Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

SPD will noch mehr eine Kümmererpartei sein

Der neue Vorsitzende der Sozialdemokraten in Neuenkirchen-Vörden ist erst 33 Jahre alt. Er selbst sagt, die Fußstapfen seiner Vorgänger seien groß. Aber er traut sich zu, sie auszufüllen.

Artikel teilen:
Erster Genosse vor Ort: Der Vördener Martin Lindemann ist seit dem 5. November Vorsitzender der rund 35 Neuenkirchen-Vördener Sozialdemokraten. Sie wählten ihn einstimmig.Foto: Lammert

Erster Genosse vor Ort: Der Vördener Martin Lindemann ist seit dem 5. November Vorsitzender der rund 35 Neuenkirchen-Vördener Sozialdemokraten. Sie wählten ihn einstimmig.Foto: Lammert

Martin Lindemann ist seit dem 5. November Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Neuenkirchen-Vörden. Bei der Vorstandswahl der Sozialdemokraten trat Martin Lindemann die Nachfolge Andreas Frankenburgs an, der zehn Jahre lang im Amt gewesen war. Auf seinen Wunsch hin erhöhte die Versammlung die Zahl der Beisitzer erheblich.

Der Vorsitz ist nicht seine einzige neue politische Aufgabe. Denn seit dem 1. November ist Lindemann auch Mitglied des Gemeinderates. Wohin er den Ortsverein führen will, auch das sagt er in diesem Interview.

Herr Lindemann, zunächst ein Blick auf die Bundes-SPD: Wenn Sie sich im Dezember bei der Wahl des beziehungsweise der Bundesvorsitzenden für Lars Klingbeil oder Saskia Esken entscheiden müssten, wen würden Sie wählen?
Ich begrüße es auf jeden Fall sehr, dass Lars Klingbeil kandidiert. Er ist ja ebenfalls aus Niedersachsen. Als SPD-Generalsekretär hat er den Bundestagswahlkampf unserer Partei geleitet, welcher ja sehr erfolgreich ausgegangen ist. Damit ist er prädestiniert für die Aufgabe des Parteivorsitzenden. Ich bevorzuge aber eine Doppelspitze mit Saskia Esken, damit sich die SPD breiter aufstellen kann.

Warum gibt es in der SPD Neuenkirchen-Vörden keine Doppelspitze?
Wir haben ja einen großen Vorstand gewählt...,

...der übrigens sehr männerlastig ist...
...in dem wir die Aufgaben auf viele Schultern verteilen wollen. Es ist richtig, dass wir in unserem Ortsverein weniger Frauen als Männer sind. Deswegen sehe ich es als eine der nächsten Aufgaben an, mehr Frauen für den Ortsverein zu gewinnen. Die Frauen, die schon in unserem Ortsverein tätig sind, leisten eine hervorragende Arbeit.

Einen SPD-Ortsverein mit gerade mal rund 35 Mitgliedern zu übernehmen, scheint nicht der Wunschtraum vieler Sozialdemokraten zu sein. Warum haben Sie trotzdem für das Amt kandidiert?
Ich habe kandidiert, weil ich es für sehr wichtig halte, die politischen Interessen von jüngeren und älteren Menschen sowie von Männern und Frauen zu kombinieren, um einen zukünftigen Erfolg für unsere Gemeinde zu erzielen.

Welchen Erfolg meinen Sie?
Ich glaube, ein wichtiges Thema für die Gemeinde ist die Verkehrssituation in beiden Ortsteilen. In Neuenkirchen gab es bereits eine Protestaktion durch die neue Bürgerinitiative „49434 Neuenkirchen-Vörden“. Deren Forderungen nach einer verkehrlichen Entlastung des Neuenkirchener Ortskerns sollte die Gemeindepolitik aufnehmen und umsetzen. Dabei dürfen wir aber auch nicht die Vördener Probleme mit ihrer Ortsdurchfahrt vergessen. Die SPD setzt sich schon lange für die Umgehungsstraße ein. Die hätte schon längst gebaut sein müssen, also auch schon vor dem sechsstreifigen Ausbau der Autobahn.

Sie sind jetzt Ratsherr und Parteivorsitzender. Ist das für einen Neuling nicht ein bisschen zu viel an Verantwortung?
Nein, dass sehe ich nicht so. Es sind zwei komplett unterschiedliche Aufgaben, deren Bewältigung ich mir natürlich zutraue, ansonsten hätte ich nicht kandidiert.

