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Soldaten helfen mit Rucksack voller Fähigkeiten

Der Landkreis Cloppenburg hat eine „Geheimwaffe“ im Keller. Im Zuge der Corona-Pandemie erlebte das 2008 gegründete Kreisverbindungskommando Cloppenburg nun seine Premiere.

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Einsatz vor Ort: Das Cloppenburger Verbindungskommando mit Oberstleutnant Hubertus Pleye, Stabsfeldwebel Ulrich Geers, Hauptmann Dr. Jörgen Haneke, Stabsfeldwebel Klaus Witte, Oberstabsfeldwebel Manfred Diek, Oberleutnant zur See Christoph Penning, Stabsfeldwebel Martin Withake und Oberfeldarzt Dr. Sebastian Kreienborg (von links). Foto: Bernd Götting

Einsatz vor Ort: Das Cloppenburger Verbindungskommando mit Oberstleutnant Hubertus Pleye, Stabsfeldwebel Ulrich Geers, Hauptmann Dr. Jörgen Haneke, Stabsfeldwebel Klaus Witte, Oberstabsfeldwebel Manfred Diek, Oberleutnant zur See Christoph Penning, Stabsfeldwebel Martin Withake und Oberfeldarzt Dr. Sebastian Kreienborg (von links). Foto: Bernd Götting

Was Verbindungs- und Befestigungstechnik angeht, ist Hubertus Pleye ein echter Experte. Mit Dübeln, Ankern und Schrauben für die Industrie verdient der Außendienstler sein täglich Brot. Aber der 57-Jährige führt ein Doppelleben, durchaus im Sinne des Staates.

Als Reservist den Bezug zur Bundeswehr behalten

Der gebürtige Cloppenburger absolvierte 1982 sein Abitur am Clemens-August-Gymnasium. Während seiner zwölfjährigen Dienstzeit bei der Bundeswehr schloss er 1987 das Studium der Wirtschaftswissenschaften erfolgreich an der Universität der Bundeswehr ab. Nach seiner Verwendung als Panzergrenadier-Kompaniechef in Neu-Wulmstorf diente er noch ein Jahr im Stab der 3. Panzerdivision in Buxtehude. Und weil er danach gerne einen Bezug zur Bundeswehr behalten wollte, wurde er Reservist und engagiert sich mit vielen weiteren Kameraden in Cloppenburg für die Allgemeinheit. Etliche Übungen hat er absolviert, und zahlreiche Veränderungen in der Bundeswehr erlebt. Durch die massive Verkleinerung der Truppe gab es manche Entscheidung, die für ihn nur schwer nachvollziehbar war. Dazu zählte vor vielen Jahren auch die neue Reservistenstruktur. Doch das änderte nichts an seiner Loyalität.

In den 2000er Jahren veränderte die Bundeswehr ihr Profil in der zivil-militärischen Zusammenarbeit sehr stark. In Hannover wurde 2007 das Landeskommando Niedersachsen als oberste territoriale Kommandobehörde für dieses Bundesland aufgestellt. Parallel dazu entstanden im Jahr 2008 die Kreisverbindungskommandos (KVK). Der Auftrag des KVK im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit besteht darin, als Bindeglied zwischen der Bundeswehr und dem Landkreis zu fungieren.

Für diesen Job den Kampfanzug aus dem Seesack geholt

Leiter dieses Kommandos ist Hubertus Pleye, der für diesen Job wieder den Kampfanzug aus dem Seesack holte. Der zivile Beruf ruht derzeit, weil die Tätigkeit im KVK als Einsatz zählt. Sein zweites Berufsleben als Oberstleutnant findet im Keller des Kreishauses an der Eschstraße statt. Dort befindet sich das Lagezentrum des Landkreises, und auch die KVK-Reservisten unterhalten hier ihre Büros. „Wir sind die Schnittstelle zur Bundeswehr. Unser Job ist es, Fähigkeiten zu vermitteln, in personeller und materieller Hinsicht“.

Unterstützung aus Oldenburg: Drei Stabsdienstsoldaten waren am vergangenen Samstag zum Dienst eingeteilt und halfen dem Gesundheitsamt bei der Kontaktermittlung. Foto: Bernd Götting Unterstützung aus Oldenburg: Drei Stabsdienstsoldaten waren am vergangenen Samstag zum Dienst eingeteilt und halfen dem Gesundheitsamt bei der Kontaktermittlung. Foto: Bernd Götting 

Wenn der Landkreis Hilfe benötige, könne er diese zunächst pauschal und unbürokratisch bei der Bundeswehr anfordern. Die Soldaten würden dann diese Anforderungen nach Bundeswehr-Kriterien präzisieren und an das Landeskommando nach Hannover weiterleiten. In einem weiteren Schritt entscheide dann das Kommando für Territoriale Aufgaben in Berlin über Umfang und Zeitpunkt der Hilfeleistungen. „Die Optionen reichen vom Räumpanzer über Transportlogistik bis hin zur komplexen Sanitätsversorgung in einem Katastrophenfall“, beschreibt Pleye die Möglichkeiten. Unterstützt wird der Cloppenburger dabei in der Regel von drei Stabsoffizieren, drei Offizieren und drei Feldwebeln. „In dieser Besetzung sind wir schichtdienstfähig,“ beschreibt Pleye die Notwendigkeit zur Mehrfachbesetzung der Dienstposten.

Vier Stellen im Kommando sind noch unbesetzt

Alle Dienstgrade verfügen über militärische Qualifikationen, die in Krisen- und Katastrophenlagen von besonderem Belang sind. Leider seien vier Stellen in seinem Kommando derzeit noch unbesetzt. „Wir können niemanden zwingen, schließlich sind wir ja nicht im Krieg. Und die Arbeitgeber müssen bei einer Einberufung ja auch mitspielen“, berichtet Pleye. Und so sucht er unermüdlich weiter, im Bekanntenkreis, in den Reservistenkameradschaften und beim Karrierecenter der Bundeswehr.

Die Soldaten des Cloppenburger KVK haben selbst kein schweres Gerät, und tragen während ihres Dienstes auch keine Waffen. Wer hier allerdings mitmache, wechsele ganz offiziell vom Status „Zivilist“ in den Status „Soldat“, mit allen Rechten und Pflichten.

Im aktuellen Einsatz mit dem Namen „Covid 19“ unterstützt die Kreisverwaltung das KVK in den Bereichen Unterkunft, Transport und Verpflegung. „Das funktioniert hier alles. Die Leute vom Gesundheitsamt und vom Katastrophenschutz leisten gute Arbeit“, lobt der Hubertus Pleye die Kollegen der zivilen Seite.

„Cloppenburg und Bundeswehr, das fremdelt immer etwas“. Hubertus Pleye, Leiter des Kreisverbindungskommandos

Dass die Cloppenburger dennoch etwas fremdeln beim Anblick der zahlreichen Uniformen, ist für ihn verständlich. „Wir haben einerseits keine Wehrpflicht mehr und somit weniger Berührungspunkte. Und es gab ja nie eine größere Bundeswehreinheit im Landkreis. Woanders gehören Soldaten zum Alltagsbild der Städte“.

Der Einsatz des KVK ist zunächst bis zum 23. Oktober 2020 befristet. Danach werde gewechselt oder verlängert, oder die Amtshilfe eingestellt. Entscheidend seien der Bedarf des Landkreises und die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr bei der Landes- und Bündnisverteidigung.

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