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"Spaziergänger" gehen im OM wieder auf die Straße

In beiden Kreisstädten des Oldenburger Münsterlandes und in Friesoythe fanden wieder unangemeldete Demonstrationen statt. In Cloppenburg hielt der Stadtrat als Gegenveranstaltung eine Gedenkfeier ab.

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Provoziert die Beamten: Aloys Thye Moormann AFD bei Polizeikontrolle in Cloppenbur. Foto: M. Niehues

Provoziert die Beamten: Aloys Thye Moormann AFD bei Polizeikontrolle in Cloppenbur. Foto: M. Niehues

Der Mann mit der roten Jacke fällt auf und scheut keinen Vergleich, als er aufgefordert wird, eine Maske zu tragen: „1933 fing das genauso an. Ihr seid total fremdgesteuert“, ruft er den Polizeibeamten zu. „Ich mache nicht alles, was ihr Hampelmänner von mir wollt.“ Anfangs lassen sich die Ordnungshüter nicht provozieren. Als der Versammlungsteilnehmer ein drittes Mal wegen Regelverstößen auffällt, wird es den Beamten dann doch zu bunt. Er muss seine Personalien angeben. Laut protestiert er gegen die ganzen Corona-Bestimmungen, die ein „Herr Klabautermann“ als Gesundheitsminister seiner Meinung nach unsinnigerweise zu verantworten hat.

Wieder gingen am Montagabend über 200 Personen gegen die Corona-Maßnahmen in Cloppenburg auf die Straße. Weil direkt vor dem Rathaus Ratsmitglieder ein großes Kreuz aus Totenlichtern für die bisher an Corona-Verstorbenen aufstellten, versammelten sich kurz vor 18 Uhr die ersten Personengruppen, die gegen die Pandemie-Politik demonstrieren wollten. Die Polizei war mit über 20 Beamten vor Ort.

Gleich zu Beginn erhielten die sogenannten „Spaziergänger“ über Lautsprecher den Hinweis, dass deren Treffen als Versammlung eingestuft wird und gemäß der Allgemeinverfügung entsprechende Regeln wie das Tragen von Masken und das Einhalten von Abständen zu befolgen sind. „Alles Schikane“, entgegneten mehrere Teilnehmer mit russischem Akzent, bevor sich der Zug durch die Innenstadt in Bewegung setzte. Der größte Teil der Versammlungsteilnehmer hielt sich an die Maskenpflicht. Ohne Transparente und Parolen liefen sie friedlich durch die Cloppenburger Innenstadt. Führende Köpfe der Demo waren nicht auszumachen. Ein AfD-Politiker drehte ein Selfie-Video mit den marschierenden Teilnehmern im Hintergrund. Andere aus dem überwiegend bürgerlichen Spektrum nahmen zum Teil mit Kinderwagen daran teil.

Polizei fordert immer wieder zum Tragen der Masken auf

Die Polizei wiederholte ihre Forderungen gegenüber jenen Teilnehmern, die offensichtlich ganz bewusst das Tragen einer Maske verweigerten. Immer wieder sprachen die Beamten diese Personen an und mussten sich dabei manche Pöbelei anhören. „Das sind hier ja Zustände wie in Nordkorea“, schimpfte beispielsweise das AfD-Kreisverbandsvorstandsmitglied Aloys Thye-Moormann, als er von der Polizei kontrolliert wurde, weil er keine Maske trug. Der Bakumer, der im Kreis Vechta 2021 für das Landratsamt kandidierte, lieferte sich ein Wortgefecht mit den Beamten. „Ich habe keine Maske, weil ich keine tragen muss“, rief er und forderte den Beamten auf, sein Attest nur mit Abstand und mit Einmalhandschuhen anzufassen.

