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Stadt, Land, Vorurteil

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Das Leben in der Stadt unterscheidet sich zu dem auf dem Land. Das denken zumindest viele Menschen - wie Gummistiefel bei Vorurteilen helfen können.

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Seitdem ich als Volontärin im Oldenburger Münsterland unterwegs bin, habe ich immer Gummistiefel im Kofferraum. Festes Schuhwerk war zwar keine Einstellungsvoraussetzung, aber schnell wurde mir klar, dass viele Termine "jwd" sind. "Janz weit draußen" ist für mich all das, wo Straßen zu Feldwegen werden, keine Laternen mehr leuchten und mir mehr Wildtiere als Menschen begegnen.

Dabei komme ich nicht aus einer Metropole wie Berlin. In einer Arbeit des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung von 2009 heißt es über das Oldenburger Münsterland: "In kleinen Siedlungen, die auf Namen wie Friesoyte [Fehler absichtlich nicht berichtigt] oder Bakum hören, berichten die Lokalzeitungen am Montag im Sportteil über das 'Boßeln', eine Art Freiluftbowling ohne Kegel, von der der überwiegende Teil der Deutschen noch nie etwas gehört haben dürfte." Das klingt für mich wie ein Bericht über eine weit entfernte Galaxie. 

Im Kreis Vechta leben fast 100 Nutztiere pro Einwohner

Obwohl ich selber schon geboßelt habe, werden mir aber die Unterschiede zwischen Stadt und Land bewusst, wenn ich beim Fototermin mit dem Fuß im Matsch stecke. Ich lebe in Oldenburg mit rund 170.000 anderen Menschen. In Cloppenburg gibt es fast 36.000 Menschen. Ein Vorteil dort: Man kennt sich. Nicht selten werden mir erst mal die Verwandtschaftsverhältnisse meiner Gesprächspartner und -partnerinnen erklärt. Ein Nachteil: Man kennt sich. Wenige Stunden nach einem Fauxpas gackert wahrscheinlich jedes Huhn darüber. 

Und davon gibt es viele im Oldenburger Münsterland. Allein im Landkreis Vechta gibt es 11.424.945 Hühner. Dazu kommen 1.582.084 Schweine, 546.821 Puten, Gänse und Enten und 108.951 Rinder. Bei einer Bevölkerungszahl von fast 144.000 Menschen im Kreis Vechta sind das fast 100 Nutztiere pro Einwohner oder Einwohnerin. Ich bin nicht gut in Mathematik, aber ich stelle mir gerade vor, was in Berlin los wäre, wenn dort jeder Mensch 100 Tiere hätte. Wahrscheinlich die Sau.

"Alle Vorurteile schaffen Gräben zwischen Menschen in der Stadt und auf dem Land."Fenja Hahn

Doch wo lebt es sich nun besser – auf dem Land oder in der Stadt? Das muss wohl jeder für sich beantworten. Fest steht, die Bevölkerung in Südoldenburg wächst weiter, in beiden Landkreisen gibt es mehr Geburten als Todesfälle. Das ländliche Leben im Oldenburger Münsterland scheint gut anzukommen. Aber laut einer Umfrage der "Zeit" sind die Menschen in Deutschland vom Dorf bis zur Metropole mit ihrem Leben etwa gleich zufrieden. 

Und es gibt noch eine Sache, die überall gleich ist: Es gibt Vorurteile über die jeweils andere Gruppe. Einige Klischees finden sich in dieser Kolumne, andere in unseren Köpfen. Einige treffen vielleicht zu, andere nicht. Alle Vorurteile schaffen Gräben zwischen Menschen in der Stadt und auf dem Land. Also lasst uns zukünftig lieber Brücken statt Gräben bauen! Oder Gummistiefel parat haben.


Zur Person:

  • Fenja Hahn ist Volontärin der OM-Medien.

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