Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

"So schmeckt Heimat" darf wörtlich genommen werden

Auf großes Interesse mit bereits vielen ausgebuchten E-Bike-Touren stößt das neue Angebot der Hasetal Touristik, bei dem biologisch produzierte Lebensmittel und Öko-Landbau erlebt werden können.

Artikel teilen:
„So schmeckt Heimat“: Zu den landschaftlichen Attraktionen der neuen E-Bike-Tagestour gehört die Fahrt durchs Hahnenmoor, das im Mai durch die Wollgrasblüte ein eindrucksvolles Erlebnis ist. Foto: W. Siemer

„So schmeckt Heimat“: Zu den landschaftlichen Attraktionen der neuen E-Bike-Tagestour gehört die Fahrt durchs Hahnenmoor, das im Mai durch die Wollgrasblüte ein eindrucksvolles Erlebnis ist. Foto: W. Siemer

Mal wieder, muss man sagen, hat Wilhelm Koormann, Geschäftsführer des Zweckverbands Erholungsgebiet Hasetal (ZEH), den richtigen Riecher. Aus der ohnehin großen Nachfrage nach regionalen Urlaubs- und Ausflugsangeboten ragen noch einmal die beiden E-Bike-Tagestouren „So schmeckt Heimat“ und „Iss von hier“ heraus. Die bereits vorliegenden Anmeldungen zeigten, dass es ein großes Interesse an der ökologischen Landwirtschaft im Allgemeinen und Informationen über regionale Produkte und ihre Herstellung im Besonderen gebe, freut sich Koormann.

Um die Nachfrage erfüllen zu können, würden in den kommenden Wochen und Monaten zusätzliche Fahrten vor allem für die Tour „So schmeckt Heimat“ angeboten, kündigte die verantwortliche ZEH-Mitarbeiterin Heike Kamper auf der Premieren-Fahrt an, zu der auch OM-Medien eingeladen war. „Wir wollen mit diesem neuen Angebot nicht belehren und mit erhobenem Zeigefinger winken, sondern über die sich aus unserer Sicht großen Chancen und wachsende Bedeutung ökologischer Landwirtschaft informieren“, so Koormann. Dabei sei das Motto wörtlich zu nehmen, denn es würden ausschließlich ökologisch erzeugte Lebensmittel angeboten beziehungsweise vor Ort gezeigt, wie sie produziert werden und welche andere Philosophie dahinterstecke. Ziel sei auch, in einem weiteren Schritt Erzeuger und Vermarkter vor Ort zu unterstützen und Hilfe bei der Vermarktung, zum Beispiel durch Werbung, zu geben.

"Stiftschänke Börstel" Ausgangspunkt und Ziel

Ausgangspunkt und Ziel der gut 50 Kilometer langen Rundtour „So schmeckt Heimat“ durchs Artland und das Dreieck aus Landkreis Osnabrück, Emsland und Cloppenburg ist die vor einigen Tagen nach mehr als 10 Jahren Dornröschenschlaf zu neuem Leben erweckte „Stiftsschenke“ im Börstel in Berge an der Grenze zur Stadtgemeinde Löningen. Die haben Guido Holtheide und Oliver Wolting übernommen. Hier kommen beim Starter-Frühstück und der hier endenden Tour zur Vesper nur heimische Produkte auf den Tisch, Brot und Brötchen stammen aus einer Bio-Bäckerei in der Nähe, die Wurst stammt von Tieren, die Holtheide auf dem zertifizierten Bioland-Hof der Familie in Grafeld hält. Auf der ersten Führung des Tages über den Hof und durch den Kuhstall erläuterte Holtheide die Prinzipien, nach der gewirtschaftet werde.

Ersatz für Herbizide: Guido Holtheide erläutert auf dem Bioland-Hof der Familie den mechanischen Hackstriegel, mit dem er im Mais und Getreide das von ihm sogenannte Beikraut“ reguliert.   Foto: W. SiemerErsatz für Herbizide: Guido Holtheide erläutert auf dem Bioland-Hof der Familie den mechanischen Hackstriegel, mit dem er im Mais und Getreide das von ihm sogenannte „Beikraut“ reguliert.   Foto: W. Siemer

Zu den wichtigsten Unterschieden zu konventionell arbeitenden Landwirten gehört der Verzicht auf Herbizide. Stattdessen werden mechanische Hackstriegel eingesetzt, die das von hier sogenannte Beikraut im Mais und Getreide in den ersten Wochen regulieren. Gehalten werden Kühe der Rasse der deutschen schwarz-bunten Niederungsrinder, die sich für Milch als auch Fleischproduktion eignen. Durch bewusst deutlich weniger Kraftfutter und täglichen Weidegang in der Vegetationszeit werden rund 9000 Kilo statt der sonst üblichen 12.000 Kilo Milch bei Hochleistungsrindern erzeugt, die in der Molkerei Naarmann zu Bio-Milch verarbeitet wird.

Das ehrgeizigste Projekt stellten die vier jungen Landwirtinnen und Landwirte Sina Endres, Moritz Füchtenbusch, Lisa Born und Paul Jülich auf dem „Biohof am Kolk“ im Löninger Ortsteil Angelbeck des kürzlich verstorbenen Wilhelm Meyer vor, das die Gruppe nach einem kurzen Abstecher zum Reitergut Einhaus des ukrainischen Oligarchen Onischtenko im Herzlaker Ortsteil Aselage erreichte. Das Quartett hat 2021 begonnen, biologische und saisonale Lebensmittel für die Region nach den Bioland-Richtlinien zu produzieren.

Ab Mai können Abo-Kisten als neuer Vertriebsweg mit 40 Kulturen je nach Saison vom Hof abgeholt werden. Fleisch wird durch eine Limousin-Mutterkuhherde produziert, die mindestens 7 Monate auf der Weide grast. Rindfleischpakete gibt es in 5- oder 10 Kilo-Varianten. Probleme bereite zurzeit noch die Schlachtung, für die es nach Angaben der Betreiber noch zu wenig geeignete Angebote auf handwerklicher statt industrieller Basis gebe. Gehalten werden zudem Zweinutzungshühner, so dass Eier direkt ab Hof und Suppenhühner zu bestimmten Terminen angeboten werden können.

Propagiert eine andere Landwirtschaft: Björn Scherhorn stellte seinen Biolandhof vor, auf dem Kühe ganz ohne Kraftfutter und nur mit Gras 6000 Kilo Milch geben, aus der er unter anderem Käse herstellt.  Foto: W. SiemerPropagiert eine andere Landwirtschaft: Björn Scherhorn stellte seinen Biolandhof vor, auf dem Kühe ganz ohne Kraftfutter und nur mit Gras 6000 Kilo Milch geben, aus der er unter anderem Käse herstellt.  Foto: W. Siemer

Den weitgehendsten Ansatz für eine andere Landwirtschaft durch das Besinnen auf die eigenen Kräfte und das Ablehnen von Fremdbestimmung durch Banken erlebten die Radler auf dem Hof von Björn und Johanna Scherhorn im Berger Ortsteil Dalvers. Für seine Bio-Milch und seinen unter anderem produzierten Käse auf dem Artland-Hof verzichtet die Familie völlig auf Kraftfutter und verarbeitet die damit erzeugten 6000 Kilo Milch pro Kuh.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

"So schmeckt Heimat" darf wörtlich genommen werden - OM online