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So will die Interessengemeinschaft Holdorf dem Thema Energie ein Forum bieten

50 Teilnehmer aus Industrie, Landwirtschaft und Politik sprechen über Hindernisse, Herausforderungen und Lösungen. Wie geht es nun weiter?

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Damit der Stecker nicht gezogen werden muss: Was wie für die Zukunft möglich ist, darüber sprachen die Gäste beim "1. Holdorfer Energieforum" der Interessengemeinschaft Holdorf. Foto: Pixabay

Damit der Stecker nicht gezogen werden muss: Was wie für die Zukunft möglich ist, darüber sprachen die Gäste beim "1. Holdorfer Energieforum" der Interessengemeinschaft Holdorf. Foto: Pixabay

Unternehmer und Landwirte waren gekommen, Akteure aus Industrie und Gewerbe, Biogasanlagenbesitzer und PV-Anlagen-Betreiber, die Nachhaltigkeitsmanagerin der Gemeinde und mehrere Ratsmitglieder: Rund 50 Interessierte aus Holdorf und der Umgebung hatten sich in der Bauernschänke Bocklage in Ihorst getroffen. Sie alle waren einer Einladung der Interessengemeinschaft Holdorf  (IGeHo) zum "1. Energieforum Holdorf" gefolgt. Denn die immensen Kostensteigerungen von Strom und Gas treffen bekanntlich alle Jobbranchen und Bevölkerungsschichten. Für die einen nicht ganz so dramatisch, für andere vielleicht jedoch existenziell.

Die 50 Teilnehmer – deren Zahl sicherlich noch höher gewesen wäre, wenn nicht parallel der Holdorfer Industriestammtisch getagt hätte –, diskutierten über die Sicherung der Energieversorgung und einen verantwortungsvollen Energieverbrauch, über Lösungen und Hindernisse. Kurzum: Sie gaben dem Thema Energie ein Forum.

"Die aktuellen Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam lösen."Andreas Lucht, Vorsitzender der IGeHO

Denn die Intention der Einladung machte der IGeHo-Vorsitzende Andreas Lucht gleich zu Beginn deutlich: "Wir sind überzeugt davon, dass diese große Herausforderung nur gemeinsam anzugehen ist. Wir müssen unsere Ideen und Ressourcen bündeln." Zum Beispiel in einer Genossenschaft. "Der Sieg ist immer dort", ergänzte Lucht etwas pathetisch, "wo Eintracht ist". Zukunftsthemen ließen sich am wirksamsten gemeinsam angehen.

Welche Herausforderungen, Lösungsansätze und Fördermöglichkeiten es auf dem Energiemarkt gibt, darüber referierte 70 Minuten lang Pavel Kusch. Er ist gebürtiger Holdorfer, zertifizierter Energieberater und arbeitet als Energiemanager. "Die nächsten 2 Jahre werden spannend", meinte Kusch. Es müssten sehr viele Maßnahmen im Energiesektor durchgeführt werden. Jeder Unternehmer habe eine Verantwortung. Die Firmen könnten nicht auf die Lösungen der Politik warten.

Sie boten dem Thema Energie ein Forum: (von links) Thomas Deters, Pavel Kusch und Andreas Lucht. Foto: BöckmannSie boten dem Thema Energie ein Forum: (von links) Thomas Deters, Pavel Kusch und Andreas Lucht. Foto: Böckmann

Das Problem: Es gebe wenig Zeit, hohe Investitionskosten, kaum Material und vor allem keine Fachkräfte. Aktuell herrsche im Energiesektor der Wilde Westen. Viele Akteure handelten nur kurzfristig. Die Losung von Pavel Kusch: "Wir müssen versuchen, vom Markt unabhängiger zu werden, die Energie cleverer zu verteilen." Er räumt ein: Dies sei im Gasbereich um einiges schwieriger als im Stromsektor.

