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Standortfrage für das Zentralklinikum Vechta-Lohne weiter offen

Der Beirat für das Zentralklinikum Vechta-Lohne soll im Juni erneut tagen. Der Verbandsvertreter der Ersatzkassen sieht den Landkreis Vechta "auf einem sehr guten Weg".

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Prall gefüllter Bildschirm bei der Videokonferenz: Etwa 40 Teilnehmer, darunter Vertreter aus Verwaltung, Politik und Gesundheitswesen, waren der Einladung zur zweiten Sitzung des Beirates gefolgt. Foto: Speckmann

Prall gefüllter Bildschirm bei der Videokonferenz: Etwa 40 Teilnehmer, darunter Vertreter aus Verwaltung, Politik und Gesundheitswesen, waren der Einladung zur zweiten Sitzung des Beirates gefolgt. Foto: Speckmann

Als der Beirat für das Zentralklinikum Vechta-Lohne Mitte Februar das erste Mal tagte, träumten die Teilnehmer schon von einem Richtfest auf dem Gelände an der Straße "Am Sternbusch". In der Sitzung am Dienstag keimte die Frage, ob das zunächst favorisierte Gelände im Süden der Kreisstadt angesichts zweier Alternativen überhaupt noch erste Wahl ist. Wer eine Tendenz oder gar eine Antwort in der Standortfrage erhofft hatte, wurde jedoch enttäuscht.

Der Vorstandsvorsitzende der Schwester-Euthymia-Stiftung, Ulrich Pelster, hielt sich in seinem kurzen Sachstandsbericht mit näheren Informationen zurück. Zum möglichen Ausbau des St. Marienhospitals in Vechta an, der mit einer Verlagerung der Liebfrauenschule einhergehen müsste, sowie einem ebenfalls vor wenigen Wochen ins Spiel gebrachten Alternativstandort am Bergweg in Lohne fiel in der zweistündigen Videokonferenz kein einziges Wort.

Die etwa 40 Teilnehmer, darunter Vertreter aus Verwaltung, Politik und Gesundheitswesen, wurden um einige Wochen vertröstet. "Wir werden eine gesonderte Sitzung des Beirates zu diesem Thema durchführen", kündigte Pelster an. Diese Debatte sei erst sinnvoll, wenn alle Informationen und Bewertungen vollständig vorliegen. Dies werde Anfang oder Mitte Juni der Fall sein.

"Eine Zusammenlegung der Krankenhäuser Vechta und Lohne würde grundsätzlich die Möglichkeit bieten, Leistungen in der Region zu halten und ein sukzessives Abbröckeln in Richtung Oberzentren zu verhindern."Ulrich Pelster, Vorstandsvorsitzender der Schwester-Euthymia-Stiftung

"Uns ist besonders wichtig, dass wir einen Standort finden, der für Patienten, Mitarbeiter und die Region bestens geeignet ist", betonte Pelster. Wichtig sei, dass der Standort gute Realisierungschancen habe und von einem großen gemeinsamen Willen getragen werde. Dass für die geplante Zusammenlegung der beiden Krankenhäuser in Vechta und Lohne derzeit drei Standorte zur Auswahl stünden, sei eine "komfortable Situation" für den Betreiber.

Der Vorstandsvorsitzende machte noch einmal deutlich: "Eine Zusammenlegung der Krankenhäuser Vechta und Lohne würde grundsätzlich die Möglichkeit bieten, Leistungen in der Region zu halten und ein sukzessives Abbröckeln in Richtung Oberzentren zu verhindern." Unerlässlich sei die Fusion kurzfristig zwar nicht, doch ein Verzicht würde zu einem sukzessiven Abbröckeln von Leistungen in Richtung Oberzentren führen und könne auch die Notfallversorgung vor Ort gefährden.

Mittel aus dem Strukturfonds sind begrenzt

Wie es um die Krankenhauslandschaft auf Bundes- und Landesebene bestellt ist, zeigte Jörg Niemann in seinem mit vielen Zahlen, Fakten und persönlichen Bewertungen gespickten Gastvortrag auf. Er ist Leiter der Landesvertretung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek). Zudem fungiert er als Sachverständiger in der Enquete-Kommission des Landtages zur Sicherstellung der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung in Niedersachsen.

Der Verband der Ersatzkassen hat bei Investitionen im Gesundheitswesen ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Er ist Mitglied im Niedersächsischen Krankenhausplanungsausschuss, wo unter anderem über Infrastrukturprojekte wie das Zentralklinikum Vechta-Lohne entschieden wird. Im Falle des Strukturfonds ist darüber hinaus die ausdrückliche Zustimmung der Kostenträger und damit auch des Verbands für bauliche Vorhaben erforderlich. Sie verfügen hier sogar über ein Vetorecht.

Bestens vertraut mit der Finanzierung des Gesundheitswesens: Jörg Niemann, Leiter der Landesvertretung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek). Foto: SpeckmannBestens vertraut mit der Finanzierung des Gesundheitswesens: Jörg Niemann, Leiter der Landesvertretung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek). Foto: Speckmann

Ob das Großprojekt im Landkreis Vechta über den Strukturfonds des Landes Niedersachsen finanziert wird, ist fraglich. Das zuständige Ministerium hält sich weiterhin bedeckt. Der Fördertopf ist auf 355 Millionen Euro begrenzt. Dem steht ein Antragsvolumen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro gegenüber. Hier konkurriert das Zentralklinikum Vechta-Lohne bekanntlich mit Bauvorhaben in den Landkreisen Diepholz und Heidekreis sowie dem ostfriesischen Georgsheil.

Angesichts der knappen Mittel spielen die Projektkosten eine ganz entscheidende Rolle. Für den Bau eines Zentralklinikums Vechta-Lohne hat die Stiftung einen Förderantrag in Höhe von 220 Millionen Euro gestellt. Ein Ausbau an der Marienstraße wäre vermutlich deutlich günstiger als ein Neubau auf der grünen Wiese, wenngleich der Klinikbetreiber dazu noch keine konkreten Zahlen nennt.

"Wer schnell ist und überzeugende Konzepte hat, hat die Chance, aus diesen zusätzlichen Mitteln bedient zu werden."Jörg Niemann, Leiter der Landesvertretung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek)

Wie die Chancen im Wettbewerb um die Fördermittel stehen, wollte der Vertreter der Ersatzkassen auf Nachfrage aus dem Beirat nicht näher kommentieren. Aber seine persönliche Einschätzung sei, "dass der Landkreis Vechta auf einem sehr guten Weg ist." Es sei interessant zu sehen, dass der Klinikträger einen "ruhigen und kontinuierlichen Weg" gehe. Es sei richtig, was hier zurzeit geplant werde, meinte Niemann.

Mit Blick auf die Vielzahl an Projekten in Niedersachsen hielt der Verbandsvertreter fest: "Wer schnell ist und überzeugende Konzepte hat, hat die Chance, aus diesen zusätzlichen Mitteln bedient zu werden." Oder ganz salopp ausgedrückt: Wer eine Idee hat, aber die Planung nicht auf die Kette bekommt, wird bei dem begrenzten Strukturfonds das Nachsehen haben.

Niemann kam zu dem Schluss, dass Zentralisierungen die Versorgungsqualität, die Wirtschaftlichkeit und auch die Wettbewerbsposition verbesserten. Wenn Investitionsmittel begrenzt seien, sollte das Geld für langfristig zukunftssichere Standorte ausgegeben werden. Am Ende müssten sachliche Kriterien entscheiden. "Das wird eine Herausforderung sowohl für die Planungsbehörde als auch für die Krankenkassen."

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