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Sportchefs einig: Ohne Ehrenamt läuft nichts

Der Präsident und der Geschäftsführer des VfL Osnabrück sind Gäste des Sommerempfangs der CDU und des TuS Neuenkirchen. In der Talkrunde gab es auch tiefe Einblicke in den Profisport.

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Eine illustre Runde: Über Fußball und mehr sprachen beim CDU-Sommerempfang im Neuenkirchener Pias-Sportpark (von links) Tobias Lahrmann, Holger Elixmann, Andreas Menke und Dr. Michael Welling. Foto: Lammert

Eine illustre Runde: Über Fußball und mehr sprachen beim CDU-Sommerempfang im Neuenkirchener Pias-Sportpark (von links) Tobias Lahrmann, Holger Elixmann, Andreas Menke und Dr. Michael Welling. Foto: Lammert

Nein, den Namen des neuen Trainers ihrer Profimannschaft wollten der Präsident des VfL Osnabrück, Holger Elixmann, und der kaufmännische Geschäftsführer Dr. Michael Welling nicht nennen. Ansonsten zeigten sie sich beim Sommerempfang des CDU-Gemeindeverbandes Neuenkirchen am Donnerstag im Pias-Sportpark durchaus redselig. Dabei hätten die Teilnehmer gerne gewusst, wer den nach Bielefeld abgewanderten Daniel Scherning ersetzt.

Die Christdemokraten, deren Vorsitzender Tobias Lahrmann das Gespräch mit den beiden VfL-Vertretern moderierte, hatten ihren erstmals durchgeführten Sommerempfang zusammen mit dem TuS Neuenkirchen veranstaltet. Dabei sollte es ausdrücklich nicht um die Ortspolitik gehen, sondern um besondere Vereinsanliegen. Zahlreiche Themen wurden angesprochen, die Teilnehmer formulierten aber auch klare Bitten in Richtung VfL.

Ehrenamt muss gestärkt werden

Einig waren sich Holger Elixmann, Michael Welling und der TuS-Vorsitzende Andreas Menke darin, dass es gelte, das Ehrenamt zu stärken. Selbst in seiner Profiabteilung setze der VfL auf Ehrenamtliche wie etwa bei der Betreuung der Schiedsrichter. "Das Vereinsleben läuft über Menschen, die sich engagieren. Ohne sie funktioniert Gemeinschaft nicht", unterstrich Welling, der auch eine größere Wertschätzung der Tätigkeit der Ehrenamtlichen durch die Gesellschaft wünschte. Denn es sei auch eine wichtige Arbeit, damit Kinder in einer Gemeinschaft groß werden können.

Aber: Holger Elixmann sprach sich gegen eine Bezahlung ehrenamtlicher Kräfte etwa durch Kommunen oder die Länder aus, obwohl die, wie Karl-Heinz Kreuzmann feststellte, immer mehr Aufgaben aufgebürdet bekommen. Eine Bezahlung, sagte Michael Welling, würde das Ehrenamt „unterminieren“. Dazu ergänzte Holger Elixmann: Es gebe bestimmte Posten innerhalb der Vereinsvorstände, die besonders zeitaufwendig seien. Dazu gehöre das Amt des Kassenwartes. Dennoch sollte sich etwa die Rolle der Kommunen bei der Unterstützung der Vereine darauf beschränken, ihnen bei Investitionen durch Zuschüsse zu helfen. In Sachen Ehrenamt könnten die Vereine besser unabhängig agieren. Denn andernfalls könnte es zu Reglementierungen kommen, wenn die Öffentliche Hand die Ehrenamtlichen finanziell unterstützen würde.

TuS ist "ganz gut" durch die Pandemie gekommen

Beim Thema Corona sagte Andreas Menke, der TuS sei unter dem Strich ganz gut durch die Pandemie gekommen. Zwar habe der Verein erhebliche Einschränkungen bei allen Angeboten erfahren, aber die Verantwortlichen seien glücklich, dass die meisten jungen Vereinsmitglieder die Pandemie unbeschadet überstanden haben. Die Mitgliederzahl des TuS steige sogar.

