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Solardachkataster für den gesamten Kreis Vechta ist freigeschaltet

Rechnet sich die Installation von Sonnenkollektoren oder einer Photovoltaikanlage auf meinem Hausdach? Das ist jetzt kreisweit mit nur wenigen Klicks ersichtlich.

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Eine Photovoltaikanlage auf einem Eigenheim: Ob sich das lohnt, zeigt das neue Solardachkataster des Landkreises Vechta. Foto: dpa/Pleul

Eine Photovoltaikanlage auf einem Eigenheim: Ob sich das lohnt, zeigt das neue Solardachkataster des Landkreises Vechta. Foto: dpa/Pleul

Egal ob landwirtschaftlicher Hof, Gewerbehalle, Wohngebäude oder öffentliche Einrichtung: Ab sofort können sich alle Menschen im Kreis Vechta mit wenigen Klicks im Internet darüber informieren, ob ihr Haus geeignet ist, um Sonnenkollektoren oder eine Photovoltaikanlage zu installieren. Denn: Das Solardachkataster des Landkreises Vechta ist jetzt freigeschaltet. "Ich kann alle Bürger, Hausbesitzer und Unternehmer nur auffordern, sich das anzusehen", sagte Landrat Herbert Winkel zum Startschuss. Das Online-Kataster sei "sehr einfach zu bedienen". Damit könne die Region außerdem ihren Teil dazu beitragen, dass die Energiewende gelingt, fügte er an.

Die Initiative geht auf ein Engagement des Klimaschutzmanagers der Stadt Damme, Roman Fehler, und der ehemaligen Klimaschutzmanagerin der Stadt Dinklage, Dorothee Arp, zurück. Ziel war es, nicht nur einzelne Städte und Gemeinden abzubilden, sondern möglichst das komplette Kreisgebiet. Daraufhin übernahm die Kreisverwaltung die Regie und warb erfolgreich Fördermittel aus dem Leader-Programm der Europäischen Union ein.

Und so funktioniert das Ganze: Wer das Solardachkataster anklickt, sieht zunächst eine Landkreiskarte und wählt dort seine Heimatgemeinde aus. Anschließend ist es möglich, das gesuchte Gebäude anzusteuern – per Zoom auf einer Detailkarte oder mittels einer Suchfunktion. Dort angekommen, ist schon auf den ersten Blick eine Grundtendenz zu erkennen. Heißt: Je wärmer die Farbe des Hausdachs, desto besser ist es zur Nutzung von Solarenergie geeignet.

Alles auf einen Blick: Anhand diverser Parameter können die Nutzerinnen und Nutzer selbst ermitteln, welche Leistung, Kosten und Erträge am Ende wahrscheinlich herauskommen. Bildschirmfoto: BergAlles auf einen Blick: Anhand diverser Parameter können die Nutzerinnen und Nutzer selbst ermitteln, welche Leistung, Kosten und Erträge am Ende wahrscheinlich herauskommen. Bildschirmfoto: Berg

Datenbasis sind 3-dimensionale Scannerdaten des Landesamtes für Geoinformation und Landesvermessung. Daraus konnten die Entwickler des Unternehmens Geoplex Werte wie Dachausrichtung oder Neigungswinkel gewinnen und sogenannte Einstrahlungsberechnungen vornehmen, sagte Geschäftsführer Frederik Hilling während der Auftaktveranstaltung. Die Online-Präsentation wurde in Spitzenzeiten von bis zu 70 interessierten Bürgern via Facebook und Youtube live verfolgt.

Zurück zu den Inhalten: Anhand diverser Parameter können die Nutzerinnen und Nutzer selbst ermitteln, wie wirtschaftlich die Installation einer Solarenergieanlage wäre. Dazu zählen etwa, ob die Immobilie selbst bewohnt wird oder vermietet ist, wie hoch der bisherige Verbrauch ist, ob Photovoltaikanlagen, die Strom produzieren, und Solarthermie, die Wärme erzeugt, miteinander kombiniert werden sollen oder sogar noch ein E-Auto hinzukommt. Selbst die Zahl der einzelnen Solarthermie- oder Photovoltaikelemente auf dem Dach kann individuell vorgenommen werden.

