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So wollen Erzieherinnen aus dem Oldenburger Münsterland Sprach-Kitas retten

Die Bundesregierung will das Förderprogramm "Sprach-Kitas" zum Jahresende beenden. Fachkräfte aus dem Oldenburger Münsterland wollen das verhindern und beteiligen sich an einer Unterschriftenaktion.

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Starkes Engagement: Mehr als 5300 Unterschriften wurden von den Kitas im Oldenburger Münsterland für den Erhalt der Sprach-Kitas gesammelt. Foto: Hoff

Starkes Engagement: Mehr als 5300 Unterschriften wurden von den Kitas im Oldenburger Münsterland für den Erhalt der Sprach-Kitas gesammelt. Foto: Hoff

„Der Schreck und die Enttäuschung waren groß“, betonte Monika Heitgerken-Wilke, Leiterin des Franziskus-Kindergartens Emstek, eingangs in ihrer Begrüßungsrede. Hintergrund ihrer Aussage: Die Ampel-Koalition hatte im Juli klargestellt, dass der aktuelle Entwurf des Bundeshaushalts 2023 keine weiteren Mittel für das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ bereitstellt.

Seit 2016 konnten Kitas mit den zur Verfügung gestellten Geldern Fachkräfte finanzieren, die auf vielfältigste Art Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung unterstützen und ihnen so Wege der Kommunikation in der Gruppe und im gesellschaftlichen Leben eröffnen. „Wir sprechen hier von einem sehr erfolgreichen und immens wichtigen Förderprogramm. Es verbindet wichtige inhaltliche Schwerpunkte: alltagsintegrierte sprachliche Bildung, inklusive Pädagogik und die Zusammenarbeit mit Familien sowie das Thema Digitalisierung“, stellte Heitgerken-Wilke klar und ergänzte: „Das Ziel sollte nicht eine zeitlich befristete Förderung, sondern eine Verstetigung des Programms sein. Dies war im Koalitionsvertrag so auch vorgesehen.“

Bundesweit müssen mehr als 50.000 Unterschriften zusammenkommen

Gemeinsam mit weiteren Einrichtungen aus dem Oldenburger Münsterland unterstützt Heitgerken-Wilke daher die Petition „Sprach-Kitas retten“. Zentraler Bestandteil dieser Kampagne ist eine beim Deutschen Bundestag eingereichte Petition einer Sprach-Kita-Leiterin aus Mecklenburg-Vorpommern. Wenn bundesweit mehr als 50.000 Unterschriften zusammenkommen, muss der Bundestag unter Teilnahme der zuständigen Ministerien verpflichtend den Petitionsausschuss anhören. Die Zeit drängt. Denn: Der Bundeshaushalt wird in den nächsten 3 Monaten im Bundestag diskutiert und final Ende November verabschiedet.

„Unser Anliegen hat inzwischen eine breite Unterstützung auch bei den Familien und in der Öffentlichkeit gefunden. Wir freuen uns sehr, dass Silvia Breher, stellvertretende CDU- Vorsitzende, sich Zeit für unser Anliegen nimmt und die Liste mit mehr als 5300 Unterschriften persönlich entgegennimmt“, sagte Heitgerken-Wilke, im Beisein der Fachkräfte von Einrichtungen aus Emstek, Cloppenburg, Dinklage, Damme, Vechta, Essen, Löningen, Molbergen, Bevern und Bösel. Nach und nach überreichten Vertreter jeder Einrichtung der Christdemokratin ihre Unterschriftenliste. Ebenfalls anwesend waren Nicola Fuhler, Leiterin des Bildungswerkes Friesoythe, sowie Reiner kl. Holthaus als Trägervertreter der Gemeinde Emstek.

Monika Heitgerken-Wilke (links, Leiterin des Franziskus-Kindergartens Emstek, überreicht Silvia Breher ihre Unterschriftenliste. Foto: HoffMonika Heitgerken-Wilke (links, Leiterin des Franziskus-Kindergartens Emstek, überreicht Silvia Breher ihre Unterschriftenliste. Foto: Hoff

Das Vorgehen der Ampelkoalition stoße auf massives Unverständnis, besonders bei den vielen Erzieherinnen und Erziehern vor Ort, die eh schon sehr leidensfähig seien. "Mit den Sprach-Kitas wird ein erfolgreiches Programm ohne jede Vorankündigung eingestellt, das in der aktuellen Situation wichtiger denn je ist. Die Corona-Pandemie und der Angriffskrieg auf die Ukraine mit den vielen nach Deutschland geflüchteten Kindern haben die große Bedeutung der Sprach-Kitas noch einmal verdeutlicht“, betonte Breher. Es sei essenziell wichtig, dass gerade die bei uns Schutz suchenden Kinder in den Einrichtungen sprachliche Unterstützung erfahren. So eine Entscheidung dürfe nicht auf Kosten der Kinder gehen, die eh schon benachteiligt seien.

Die Ampel-Koalition schiebe sich für die Entscheidung jetzt gegenseitig die Schuld zu. „Finanzminister Christian Lindner hat versichert, die Kitas hätten unter dem Haushaltsentwurf nicht zu leiden. Das sagt der Porsche fahrende Mann ohne Kinder“, sagte Breher.

Silvia Breher (links) nimmt die gesammelten Unterschriften von Karin Möhlenkamp, Leiterin der Molberger Kita Die Arche, entgegen. Foto: HoffSilvia Breher (links) nimmt die gesammelten Unterschriften von Karin Möhlenkamp, Leiterin der Molberger Kita "Die Arche", entgegen. Foto: Hoff

Gegenüber den Kindern sei der Förderstopp verantwortungslos und gegenüber den Fachkräften geringschätzend. Die Regierung verweise leichtfertig auf das Gute-Kita-Gesetz, wonach die Zuständigkeit im Bereich der Kindertagesbetreuung bei den Ländern liege. Jedoch sei das Gesetz an andere Mittel gebunden. Nicht jedes Bundesland könne sich die Übernahme der Kosten leisten. Und auch die Träger kämen finanziell an ihre Grenzen, auch ohne zusätzliche Sonderaufgaben.

Das bestätigte auch Reiner kl. Holthaus: "Es kann nicht sein, dass so ein etabliertes Projekt auf die Träger abgeschoben wird. Die Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht für alle Einrichtungen und trägt nicht zur weiteren Motivation des Personals bei." 

Offen gab Breher zu, dass sie auch in ihrer eigenen Fraktion Werbung für den Erhalt des Programms machen musste, aber ihr die Unterstützung zugesichert worden sei. „Wir werden alles daransetzen, dass die Sprach-Kitas fortgeführt werden können – weil Sprache der Schlüssel ist. Aber auch weil die Einrichtungen und das entsprechende Fachpersonal Planungssicherheit brauchen. Dafür müssen wir Druck auf die Regierung ausüben und diese Unterschriftenaktion ist der richtige Weg.“

  • Info: Unterzeichnet werden kann die Petition auch online unter www.sprachkitas-retten.de. Auf der Website gibt es weitere Infos zum Thema.

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