Ein Grund dafür sei auch, dass der TuS Neuenkirchen stets offen sei für neue Sportarten. So seien Bürger an den Vorstand herangetreten mit dem Vorschlag, das Hobby-Horsing oder auch Darts anzubieten.

Geisterspiele waren für den VfL ein Horror

Einen kleinen Einblick über die Folgen für den VfL gab Michael Welling mit dem Hinweis, während der Pandemie ab Februar 2020 bis zum Ende der Saison 2021/22 habe der VfL rund 35 Heimspiele gehabt. Der Verein habe aufgrund sich ständig ändernder Anforderungen im Vorfeld der Spiele 30 Sicherheitskonzepte erarbeiten müssen. Und Holger Elixmann sagte mit Blick auf die Partien ohne Zuschauer: „Die Geisterspiele waren ein Horror.“

Ein anderes Thema: Geld und Tradition. Die Vertreter des nach ihren Worten „Traditionsclub“ VfL Osnabrück konstatierten, die Tradition eines Vereins sei wegen der Identität wichtig. Aber Welling sagte auch: „Tradition schießt keine Tore, Geld schon.“ Das sei erwiesen. Wenn der VfL also weiter im Profifußball bleiben wolle, müsse er Geld verdienen.

Wettbewerb um Geld immer wichtiger

Allerdings warnte der Geschäftsführer auch: „Der organisierte Fußball muss die Gemeinschaft und die Integrität bewahren.“ Er habe den Eindruck, für die Vereine werde der Wettbewerb um Geld immer wichtiger. Dabei verwies er auch auf die wegen der höheren Zahl an Übertragungsanbietern steigenden Kosten, um Spiele im Fernsehen verfolgen zu können. Das Anschauen von Spielen müsse aber bezahlbar bleiben, sonst bleibt der Nachwuchs aus.

In dem Zusammenhang machte Michael Welling aber auch die unterschiedlichen Interessen der Profivereine in Sachen Marketing deutlich: „Wenn ich mit Herrn Watzke rede, sieht er das anders. Er redet über Shanghai, ich über Neuenkirchen.“ Hans-Joachim Watzke ist seit 2005 Geschäftsführer des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund.

Welling wendet sich gegen Modell „RB Leipzig“

Im Zusammenhang mit der Integrität des Fußballs wandte sich Welling gegen das Modell „RB Leipzig“. Die Integrität sei nicht gewährleistet, wenn ein Verein wie die Leipziger, die sportlich einen guten Job machten, mal eben 100 Millionen Euro ausgeben könnten, ohne dass der Verein das Geld erwirtschaftet habe.

Der frühere CDU-Landtagsabgeordnete Friedhelm Biestmann schlug den VfL-Vertretern vor, dass das Profiteam im Zuge seiner Saisonvorbereitung öfter auch auf Sportanlagen im Osnabrücker Umland Testspiele absolvieren sollte, um so die Verbundenheit mit den dort lebenden Fans zu zeigen. Zudem appellierte der Biester an die Landespolitiker, auf keinen Fall die Landesmittel für die Übungsleiterpauschalen zu kürzen.

E-Jugend bekommt Freikarten für "Bremer Brücke"

Besonders freute sich am Ende der Veranstaltung das TuS-Vorstandsmitglied Ralf Feldkamp. Ihm als einem der Organisatoren des jüngsten OM-Cups in Neuenkirchen überreichten Holger Elixmann und Michael Welling Freikarten für die TuS-E-Jugend, die den OM-Cup gewonnen hatte, und die ehrenamtlichen Kräfte, die die Veranstaltung organisiert hatten. Sie dürfen nun auf der Bremer Brücke, dem VfL-Station, das Spiel gegen Saarbrücken verfolgen. Die VfLer hoffen bei der Partie auf eine große Unterstützung aus Neuenkirchen.

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