Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Spiel auf dem Dudelsack sorgt für Gänsehaut

Christof Lienesch will mit Unterstützung der Kreismusikschule ein Ensemble in Vechta aufbauen. Zum Bedienen der großen Pipe braucht es viel Übung.

Artikel teilen:
Ziehen bei dem Projekt an einem Strang: Christof Lienesch (rechts) will einen Verein mit Dudelsack- und Drum-Spielern aufbauen. Bei der Organisation des Unterrichts wird der Vechtaer von Kreismusikschulleiter Rainer Wördemann unterstützt. Foto: Speckmann

Ziehen bei dem Projekt an einem Strang: Christof Lienesch (rechts) will einen Verein mit Dudelsack- und Drum-Spielern aufbauen. Bei der Organisation des Unterrichts wird der Vechtaer von Kreismusikschulleiter Rainer Wördemann unterstützt. Foto: Speckmann

Christof Lienesch erhebt sich von seinem Platz und klemmt das Instrument unter seinen linken Arm. Er nimmt die Blowpipe in den Mund, atmet tief durch und füllt den Bag mit Luft . Ein sanfter Druck auf den Sack genügt, um einen Dauerton auf den Drone Stocks zu erzeugen. Nun wird mit dem Chanter eine Melodie gespielt. Klingt alles schon wegen der Fachbegriffe recht kompliziert, und das ist es tatsächlich auch, denn der Umgang mit dem schottischen Dudelsack will gelernt sein.

In der Stadt Vechta gibt es bald die Gelegenheit, das Musizieren auf dem Holzblasinstrument zu erlernen und zu verfeinern. Christof Lienesch will für diese Zwecke extra einen Verein gründen. Dabei kann der Initiator auf die Unterstützung der Kreismusikschule Vechta in Person von Einrichtungsleiter Rainer Wördemann bauen. „Wir haben ein hervorragendes Konzept erarbeitet, das sehr Erfolg versprechend ist“, berichtet das Duo.

Lienesch würde sich freuen, wenn sich viele Anfänger und auch Fortgeschrittene für das Projekt begeistern. Er selbst ist von der schottischen Musik und Kultur schon seit vielen Jahren angetan, ausgelöst durch den landestypischen Abenteuerfilm „Die Entführung des David Balfour“. Doch bis der heute 57-jährige Vechtaer zum Dudelsack, auch Pipe genannt, gegriffen hat, sollte es eine ganze Weile dauern.

Tonangebendes Detail: Die Stimmzunge befindet sich im Drone Stock des Dudelsacks. Foto: SpeckmannTonangebendes Detail: Die Stimmzunge befindet sich im Drone Stock des Dudelsacks. Foto: Speckmann

"Ich bin fasziniert von Musik jeglicher Art, ganz gleich ob Klassik, Jazz oder Volksmusik. Musik muss mich einfach nur erreichen", erzählt der Vechtaer. Schon im Alter von 15 Jahren habe er seine Lautsprecher aus Holz selbst gebaut. Das Hobby sei in einer Schreinerlehre gemündet, die Boxen seien größer und aufwendiger geworden. Nur zum Musizieren habe er damals noch nicht den Dreh gefunden.

Mit Anfang 30 hörte Lienesch dann einen Freund auf einer chromatischen Mundharmonika spielen – und wusste sofort: "Das wird mein Instrument, ab jetzt mache ich auch Musik." Bei der Kreismusikschule nahm er Unterricht. Nach 10 Jahren Hausmusik wollte er dann aber mehr, ein neues Instrument musste her. Die Gedankenspiele bei einer guten Flasche Wein führten zur "Great Highland Bagpipe".

Auftakt bei "Dersa Highlanders" in Damme

Mit den "Dersa Highlanders" in Damme fand der wissbegierige Musikfreund einen Verein, wo er den Umgang mit dem Dudelsack erlernen konnte. Seither lässt ihn das Thema nicht mehr los. "Die Musik und der Klang des Instruments gehen unter die Haut. Sie sorgen sowohl beim Zuhörer als auch beim Spieler für gute Laune. Der dazugehörige original schottische Kilt macht die Sache rund", beschreibt der 57-Jährige das harmonische Gefühl.

Aufgrund der Entfernung in den Südkreis spielt der Vechtaer nun schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken, einen Verein in seinem Wohnort zu gründen. Hier hat er mit Rainer Wördemann, einem Freund aus Grundschulzeiten in Mühlen und zugleich Leiter der Kreismusikschule, einen Mitstreiter gefunden, der ihm bei der Umsetzung des Projektes fachlich und organisatorisch zur Seite steht.

"Ich sehe das neue Angebot in Vechta in keiner Weise als Konkurrenz zum Dammer Verein. Wir haben hier den Vorteil, im Nordkreis tätig zu sein und interessierten Menschen diese wundervolle Musik näherzubringen", erklärt Lienesch. Mit dieser Idee stößt er auf offene Ohren. Nach einem Aufruf in den sozialen Netzwerken haben sich bereits 16 Männer und Frauen aus Vechta und Umgebung gemeldet.

"Mitmachen können Anfänger und Fortgeschrittene. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich", sagt Wördemann. Die Kreismusikschule stelle dem Verein zwei Lehrer zur Seite, die den Schülern sowohl das Spiel auf der Pipe als auch auf den Drums vermitteln. Der Unterricht für beide Gruppen werde auf professioneller Basis stattfinden, die Sache solle Hand und Fuß haben, betont der 56-jährige Einrichtungsleiter.

Teilnehmer spielen zuerst auf Übungsflöte

Die Dudelsackspieler beginnen zunächst auf einer Übungsflöte, der sogenannten "Practice Chanter". Erst wenn sie die Grundlagen beherrschen und erste Stücke einstudiert hätten, komme die große Pipe zum Einsatz, erläutert Wördemann. Die erforderliche Motivation und Geduld vorausgesetzt, soll es dann in etwa 2 Jahren möglich sein, vier bis sechs Lieder auf dem Holzblasinstrument zu spielen.

Sofern es die Corona-Pandemie zulässt, könnte der Unterricht nach den Osterferien beginnen. Die Treffen sollen jeden Donnerstag von 19 bis 21 Uhr in der Geschwister-Scholl-Oberschule stattfinden. Lehrmaterial wird zur Verfügung gestellt. Wer Dudelsack spielen möchte, sollte sich zunächst eine Übungsflöte zulegen. Die Kosten betragen knapp 100 Euro. Hinzu kommt ein Monatsbeitrag in Höhe von 35 bis 40 Euro.

Christof Lienesch hat eine große Vorliebe für den Dudelsack. Schottische Musik und Kultur haben es ihm angetan. Foto: SpeckmannChristof Lienesch hat eine große Vorliebe für den Dudelsack. Schottische Musik und Kultur haben es ihm angetan. Foto: Speckmann

Ein organisatorisches Treffen ist für Anfang März vorgesehen, einen Vereinsnamen mit lokalem Bezug gibt es aber jetzt schon: "Sprengepiel Pipers". Die Initiatoren sind davon überzeugt, dass das Ensemble eine Bereicherung des musikalischen Angebotes in Vechta darstellen wird. Sie können sich schon jetzt gemeinsame Auftritte mit anderen Orchestern oder Spielmannszügen vorstellen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

  • Info: Nähere Auskünfte zum Angebot gibt es bei Christof Lienesch unter Telefon 0162-9192288 oder E-Mail: sprengepiel-pipers@gmx.de.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Spiel auf dem Dudelsack sorgt für Gänsehaut - OM online