Der 33-Jährige stellte dezentrale Energiesysteme vor, er sprach über hybride Energiekonzepte und über sogenannte Power-Purchase-Agreements (Direktlieferverträge). Dies war zum Teil sehr fachspezifisch und wissenschaftlich. Auch IGeHo-Chef Andreas Lucht räumte im Nachgang ein, "nicht alles verstanden" zu haben. Aber dies sei auch so gewollt gewesen. Man habe Denkansätze und neue Sichtweisen liefern wollen. Kurzfristige Lösungen zu präsentieren, um den Verbrauch von Strom und Gas zu verringern, sei nicht das Ziel der Veranstaltung.

Der Austausch mit den Gästen kam vor allem beim Thema Photovoltaik-Anlagen in Schwung. Pavel Kusch sprach über das Pro und Contra von Agri-PV-Anlagen und stellte als Lösung für neue Nutzungskonzepte Floating-PV, also schwimmende Photovoltaik-Anlagen, vor. Als Beispiel nannte er den Kalksandsteinsee. Das nutzbare Potenzial des 22 Hektar großen Gewässers liegt laut Kusch bei 4,8 Megawatt Peak. Der Haken? Sind für Floating-PV die Regularien. Aktuell dürfen diese Anlagen nur maximal 15 Prozent der Gewässeroberfläche einnehmen. Und: Sie müssen mindestens 50 Meter Abstand zum Ufer haben.

Kann Holdorf energieautark werden?

An den Diplom-Ingenieur Kusch gab es bei der anschließenden Diskussion viele Fragen zu unterschiedlichsten Themen. Nicht immer konnte er dabei befriedigende Antworten geben, zum Beispiel bei den Fragen von Fabian Leuck (Geschäftsführer BMO Kalksandstein) und Markus Wehage (Betriebsleiter Seppeler Verzinkung), die wissen wollten, wie sie ihren Gasverbrauch verringern könnten und was sie ändern sollten. 

Grundsätzlich hielt Pavel Kusch fest: Ja, auch Holdorf könne energieunabhängig werden. In Brandenburg gebe es dafür positive Beispiele (wenngleich in wesentlich kleineren Kommunen). "Aber die letzten 10 bis 15 Prozent werden teuer. Da müssen Sie in den sauren Apfel beißen." Als "schlafenden Riesen" bezeichnete er kommunale Gebäude. Dort ließe sich sehr viel Energie gewinnen. "Kehren Sie beim Thema Energie vor der eigenen Haustür", appellierte er an alle Gäste.

Wie geht es nun weiter?

Diesen Ball möchte die Interessengemeinschaft Holdorf aufnehmen. "Wir wollen die Bürger mitnehmen und beteiligen", sagte der stellvertretende Vorsitzende Thomas Deters. Eine Energiegenossenschaft in Holdorf zu gründen, sei eine Idee. Viele Kommunen seien energieautarker als die Südkreis-Kommune.

Die IGeHo möchte deshalb wissen, wie der Energieverbrauch der Holdorfer Unternehmer ist.  Es gehe darum, Wirtschaft, Politik und Verwaltung untereinander zu vernetzen. "Die Wertschöpfung soll in Holdorf bleiben." Diese Botschaft gab auch Energiemanager Pavel Kusch: "Lassen Sie die lokale Industrie an der Energiegewinnung partizipieren. Das ist dann eine Win-win-Situation für alle."

Die Firmen sollen deshalb einen Bogen mit Fragen beantworten: Wie lange gelten Ihre Energielieferverträge und welche Beschaffungsstruktur haben Sie? Was sind Ihre größten Strom- und Erdgasverbrauche? Welche Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz haben Sie bereits durchgeführt? Gibt es bereits Eigenversorgungslösungen an Ihren Standorten? Die Antworten darauf möchte die IGeHo in der Sitzung des Wirtschafts- und Sicherheitsausschusses (21. November) vortragen. Andreas Lucht sagte zum Ende der Veranstaltung: "Lassen Sie uns dieses Energieforum mit Leben füllen und weiterführen."

Hier finden Sie die PDF zur Präsentation.

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