"Daran war der Landkreis Vechta überdurchschnittlich beteiligt."Matthias Rudloff von der Klimaschutzagentur Niedersachsen zum landesweiten Photovoltaik-Zubau im Jahr 2020.

Immer ersichtlich ist dabei, welche Auswirkungen die jeweiligen Klicks auf Leistung, Kosten und Erträge haben. Darüber hinaus werden die zahlreichen Fördermöglichkeiten dargestellt und – als weiteres Highlight – lokale Ansprechpartner wie Handwerksbetriebe und Energieberater aufgeführt. "Da hat der Landkreis Vechta eine sinnvolle Ergänzung vorgenommen", so Hilling.

Schon heute sei das hiesige Kreisgebiet bei einigen Solarenergie-Kennziffern landesweit vorne dabei, sagte Matthias Rudloff von der Klimaschutz- und Energieagentur des Landes Niedersachsen während der Auftaktveranstaltung. So seien im vergangenen Jahr 404 Megawatt an installierter Leistung aus Photovoltaikanlagen in Niedersachsen hinzugekommen. "Daran war der Landkreis Vechta überdurchschnittlich beteiligt", so Rudloff.

Wurden die meisten Anlagen bislang auf landwirtschaftlichen Gebäuden installiert, so gibt es jetzt offenbar eine Trendwende. Denn von den landesweit mehr als 17.000 neu gebauten Systemen im Jahr 2020 gehen nach Rudloffs Angaben 14.000 auf das Konto von privaten Hauseigentümerinnen und -eigentümern. Gleichwohl: Zwischen dem Vorhaben des Landes, die installierte Photovoltaik-Leistung bis zum Jahr 2040 auf 65 Gigawatt zu steigern und der aus 4,6 Gigawatt bestehenden Gegenwart klaffe noch eine große Lücke.

Faustregel: Je mehr selbst genutzt wird, desto besser

Der Ausbau müsse also "deutlich beschleunigt werden, um die Klimaschutzziele zu erreichen", erklärte Rudloff. Daher begrüße er das Solardachkataster des Kreises Vechta. An potenzielle Interessenten gewandt, sagte er: "Die Zeit ist reif für Solarenergie." Als Gründe nannte der Diplom-Ingenieur unter anderem, dass die PV-Erzeugungskosten deutlich unter den Strombezugskosten liegen würden.

In der Folge würden sich die Investitionen sowohl für Privatpersonen als auch Betriebe in 10 bis 12 Jahren amortisieren. Dabei gelte: Je mehr des produzierten Stroms zur eigenen Energieversorgung genutzt werde, desto wirtschaftlich attraktiver sei eine PV-Anlage.


Photovoltaik und Solarthermie: Die Fakten

  • Solarenergie wird mit Hilfe der Photovoltaik und der Solarthermie genutzt.
  • Bei der Photovoltaik wird die Strahlung der Sonne in elektrische Energie umgewandelt.
  • Bei PV-Dachanlagen ist die Selbstversorgung mit dem erzeugten Solarstrom besonders attraktiv. Hintergrund sind die niedrigen Stromerzeugungskosten mit Photovoltaik gegenüber den höheren Strombezugskosten, welche zu einem großen Anteil aus Steuern, Abgaben und Umlagen bestehen.
  • Bei der Solarthermie wird das Sonnenlicht in Wärme umgewandelt, wenn es auf eine Oberfläche trifft. Je mehr Strahlung die Fläche absorbieren kann, desto größer ist der Effekt.
  • Solarkollektoren sammeln die Sonnenwärme ein und leiten sie über einen Wärmekreislauf in einen Wärmespeicher. So steht die gewonnene Wärme etwa für den Warmwasserbedarf bereit.

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