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Sprachcamp bereitet Kinder wieder auf die Schule vor

Einige Schüler sprechen im Sommer 6 Wochen lang kein Deutsch – da setzt der Runde Tisch Lohne an. In den Ferien bietet er eine Woche Sprach-Auffrischung für Schüler mit Migrationshintergrund.

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Leiten die Übungen: (von links, hinten) Die Betreuer Vijitha Tiruchelvam, Kerstin Sommer, Maria Bokern, Katharina Fröhlich, Birgit Schröder, Annemarie Emken, Jana Münchow, Anke Homrighausen, Celina Holzenkamp, Lana Shekhy und Julia Siwajewa. Foto: E. Wenzel

Leiten die Übungen: (von links, hinten) Die Betreuer Vijitha Tiruchelvam, Kerstin Sommer, Maria Bokern, Katharina Fröhlich, Birgit Schröder, Annemarie Emken, Jana Münchow, Anke Homrighausen, Celina Holzenkamp, Lana Shekhy und Julia Siwajewa. Foto: E. Wenzel

Wer in den vergangenen Tagen an der Franziskusschule in Lohne vorbeigelaufen ist, mag es bemerkt haben: Selbst in den Sommerferien ist es dort nicht leise. Sei es das Geräusch von spielenden Kindern oder Gesang, das Sprachcamp des Runden Tisches für Integration und Völkerverständigung und der Stadt Lohne sorgt für Leben in der Schule.

Das Angebot läuft vom 15. bis 19. August und richtet sich an Kinder mit Migrationshintergrund. Die Idee hinter dem Projekt ist es, Kinder aus Familien, in denen nicht Deutsch gesprochen wird, zum Ende der Ferien wieder in die deutsche Sprache einzuführen. 

Kopf, Schultern, Knie und Fuß: Für das letzte Lied vor der Mittagspause standen die Teilnehmer und Betreuer noch einmal auf und tanzten mit.  Foto: E. WenzelKopf, Schultern, Knie und Fuß: Für das letzte Lied vor der Mittagspause standen die Teilnehmer und Betreuer noch einmal auf und tanzten mit.  Foto: E. Wenzel

„Das ist immer eine Überraschung, was wir bekommen an Kindern“, sagt Maria Bokern, die das Projekt gemeinsam mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Runden Tisches, Kerstin Sommer, leitet. Dieses Jahr seien viele ukrainische Schüler dabei, die noch gar nicht Deutsch sprächen. Dafür können die 8 Betreuer die Übungen und Spiele aber anpassen. „Jedes Kind nimmt mit, was es kann“, erklärt Bokern. Darüber hinaus unterstützt die Ukrainerin Julia Siwajewa bei der Übersetzung für die ukrainischen Kinder. Sie ist selbst erst seit diesem Jahr in Deutschland, hat aber vor rund 10 Jahren schon einmal ein Au-pair-Jahr in Deutschland absolviert.

Der Mittwoch des Sprachcamps war beispielsweise dem Thema Essen, Obst und Gemüse gewidmet. Durch das Lied „Mango, Mango“ konnten die Kinder die unbekannten Wörter singend erlernen. Anke Homrighausen leitete die Gruppe als Gitarrenspielerin fließend über in das Lied „Kopf, Schultern, Knie und Fuß“ – das saß am Mittwoch schon sehr gut. Um die Wörter in der Praxis zu testen, wurden die Kinder gebeten, Obst mitzubringen. Denn zum Mittagessen gab es am Mittwoch Obstsalat.

Sprachkurs hilft Schülern, sich auf den Schulbeginn vorzubereiten

Nach dem Mittagessen klang der Tag bis 14 Uhr beim Spielen auf dem Schulhof aus, erklärt Kerstin Sommer. Weitere Themen der Woche waren unter anderem der Körper, Kleidung, Essen, Tiere und Emotionen. Zusätzlich zu den vom Runden Tisch vorbereiteten Spielen und Aktionen geht die erste Vorsitzende des Art.Labs, Katharina Fröhlich, die Themen von einer anderen Seite an: dem darstellenden Spiel. So könnten die Kinder die Wörter zusätzlich vertiefen.

Der Erfolg des Angebots falle im Schulalltag auf, berichtet die Schulleiterin der Franziskusschule, Birgit Schröder. „Es sind zwar wenige, aber man merkt schon, wenn Schüler 6 Wochen nur ihre Muttersprache gesprochen haben“, meint sie. Die Schule habe eigentlich noch weitere Kinder, die an dem Angebot teilnehmen könnten, die Anzahl war in diesem Jahr aber auf zwei Schüler pro Schule begrenzt, erklärt Jana Münchow von der Stadt Lohne. Die Situation rund um die Corona-Pandemie sei zu unsicher gewesen. Die diesjährige Gruppe wurde auf 12 Kinder begrenzt - dazu regelmäßige Tests.

Kinder können sich über ihre Geschichte austauschen

Aber auch über das Sprachangebot hinaus sei das Angebot sehr wertvoll. Durch die Gruppenarbeit kommen die Schüler miteinander ins Gespräch und können Kontakte knüpfen. Bokern erinnert sich noch daran, dass sich vor kurzem zwei Mädchen über ihre Herkunft unterhalten haben – eines von ihnen kam aus Syrien, das andere aus der Ukraine. Beide sind wegen eines Krieges geflohen. „Sie haben gemerkt: 'Ich bin hier gar nicht alleine'“, freut sich Bokern.

Die Übungen und das Programm hätten Sommer und ihre Kollegen vom Runden Tisch schon ein halbes Jahr im Voraus geplant. Wegen des Ukraine-Krieges musste aber umgeplant werden. Ursprünglich war das Thema Märchen. Mit einer Gruppe, in der nur ein Kind Deutsch spricht, sei das nicht möglich, erklärt Sommer. Also musste das Angebot angepasst werden.

Einige Programmpunkte fielen auch weg, weil sie zu Schwierigkeiten geführt hätten, erklärt Sommer. So wurden in diesem Jahr keine Ausflüge zu Spielplätzen oder Ähnlichem gemacht. Es sei zu schwierig den Überblick und die Kontrolle über die Gruppe zu behalten, wenn der überwiegende Großteil der Gruppe kein Deutsch spreche.

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