Der SPD-Ortsverein wurde bislang wesentlich geprägt von Hermann Schütte und Ihrem Amtsvorgänger Andreas Frankenberg, deren Einfluss auch weiterhin wohl noch sehr groß sein dürfte. Wie wollen Sie sich da als Vorsitzender emanzipieren?
Ich denke, die Fußstapfen Hermann Schüttes und Andreas Frankenbergs sind in der Tat ziemlich groß. Aber die Aufgaben sind jetzt neu verteilt. Hermann Schütte ist jetzt stellvertretender Bürgermeister und Andreas Frankenberg unser Fraktionsvorsitzender im Rat. Ich bin mir sicher, dass wir gegenseitig voneinander profitieren werden, um die zukünftigen Aufgaben zu bewältigen, vor denen die SPD Neuenkirchen-Vörden und die Gemeinde stehen. Beide haben mir bei der Leitung des Ortsvereins ihre Unterstützung zugesagt und arbeiten als Beisitzer im Vorstand mit.

Allgemein wird auch in Neuenkirchen-Vörden über ein hohes Maß an Politikverdrossenheit geklagt. Wie möchten Sie mit Ihrem Vorstand dazu beitragen, zukünftig wieder mehr Bürger zumindest für die Politik vor Ort zu interessieren?
Zunächst einmal wollen wir niedrigschwellige Angebote zur Politik machen, indem wir beispielsweise Stammtische oder Bürgerforen anbieten. In einer lockeren Runde lässt es sich häufig einfacher über Politik diskutieren, als wenn die Menschen zu einer offiziellen Parteiveranstaltung kommen sollen. Ferner möchten wir als SPD-Ortsverein weiterhin Politiker von der Bundes- und Landesebene nach Neuenkirchen-Vörden einladen, damit die Bürger direkt mit ihnen über ihre Sorgen, Nöte und Anliegen diskutieren können. Wir möchten, dass die SPD noch mehr ihrer Aufgabe als Kümmererpartei nachkommt. Wegen der Corona-Pandemie war es zuletzt unmöglich, größere Veranstaltungen zu organisieren.

In welchen politischen Themenfeldern auf Gemeindeebene neben der verkehrlichen Entwicklung möchte der Ortsverein Schwerpunkte setzen?
Uns geht es darum, den verloren gegangenen Sitz im Rat bei der Wahl 2026 zurückerobern. Dafür ist eine Voraussetzung, dass wir neue Mitglieder, insbesondere in Neuenkirchen, aber natürlich auch in Vörden gewinnen. Wir werden uns zudem auch als Ortsverein mit der Gewerbeentwicklung in der Gemeinde beschäftigen und über die Fraktion Anregungen in die Gemeindepolitik bringen, wie wir mehr Gewerbe ansiedeln können, gleichzeitig aber die Ansiedlungen umweltverträglich erfolgen können. Wir müssen es schaffen, einerseits ein starker Wirtschaftsstandort zu sein, andererseits aber die Belange der Natur gleichrangig zu berücksichtigen. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass alle Arbeitsplätze in der Gemeinde und im Niedersachsenpark tarifgebunden sind. Wir wollen keine Leiharbeiter mehr in den Betrieben.

Brennt Ihnen ganz persönlich ein Thema besonders unter den Nägeln?
Mir als Erzieher und Vater einer Tochter liegt es besonders am Herzen, dass wir zum Beispiel zentral mehr öffentliche Plätze für Kinder und Jugendliche wie eine Skateanlage schaffen. Des Weiteren muss die öffentliche Daseinsvorsorge verbessert werden. Wir benötigen unter anderem mehr Ärzte und eine neue Postfiliale.

Stichwort junge Generation: Die Präsenz des Ortsvereins in den sozialen Netzwerken ist, höflich gesagt, ausbaufähig. Wie wollen Sie die aufpeppen?
Wir haben bereits eine Internetseite sowie Auftritte in Facebook und Instagram. Wir müssen uns überlegen, wie wir konkrete Politik in den sozialen Medien verständlich darstellen und deutlich zeigen, wo wir uns von anderen Parteien unterscheiden. So wollen wir auch der Tatsache Rechnung tragen, dass wir manche Menschen vor allem über die sozialen Medien erreichen und sie darüber zur Mitarbeit einladen können.


Zur Person:

  • Martin Lindemann ist 33 Jahre alt.
  • Der Vater einer Tochter ist gebürtiger Vördener.
  • Der gelernte Bäcker schulte von 2016 von 2020 zum Erzieher um und arbeitet seit einem Jahr in der Kindertagesstätte „Im Dorfe“ in einer Integrationsgruppe.
  • Zu seinen Hobbys zählt seine Mofa, eine 35 Jahre alte Puch Maxi n. Außerdem liest er sehr viel, aktuelle Sachbücher ebenso wie Belletristik.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

SPD will noch mehr eine Kümmererpartei sein - OM online