„Ich habe ja so richtig Angst vor Omikron. Das soll ja so tödlich sein. Bill Gates wird sich freuen“, versuchte er sich lustig zu machen und filmte den Einsatz mit seinem Handy. „Damit bin ich schon zweimal vor Gericht durchgekommen“, brüstete sich der AfD-Politiker, als die Beamten die Echtheit seines Attestes, das ihn vom Tragen der Maske befreien soll, zunächst anzweifeln. In der Cloppenburger Fußgängerzone will er sich nur zufällig aufgehalten haben. „Ich weiß gar nicht, was eine Versammlung ist“, sagte der Bakumer lachend zu den Beamten, obwohl er wiederholt, auch zusammen mit anderen AfD-Politikern, an Demos teilgenommen hat. Seine Show half ihm nicht. Thye-Moormann wurde seitens der Polizei ein Platzverweis für die Innenstadt ausgesprochen.

Corona-Protest in Vechta: Rund 120 Personen demonstrierten am Montagabend durch die Kreisstadt. Etliche von ihnen trugen keine Masken. Foto: J. ScholzCorona-Protest in Vechta: Rund 120 Personen demonstrierten am Montagabend durch die Kreisstadt. Etliche von ihnen trugen keine Masken. Foto: J. Scholz

Ein ähnliches Bild zeigte sich in der Kreisstadt Vechta. Rund 120 Personen liefen zusammenhängend durch die Innenstadt. Zunächst versammelten sie sich leicht abseits des Vechtaer Rathauses. "Ich bin gegen eine Impfpflicht", sagt ein junger Mann unter 30 aus Steinfeld. "Wir gehen nur spazieren, das Wetter ist so schön", sagt eine Frau, die sich eine Lautsprecherbox umgehangen hat, aus der laut "Freiheit" schallt. 

Die Polizei ging immer wieder auf Demonstranten zu und mahnte zur Maskenpflicht. "Ich brauche keine Masken tragen", sagt eine Frau mit einem Grablicht in der Hand. Etliche "Spaziergänger" widersetzten sich der Maskenpflicht. Die Polizei begleitete den Zug durch die Innenstadt in ihren Streifenwagen. "Spaziergänger" berichteten, dass sie zum wiederholten Mal in Vechta mitgehen. Für die Freiheit, wie sie betonen. "Wir haben Angst um unsere Kinder", sagen zwei Frauen. Eine Maske tragen sie nicht. Warum nicht? "Das ist hier nur ein Spaziergang", sagt die eine Frau. Unter den Spaziergängern befanden sich in Vechta auch einige Personen, die entweder der AfD nahe stehen oder gar Mitglied sind.

Friesoyther Jusos organisieren Demo gegen "Spaziergänger"

In Friesoythe hatten die Jusos zu einer Gegen-Kundgebung vor dem Start des Spaziergangs aufgerufen. Über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammelten sich unter dem Motto "Kein Ort zum Querdenken" vor der Kirche, um ihre Position deutlich zu machen – coronakonform mit Hygienekonzept, Abstandsmarkierungen und Masken.

Mehrere Redner machten dabei deutlich, dass sich die Kundgebung in erster Linie gegen den Versuch richtete, mit einer als "Spaziergang" getarnten Versammlung das Demonstrationsrecht zu unterlaufen. "Dass man Kritik üben möchte, ist ok", sagte etwa Heike Brundiers. "Aber diese Spaziergänge sind nichts anderes als unangemeldete Demonstrationen, denn sie sind eben nicht spontan." Stattdessen würden Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme Seite an Seite auftreten und Deutschland als Diktatur bezeichnen. "Diese Vergleiche sind respektlos den Menschen gegenüber, die in Diktaturen gelebt haben und dort umgekommen sind", betonte sie.

Unbeeindruckt davon begannen etwa 30 Menschen gegen 18 Uhr wie schon an den vergangenen Montagen einen "Spaziergang" durch die Stadt. An der Kreuzung Kirchstraße/Meeschenstraße deklarierte die Polizei den "Spaziergang" zu einer Versammlung und forderte die Teilnehmer auf, Masken anzulegen und Abstände einzuhalten. Als die "Spaziergänger" dem nicht nachkommen wollten, begann die Polizei, Personalien aufzunehmen. Zu einem weiteren Zusammenstoß kam es etwa 30 Minuten später am St.-Marien-Hospital. Auch hier nahmen die Beamten Personalien auf. Wer keine Ausweispapiere bei sich hatte, wurde zur Feststellung der Identität auf die Polizeidienststelle gebracht.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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