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So laufen die Schnelltests an den Schulen im Oldenburger Münsterland an

Ohne negativen Corona-Test kein Unterricht: Die meisten Familien haben sich mit der Neuregelung arrangiert. Trotzdem ist die Skepsis bei einigen Eltern im Oldenburger Münsterland groß.

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Johanna Sult (8) von der Christophorusschule in Vechta. Sie besucht die dritte Klasse und führt die Tests Zuhause durch. Foto: M. Niehues

Johanna Sult (8) von der Christophorusschule in Vechta. Sie besucht die dritte Klasse und führt die Tests Zuhause durch. Foto: M. Niehues

Frühstücken, Zähneputzen, Selbsttest machen: das neue Morgenritual funktioniert in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg weitgehend problemlos. Einige Eltern sind jedoch skeptisch.  Während die Schüler der kleineren Grundschulen nach Vorlage des Teststreifens in ihre Klassen durften, nutzten die größeren Bildungseinrichtungen den Montag zur Ausgabe der Starter-Kits.

So wird an den Schulen im Landkreis Cloppenburg getestet

An einen sofortigen Unterrichtsbeginn sei noch nicht zu denken gewesen, sagt etwa Andrea Schüler, Leiterin der Gelbrink-Schule in Löningen. Am Montag verteilten die Klassenlehrerinnen die Schnelltests an die Eltern. Für die Kinder war Homeschooling angesagt. Am Dienstag geht es dann im Szenario B weiter.

Der Informationbedarf sei schon in der Vorwoche groß gewesen, berichtet Schüler. "Viele Eltern dachten, es handele sich um PCR-Tests, was nicht stimmt." PCR-Tests dürfen nur von medizinischem Personal genommen werden, wobei der Abstrich oft als unangenehm empfunden wird. Die Lehrerinnen konnten die meisten Vorbehalte zwar entkräften, trotzdem lassen einige Eltern ihre Kinder jetzt zuhause. "Aus unterschiedlichen Gründen", betont  Andrea Schüler. Wie die Schüler greifen jetzt auch die Lehrerinnen regelmäßig zum Nasenstäbchen. Bei 350 Kindern und 50 Erwachsenen benötigt die Gelbrinkschule wöchentlich etwa 1.000 Stück. Bislang rollt der Nachschub.

In Wachtum und Lindern ist die Bereitschaft groß

In der Grundschule Wachtum waren am Montag alle Schüler zum Unterricht erschienen. "Niemand wurde abgemeldet", berichtet Rektorin Martina Meyer. Die Tests waren ausnahmslos negativ. Die Schule hatte sie am vergangenen Freitag ausgegeben und die Eltern zuvor schriftlich informiert. Auch der Schulelternrat klärte per Telefon auf. Tests seien für die kommenden drei Wochen ausreichend vorhanden, sagt Meyer. Ähnlich verlief der erste Schultag nach den Osterferien in Hemmelte. Grundschulrektorin Monika Sommer ist mit der Bereitschaft der Eltern zufrieden. Zum Thema Testverweigerung mochte sie sich aber nicht äußern.

In Lindern müssen sich auch die Abschlussschüler der Oberschule testen. Danach werden sie in festen Gruppen gemeinsam unterrichtet. Etliche Eltern, die einer bestimmten religiösen Gruppe angehörten, hätten ihre Kinder jedoch von der Präsenzpflicht befreien lassen, bestätigt Rektorin Petra Wodke-Schmeier. Sie hält das Testen dagegen für wichtig, um wieder Normalität in den Schulbetrieb zu bringen. "Die wünsche ich mir sehr." Die Pädagogin ist überzeugt davon, dass die Schulen nicht zur Weiterverbreitung des Virus beitragen und verweist auf deren Hygienekonzepte. "Die Tests sind eine weitere Möglichkeit, um sie offen zu halten". Und sie seien – im Gegensatz zu anderen staatlichen Maßnahmen – für jeden klar verständlich. "Wer sie ablehnt, muss sein Kind eben zuhause lassen."

