler in der Albert-Schweitzer-Schule zu Gast. Dort will sie die Schüler selbstbewusster im Umgang mit Konflikten machen. Das Ziel: gelassen, aber bestimmt auftreten.

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Gespielter Konflikt: Heidi Höweler (links) provoziert die Sechstklässlerin Nariman.  Foto: Niemeyer

Gespielter Konflikt: Heidi Höweler (links) provoziert die Sechstklässlerin Nariman.  Foto: Niemeyer

Nacheinander nimmt Heidi Höweler jedem Schüler die Federmappe weg, holt die Kinder einzeln nach vorne und konfrontiert sie mit der Situation. "Ich gebe dir dein Etui nicht wieder", sagt sie zu Fatima. Bestimmt und ohne dabei den Augenkontakt zu verlieren, fordert die Sechstklässlerin wiederholt: "Gib mir meine Federmappe wieder!" Bis Höweler schließlich aufgibt und ihr das Etui wieder in die Hände drückt. Die Klasse klatscht, denn Fatima hat alles richtig gemacht und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Heidi Höweler ist Selbstbehauptungstrainerin und will den Schülern der Albert-Schweitzer-Schule beibringen, wie sie Konflikte selbstsicher, ohne Gewalt und Provokationen lösen, etwa wenn ihnen etwas weggenommen wird, sie gemobbt oder beleidigt werden. Im Rahmen des Gewaltpräventionsprojekts "Stark auch ohne Muckis" trainiert Höweler an der Schule 1,5 Wochen lang Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge drei bis sechs. 

Mücke, Schaf oder Löwe?

Für ihr Training nutzt Höweler drei Plüschtiere, die jeweils für ein bestimmtes Verhalten stehen: Die Mücke, die immer versucht, andere zu nerven und zu mobben. Das Schaf, das ständig gegen an meckert, sich also provozieren lässt, und der Löwe, der auf die Provokationen gelassen, aber bestimmt reagiert. In den Trainings spielt Höweler ein älteres Kind, welches die Kinder in anstrengende Situationen bringt. Zu Beginn zeige sich, wie die Kinder mit der Situation umgehen, ob und wie sie sich zu wehren versuchen. Dies bespricht Höweler anschließend mit den Kindern und erarbeitet mit ihnen neue Handlungsoptionen, die erträglicher und sozial verträglicher seien. 

Schaf oder Löwe? Die Schüler der Albert-Schweitzer-Schule sollen lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Foto: NiemeyerSchaf oder Löwe? Die Schüler der Albert-Schweitzer-Schule sollen lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Foto: Niemeyer

Das Gewaltpräventionsprogramm sei sehr anschaulich, stärke das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten sowie die Persönlichkeit der Schüler, sagt die Schulleiterin der Albert-Schweitzer-Schule, Marianne Wesselmann. Die Schule habe es über ein Corona-Sonderbudget finanziert. Gerade im Laufe der Corona-Pandemie sei das direkte soziale Miteinander zu kurz gekommen. „Corona hat Spuren hinterlassen“, sagt Wesselmann. Die Schüler hätten sich überwiegend über die sozialen Medien ausgetauscht, sodass ihre Sprache zum Teil roher geworden sei. 

Gewaltfrei kommunizieren im "Glückstunnel"

Daran knüpft Heidi Höweler mit ihrem Programm an, indem sie den Schülern beibringt, gewaltfrei zu kommunizieren. In einem "Glückstunnel" sollen sie sich beispielsweise gegenseitig nur  Komplimente ins Ohr flüstern. Kommt es zu Konflikten, erklärt Höweler den Kindern, wo die Grenzen liegen. Wird ihnen zum Beispiel Gewalt angedroht, sollten sie den Dialog sofort abbrechen und Hilfe suchen, etwa bei Lehrern oder Eltern, im Notfall auch bei der Polizei. Denn: "Ihr wisst nie, wer vor euch steht, was er durchgemacht hat", sagt Höweler den Schülern.

Wie Kinder mit Konflikten umgehen, entscheide sich oft im Elternhaus. So spiegele das Verhalten der Kinder meist das Verhalten der Eltern wider. Die Eltern sollten jedoch nicht nur Vorbild sein, sondern ihre Kinder auch unterstützen. Das Zuhause müssen ein sicherer Hafen sein, in dem die Kinder bedingungslos geliebt werden, sagt Höweler.

Damit die Inhalte des Präventionsprogramms weiter in der Schule präsent bleiben, werde es von den Klassenlehrern weitergeführt, erklärt Wesselmann. Zudem werde überlegt, Vertiefungskurse anzubieten. Außerdem nehmen die Kinder Merksätze mit nach Hause und auch eine Elternbroschüre. 

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