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Spürhund Benno kann Fledermäuse erschnüffeln

Der Artenschutz-Suchhund war jetzt an der Seite seines Halters Stefan Meyerrose in Vechta im Einsatz. Die feine Nase des Vierbeiners ist gefragt. Denn er kann auch nach Igeln und Pilzen suchen.

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Benno ist 3 Jahre alt. Mit Geruchsproben teilt sein Halter Stefan Meyerrose seinem Suchhund mit, was er erschnüffeln soll. Foto: M. Niehues

Benno ist 3 Jahre alt. Mit Geruchsproben teilt sein Halter Stefan Meyerrose seinem Suchhund mit, was er erschnüffeln soll. Foto: M. Niehues

Wenn er losläuft, gibt es kein Halten mehr. In jede Ecke steckt er seine Nase, flitzt an Wänden vorbei und setzt sich leise hin, wenn er etwas gefunden hat. Benno ist ein gefragter Artenschutz-Suchhund. An der Seite seines Halters Stefan Meyerrose aus Hunteburg ist er oft und mit großem Fleiß im Einsatz, um geschützte Tierchen zu erschnüffeln.

Ganz im Sinne des Artenschutzes war Stefan Meyerrose zusammen mit seinem Vierbeiner am Freitag in Vechta aktiv. An der Landwehrstraße will das Andreaswerk ein altes Gehöft zum Teil abreißen, aber auch umbauen. Wie Geschäftsführer Matthias Warnking erklärt, ist es der Einrichtung wichtig, dabei die Artenschutzbelange im Blick zu haben. Ohnehin müssen diese berücksichtigt werden, damit die Stadt Vechta den nötigen Bebauungsplan erstellen kann. 

Hund benötigt Geruchsprobe als Startsignal

Benno wird für seinen Einsatz am Freitag zunächst eine rot/gelbe Weste umgeschnallt – für ihn ein Zeichen, dass es an die Arbeit geht. Den eigentlichen Auftrag erhält er auf Plattdeutsch. "Dat mööt wi seuken", sagt Meyerrose dann zu seinem Vierbeiner und hält ihm als Suchauftrag ein Glas mit Fledermauskot vor die Nase. Lange riechen  muss der Australian Shepherd daran nicht. Etwa 2 Sekunden reichen, dann schüttelt der Hund kurz seinen Kopf. Er weiß jetzt, was er erschnuppern soll und läuft los.

Das alte Bauernhaus mit der angrenzenden Scheune erobert er nach und nach. Findet er tatsächlich Fledermäuse, können die geschützten Tierchen während der Winterzeit eingefangen und in der Nähe in Nistkästen umgesiedelt werden. Der 3-jährige Hund erledige seine Arbeit schneller als ein menschlicher Fledermausexperte, der sonst mit einer Taschenlampe in alle Ritze der Gemäuer leuchten müsse, sagt Landschaftsarchitekt Dirk Ortland von der Stadt Vechta. Er kümmert sich darum, dass Natur- und Artenschutz beachtet werden. Fledermäuse wiederum stehen auf der Roten Liste stehen und gelten als gefährdet. Sie brauchen daher besondere Aufmerksamkeit.

Kleine Bulettenstücke gibt es als Belohnung 

Benno sucht unterdessen fleißig weiter. Gesetzliche Regelungen interessieren ihn nicht. Er will seinen Auftrag erfüllen. Denn dann gibt es  Belohnung. Buletten mag der Australian Shepherd besonders, sagt  Stefan Meyerrose. Deshalb hat er kleine Stückchen für Benno als Leckerli in der Tasche.

"Benno ist sehr liebenswert, er überlegt genau und muss alles abarbeiten", sagt sein stolzes Herrchen und lobt dabei zugleich die Vielseitigkeit seines Hundes. Denn der kann viel mehr als die meisten anderen Artgenossen. "Er kann Gerüche differenzieren", betont Stefan Meyerrose.

Benno sei nämlich eigentlich zertifizierter Gehölzpathogen-Spürhund, erklärt Meyerrose. Er könne bestimmte Baumkrankheiten wie Pilz- oder Käferbefall erriechen. "Benno braucht dafür einen passenden Startgeruch", erklärt Meyerrose, der von Beruf Baumsachverständiger ist. Dann wisse der Hund, wonach er suchen solle. Entsprechende Geruchsproben führt Meyerrose immer bei sich. 

Konzentriert sich auf den Fledermaus-Geruch: Benno bei der Arbeit. Foto: M. NiehuesKonzentriert sich auf den Fledermaus-Geruch: Benno bei der Arbeit. Foto: M. Niehues

Hund und Herrchen ergänzen sich beruflich also perfekt. Benno ist hierfür schon ab seinem 5. Lebensmonat ausgebildet worden. Die Fledermäuse sind also für den Vierbeiner eine Art Zusatzqualifikation geworden, ebenso Igel. Denn auch danach hat Benno auf dem Resthof in Vechta gesucht. Meyerrose lobt die Zuverlässigkeit seines Tieres. "Wenn Benno 2 oder 3 Mal alles abgesucht hat und nicht mehr vor etwas sitzen bleibt, dann ist da auch nichts", betont er. Benno sei ein absolutes Ass. Er spüre alles auf, worauf er trainiert sei, berichtet Meyerrose stolz.

Eine Hütehund hat über 200 Millionen Geruchsrezeptoren

Wie wichtig Suchhunde im Naturschutz sind, weiß das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig zu berichten. "Der Geruchssinn eines Hundes ist geradezu prädestiniert dafür, kleinste Spuren der gesuchten Arten in der Natur zu finden", so die Experten. Während Menschen ungefähr 6 Millionen Geruchsrezeptoren besitzen würden, sei ein Hütehund mit mehr als 200 Millionen ausgestattet, ein Beagle besitze sogar über 300 Millionen davon. Hunde seien deshalb in der Lage, extrem viele unterschiedliche Gerüche und in sehr kleinen Konzentrationen wahrzunehmen. "So können sie zum Beispiel die Losung von Tieren problemlos finden und sogar Pflanzen, Pilze und Tiere unter der Erde wahrnehmen", berichtet das Helmholtz-Zentrum. Speziell ausgebildete Spürhunde seien daher gerade im Naturschutz bei bedrohten Tieren und Pflanzen eine wertvolle Hilfe.

In Vechta war Benno jetzt zum ersten Mal erfolgreich im Einsatz. Auch nach Igeln hat er an der Landwehrstraße gesucht. "Häste goat moakt", sagt Meyerrose abschließend zu seinem Hund und rückt noch ein Stückchen Bulette raus.

Schnüffeln an der Geruchsprobe: Dann weiß Benno, wonach der suchen soll. Foto: M. NiehuesSchnüffeln an der Geruchsprobe: Dann weiß Benno, wonach der suchen soll. Foto: M. Niehues

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