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Sodom und Gomera in Südoldenburg

Kolumne: "Gomera" hätte Lindenstraßen-Hausdrache Else Kling gesagt, "Gomorrha" gemeint und damit ihre Empörung über manche Entwicklung ausgedrückt.

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Liebe Gemeinde! In diesen Wochen wird uns offenbar: Südoldenburg ist auf dem Weg in die Moderne. Bei der Bundestagswahl dürfen jetzt auch andere Parteien gewählt werden, wovon so viele Menschen wie noch nie am 26. September Gebrauch machten. Dutzende Bautrupps reißen in Lichtgeschwindigkeit unsere Bürgersteige auf und legen orangefarbene Kabel hinein, die uns Internet-Empfang ermöglichen. Sogar die katholische Kirche geht mutig voran und lässt Frauen ins Priesterinnenamt.

Äh Moment, letztere Schlagzeile kommt wohl frühestens in 100 Jahren. Aber immerhin sagt die heilige römisch-katholische Kirche endlich ihrem Mitgliederschwund offensiv den Kampf an. Und das nicht in synodalen Treffen mit Obergelehrten, sondern an der Basis. Besonders pfiffig gingen die Oberen in der Gemeinde Lastrup vor. Dort sollte nach Willen der Kita St. Agnes eine ungetaufte Erzieherin eine Ganztagsgruppe leiten. Ging nicht anders. Sie war die einzige Bewerberin, aber immerhin bestens ausgebildet und sympathisch.

"Ganztagsgruppe? Jesus, Maria und Josef! So etwas brauchen wir hier in Südoldenburg nicht, schon gar nicht in einer katholischen Kita."Stefan Freiwald

„Sodom und Gomera“, hätte der Hausdrache Else Kling in der Lindenstraße gezetert (und „Gomorrha“ gemeint). Wo kommen wir da hin, wenn jemand ungetauft in einem katholischen Kindergarten…? Also wirklich. Das wäre ja wie im Mittelalter.

Schon im vergangenen Jahr hatte das Bischöflich-Münstersche Offizialat in Vechta vorausschauend eine Broschüre herausgegeben, in der die Anforderungen an das Personal in kirchlichen Kindertagesstätten haargenau beschrieben werden. Erzieherinnen, die als Erst- oder Zweitkraft in Gruppen arbeiten, müssen demnach grundsätzlich römisch-katholischen Glaubens sein. Ausnahmen sind möglich, allerdings nicht für Konfessionslose. Ihnen könnten innerhalb der Kita aber andere Aufgaben übertragen werden.

Clever! Da hat die Kirche einen Weg gefunden, besagte Erzieherin zur Taufe zu „überreden“, damit die Ganztagsgruppe, die durch das Kirchenveto vor dem Aus stand, doch noch stattfinden konnte. Sicherlich erhofften sich die Oberen in Vechta, Münster und Rom eine Signalwirkung an alle, die irgendwo in Deutschland einen Dienst im Auftrag des Papstes antreten möchten: Sie würden in Scharen an die Taufbecken strömen, um einen der heiß begehrten Jobs in einem Altenheim, einem Kindergarten, einem Krankenhaus, auf einem Friedhof und in einer Schule zu ergattern – überall, wo Kirche draufsteht, tausendfach. Der Mitgliederschwund wäre mit einem Schlag gestoppt. Halleluja!

Doch leider spielte der Kindergarten St. Agnes in Lastrup nicht mit. Das liegt vielleicht an der Namensgeberin, die eine Märtyrerin im alten Rom gewesen sein soll. Die Kindergartenleiterin, beseelt von St. Agnes oder auch nicht, machte einfach eine andere, mit allen Taufwassern gewaschene Erzieherin zur Gruppenleiterin. Und die ungetaufte arme Seele? Die darf die Sprachfördergruppe übernehmen. Darin sind wahrscheinlich sowieso die meisten Kinder nicht katholisch, nicht mal evangelisch, jüdisch, muslimisch, jezidisch, buddhistisch, hinduistisch, nicht mal ungetauft, sondern womöglich noch schlimmer. Die Ganztagsgruppe, für die die konfessionslose Erzieherin ursprünglich eingestellt wurde, bleibt ihr verwehrt.

Sagten Sie gerade Ganztagsgruppe? Jesus, Maria und Josef! So etwas brauchen wir hier in Südoldenburg nicht, schon gar nicht in einer katholischen Kita. Zwischen Küstenkanal und Dümmer sind die Familien noch intakt, die Mütter spätestens mittags vom Einkaufen, vom Bibelgesprächskreis oder von der „Ich-gehe-arbeiten-dann-habe-ich-was-Eigenes-Halbtagsstelle“ zurück am Herd, und das Kind muss nicht bis es dunkel wird in der Einrichtung geparkt werden. Darüber sollte das Offizialat mal nachdenken, anstatt opportunistisch dem Zeitgeist hinterherhecheln und nach neuen Schäfchen zu schielen. Wann, lieber Gott, ist endlich Schluss mit „Sodom und Gomera“ in Südoldenburg?


Zur Person:

  • Stefan Freiwald (48) hat ein Büro für PR, Marketing und Nachhaltigkeitsmanagement in Vechta. Er wohnt mit seiner Familie in Oythe.

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