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Spontanität will wohlüberlegt sein

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Ein Wochenende ohne Termine und Verpflichtungen, einfach tun, was man will, und sich komplett entspannen – welch ein Traum! Man muss nur wissen, wie man es angeht.

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Konferenzen, Telefonate, Zoom-Meetings, Arbeitsgruppe – unser aller Berufsleben lässt keine Langeweile aufkommen. Grund genug, am Wochenende zwei bis sechs Gänge runterzuschalten, um die Akkus aufzuladen. Genau das hatte ich mir jüngst fürs Wochenende vorgenommen. Keinerlei private Termine, Fernsehprogramm nach Maß – einfach spontan in den Tag hineinleben. Dafür hatte ich mir einen genauen Plan zurechtgelegt ...

Freitagabend wandert die Aktentasche direkt unter den Schreibtisch – hoch die Hände, Wochenende! Oder wie Lothar Matthäus es ausdrücken würde: Hände hoch, Wochenende!

Der Samstagmorgen: In aller Herrgottsfrühe klingelt der Wecker. Ich hatte mich daran erinnert, wie mein Hausarzt mir einst von seinen frühmorgendlichen Runden durch den Wald – und deren Wohltat für den Körper – berichtete. Und so steige ich gegen 7 Uhr am Trimm-dich-Parkplatz Bührener Tannen putzmunter aus dem Kfz. Seit Jahren war ich nicht mehr joggen, aber hey, kein Hexenwerk! 20 Minuten und drei vermeintliche Wolfssichtungen später falle ich hechelnd wie Isegrim zurück in den Fahrersitz. Eine sommerlich-kühle Dusche kann daheim Körper und Geist wiederbeleben.

„Nur kurz denke ich gegen 8.30 Uhr daran, dass ich jetzt auch noch 2 Stunden Matratzenhorchdienst ableisten könnte.“Heiko Bosse

„Guck an, 8 Uhr und du bist hellwach wie selten an einem Samstag – der erste Erfolg!“, frohlocke ich, während ich mein Müsli zubereite. Denn da ein gesunder Geist einen ebensolchen Körper bewohnen will, soll mein Wochenende auch kulinarisch gesund und entschlackend daherkommen. Statt Croissants und Latte Macchiato also Müsli, O-Saft und Vollkorn-Toast mit Honig.

Nur kurz denke ich gegen 8.30 Uhr daran, dass ich jetzt auch noch 2 Stunden Matratzenhorchdienst ableisten könnte. Nix da, schließlich soll es zeitig zur Waschstraße gehen, um all den Faulpelzen, die ab 11 Uhr die Schlange bilden, zuvorzukommen. Während Müsli und O-Saft in meinem Unterbauch noch nicht so recht Freunde werden wollen, baller’ ich im Rahmen der StVO gen Waschanlage, mache dort die Faust, weil ich’s allen gezeigt habe (nur ein Wagen vor mir), und lasse mich entspannt die Bürsten entlangziehen.

Zum Mittag gibt es dann – da mein lässiges Wochenende keine Kartoffelpuffer vorsieht – Wassermelone. Nach einer halben Frucht, die Mitte Juni noch wie rote Gurke schmeckt, falle ich mit einem Wasserbauch aufs Sofa und lege die Füße hoch. Aber sowas von hoch! Man könnte fast schon von Kopfstand sprechen.

Gemütliches Kaffeesieren? Vor lauter Entspannung keine Zeit!

Als später mein Bruder anruft und fragt, ob ich zum gemütlichen Kaffee vorbeikommen will, muss ich absagen: „Leider keine Zeit – dieses Wochenende ist bei mir Entspannung pur angesagt!“

Rechtzeitig um 15.30 Uhr komme ich los, um zu Punkt 16 Uhr dem Sonntageinläuten an der Kirche lauschen zu können. Beim flotten Spazieren genieße ich Vogelgezwitscher in der Luft und Spinnweben im Gesicht – und frage mich, ob Muskelkater eigentlich grundsätzlich eine Nacht braucht oder er Spitzensportler wie mich auch jetzt schon für die morgendliche Waldrunde belohnen kann.

An meinem Hunger ändert auch die gebratene Bio-Putenbrust am Abend nichts. Von Andy Borg (aber davon erzähle ich Ihnen beim nächsten Mal) bekomme ich an diesem Abend übrigens nichts mehr mit, da ich mit Müsli-Melonen-Puten-Bauch auf dem Sofa einschlafe.

Mein lässiges Wochenende breche ich am Sonntagmorgen kurz vor dem Frühstück ab. Entspannen ist mir echt zu stressig!


Zur Person:

  • Heiko Bosse ist Mitglied der Chefredaktion der OM-Medien.
  • Den Autor erreichen Sie per Mail an: redaktion@om-medien.de.

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