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So wurde vor mehr als 100 Jahren die Post in der Gemeinde Garrel verteilt

Die Gemeinde Garrel feiert ihren 150. Geburtstag. Aus diesem Grund beschäftigt sich OM-Medien regelmäßig mit der Historie der Gemeinde, etwa mit der Frage: Wie wurde damals die Post verteilt?

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Das "Hotel zur Post": Die erste Postagentur in Garrel.   Foto: Gemeindechronik 1972

Das "Hotel zur Post": Die erste Postagentur in Garrel.   Foto: Gemeindechronik 1972

150 Jahre Garrel: Die Gemeinde feiert ihr großes Jubiläum im Rahmen eines Festakts am 1. Juli, beim OM-Familientag am 18. September stehen die Kinder im Mittelpunkt und den Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten bildet das Rathauskonzert des Garreler Chores am 18. Dezember (wir berichteten). Anlässlich des runden Geburtstags der Gemeinde wirft OM-Medien einen Blick auf historische Ereignisse. Dieses Mal: die Anfänge der Post und des Bahnanschlusses.

Erst 1901 – und damit recht spät – wurde eine Postagentur in Garrel eingerichtet, eine Postzustellung auf dem Land war bis 1860 nicht möglich. In der 1972 erschienenen Gemeinde-Chronik schreibt Heinrich Kalvelage daher aus gutem Grund, dass mit einer Poststelle in Garrel "die Verbindung zur weiten Welt geschaffen wurde". Gastwirt Georg Thoben stellte damals die benötigten Räume in dem heutigen "Hotel zur Post" zur Verfügung. Er selbst führte die Geschäfte bis 1947, ihm folgte sein Sohn Wilhelm, "der 1968 aus Gesundheitsgründen sein Amt niederlegte", wie Kalvelage erklärt.

Zuvor spielte der Standort Cloppenburg für die Garreler eine zentrale Rolle bei der Postverteilung, ein Postamt gab es dort bereits seit 1809. 1820 wurde eine Botenpost zwischen Cloppenburg und Friesoythe eingerichtet. Ab 1853 gab es sowohl eine zweimalige Boten- als auch eine zweimalige Personenpost, ab 1861 verkehrte zwischen beiden Orten sogar eine tägliche Personenpost. Die Post hielt auf dem Rückweg einmal wöchentlich in Bösel und Garrel, erklärt Kalvelage.

Kinder unterstützen "geplagte" Boten

Die Briefverteilung von Cloppenburg nach Garrel war im 19. Jahrhundert eine "kaum vorstellbare Leistung", so der Chronist, immerhin mussten die Boten für eine Strecke mehr als 15 Kilometer zurücklegen. Während es anfänglich kaum Zustellungen gab, änderte sich dies schlagartig, als 1881 die Münsterländische Tageszeitung erschien. Zunächst gab es zwar nur eine Ausgabe in der Woche, doch schon ab 1897 wurde die MT bereits dreimal in der Woche gedruckt. Damit erhöhte sich der Arbeitsaufwand der Postboten enorm, denn die Tageszeitung erfreute sich großer Beliebtheit. Unterstützung erhielten die "geplagten" Boten von Kindern vor Ort, die Spaß daran hatten, den Zustellern bei der Verteilung der Post unter die Arme zu greifen.

Als in Garrel dann endlich die Postagentur eröffnet war, wurden die Briefe bis 1906 zunächst noch von einem Boten geholt. Diese Aufgabe hatte damals der Postschaffner Heinrich Rolfes inne. Das Austragen vor Ort übernahmen Hermann Schlichting und August Bley.

Im Jahr 1906 erhielt Garrel einen Bahnanschluss

1906 erhielt Garrel einen Bahnanschluss, wenn auch nur mit Glück. Denn bei dem Projekt ging es lediglich darum, Friesoythe zu erschließen. Beinahe hätte Garrel das Nachsehen gehabt, denn verschiedene Linien standen zur Wahl, so zum Beispiel auch Löningen-Lindern-Peheim-Markhausen-Friesoythe. Ein Jahr später wurde die Strecke von Cloppenburg bis nach Scharrel verlängert, die Verbindung zur Bahnstrecke Oldenburg–Leer wurde  1908 in Ocholt hergestellt.

"1899 beauftragte der Landtag die Regierung, mit der Planung und der Kostenberechnung zu beginnen. Der Kostenvoranschlag betrug 4.300.000 Mark, hinzu kamen 750.000 Mark für den Grunderwerb. Die letzte Summe sollte zu Lasten der Gemeinden gehen, außerdem sollten sie 10 Prozent der Bausumme tragen", so der Chronist. Cloppenburg und Garrel erklärten sich sofort zur Übernahme bereit, Friesoythe nur zögerlich. Garrel nahm für den Bahnbau eine Anleihe von 10.000 Mark auf, das Geld wollten sie innerhalb von 39 Jahren abbezahlen.

1972 schreibt Kalvelage: "Die ‚Schwäbische Eisenbahn‘ ist für den Personenverkehr mittlerweile stillgelegt, doch ist der Güterumschlag noch so bedeutend, dass an eine völlige Stilllegung wohl nicht zu denken ist." Eine Fehleinschätzung. Heute ist das Thema "Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Cloppenburg und Friesoythe" aktueller denn je. Sollte es zu einer Wiederherstellung kommen, müssen Kosten von bis zu 23,5 Millionen Euro eingeplant werden.

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