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Soldat spricht über Einsätze der Bundeswehr

Frank Wittemann war bei der "Männersache" im Bildungswerk zu Gast. Unter anderem diskutierten die Teilnehmer über den Afghanistan-Einsatz.

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Kurz vor dem Abzug der Truppen: Die Bundeswehr hatte ihre Evakuierungsmission für Deutsche und einheimische Ortskräfte in Afghanistan am Donnerstagmorgen fortgesetzt. Foto: dpa

Kurz vor dem Abzug der Truppen: Die Bundeswehr hatte ihre Evakuierungsmission für Deutsche und einheimische Ortskräfte in Afghanistan am Donnerstagmorgen fortgesetzt. Foto: dpa

Eine Bewertung des 20-jährigen Bundeswehreinsatzes in Afghanistan sei ihm nicht möglich, sagte Frank Wittemann aus Bunnen bei der "Männersache" des Bildungswerks. Zur ersten Veranstaltung der Gruppe im Jahr 2022 kamen über 20 Teilnehmer, um mit dem Soldaten, der als Privatmann auftrat, über den Einsatz der Bundeswehr zu diskutieren.

Infrastrukturell habe sich einiges in Afghanistan deutlich verbessert, Wittemann nannte dabei vor allem die medizinische Struktur im Norden des Landes. Auch die Förderprogramme für Frauen seien von Erfolg gekrönt gewesen, doch inwieweit das nach Abzug der Alliierten noch gelte, könne er nicht sagen. „Es hat nichts gebracht, ist zu einfach gesagt“, sagte er jedoch. 

Bei der Männersache zu Gast: Frank Wittemann diskutiert mit den Mitgliedern  den Bundeswehreinsatz. Foto: KessensBei der Männersache zu Gast: Frank Wittemann diskutiert mit den Mitgliedern  den Bundeswehreinsatz. Foto: Kessens

Wittemann lobte unterdessen die professionelle Vorbereitung der Soldaten auf die Einsätze in Krisengebieten. „Wir sind nie mit einer Besatzermentalität aufgetreten, sondern immer nur auf Augenhöhe. Das brachte uns viel Sympathie ein“, verdeutlichte er. Auch die Bundeswehr habe die Taliban gejagt und bekämpft, doch einen unsichtbaren Gegner könne man nicht besiegen, sagte er.

Im Laufe der Zeit sei aus einem Kampfmandat ein Beratungsmandat geworden. Ein neues politisches System einzuführen, sei nicht Aufgabe der Bundeswehr gewesen, sondern eher, ein stabiles Umfeld zu schaffen. „Unsere Werte, Denkweisen und Regeln dort einzuführen, passt nicht zur afghanischen Kultur“, machte Wittemann, der mehrere Einsätze in Krisengebieten hinter sich hat, deutlich. Er hofft auf die Generation, die während der vergangenen 20 Jahre herangewachsen sei. Diese müsse den Prozess anstoßen, sich der Taliban zu entledigen.

Betroffene können psychosoziale Angebote nutzen

Zu bedauern seien die gefallenen Soldaten, doch man dürfe auch die vielen gescheiterten Ehen und Beziehungen und die psychischen Belastungen nicht vergessen. Betroffene Soldatinnen und Soldaten könnten die vielen professionellen psychosozialen Angebote der Bundeswehr nutzen.

Unverständnis habe die Öffentlichkeit seinerzeit gezeigt, dass die ausgebildeten afghanischen Soldaten den Taliban kampflos gegenüberstanden. „Sie als feige zu bezeichnen, ist zu einfach“, sagte er. Doch wenn ein Präsident das sprichwörtlich sinkende Schiff als Erster verlasse, wie sollten dann die eigenen Soldaten motiviert noch Widerstand leisten, sagte er.

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