Grundschule Molbergen: 120 Kinder von Präsenzpflicht abgemeldet

Indes sind an der Molberger Grundschule 120 Kinder vom Präsenzunterricht abgemeldet worden. Schulleiter Gustav Müller spricht bei einigen Eltern von Trotz, andere hätten aber auch Existenzängste. Er kritisiert aber auch den zeitlichen Ablauf der Testpflicht-Einführung.


Das machen die Schulen im Kreis Vechta

An den Handelslehranstalten (HLA) in Lohne nehmen aufgrund des hohen Inzidenzwertes im Landkreis Vechta weiterhin nur die Abschlussklassen am Präsenzunterricht teil. Dies betrifft pro Woche etwa 470 Schülerinnen und Schüler. Die HLA zählt regulär 1800 Schüler.

Schulleiter Ernst Escher führt aus, dass die Testung am ersten Präsenztag der jeweiligen Klasse in der ersten Schulstunde im Kollektiv und unter Aufsicht eines Lehrers vorgenommen werde. "Danach erhalten die Schüler kostenlos je zwei Testkits für die nächsten Unterrichtstage in Präsenz." Für die weiteren Testungen in Eigenregie vor dem Unterricht hat die Berufsschule außerdem eine Videoanleitung auf ihrer Webseite bereitgestellt.

Der stellvertretende Schulleiter Michael Scheper erläutert, dass man an den Handelslehranstalten, statt einen separaten Abholtag einzurichten, lieber unterrichten wollte. Deshalb seien am Montag vor Unterrichtsbeginn über die Schulassistenzen die Testkits verteilt worden. Er gibt zu, dass im Vorfeld etwas Aufklärungsarbeit bei den Schülern notwendig gewesen sei. Doch am ersten Tag der Testpflicht habe es dann keine negativen Rückmeldungen oder Testverweigerer gegeben. "Das hat alles wunderbar funktioniert." Die Ergebnisse der Schnelltests – bei der Premiere waren alle Getesteten negativ – werden mittels einer Umfrage digital festgehalten. "Das erspart uns die händische Dokumentation."

"Das hat bei uns vorbildlich geklappt, besser als ich erwartet habe."Anja Heckmann, Schulleiterin Christophorusschule, Vechta

Die HLA verfügen nach Angaben von Scheper momentan über etwa 4.500 Schnelltests. Während die erste Charge gut gewesen sei, gibt es bei rund 2.000 Kits das Problem, dass die Tests nicht einzeln verpackt sind. "Diese Schnelltests sind nur für die Testung in der Schule nutzbar", kritisiert der stellvertretende Schulleiter, der zu diesem Thema auch mit den weiteren Berufsbildenden Schulen im Landkreis Vechta im Austausch steht.

Am Dammer Gymnasium sind nur wenige Kinder am Montag getestet worden, denn nach Worten Sabine Nieberdings von der Schulleitung befinden sich nur die Fünft- und Sechstklässler in der Schule, die an der Notbetreuung teilnehmen. Die übrigen Schüler einschließlich der angehenden Abiturienten besuchen die Schule derzeit nicht. Die Schule hat die entsprechenden Tests an die Kinder ausgeteilt, die sich zukünftig in ihrem Zuhause auf Corona testen werden.

Anja Heckmann, Schulleiterin der Christophorusschule und der Liobaschule in Vechta, zeigte sich mit dem Auftakt der Corona-Testpflicht sehr zufrieden. "Das hat bei uns vorbildlich geklappt, besser als ich erwartet habe", erklärte die Rektorin mit Blick auf das Verfahren und auch die Ergebnisse, die am Montagmorgen vor Unterrichtsbeginn vorgelegt wurden. An der Christophorusschule hätten alle Kinder einen negativen Selbsttest gehabt. Unter den rund 100 Nachweisen seien nur 2 ungültige Tests gewesen. In diesen Fällen sei direkt vor Ort ein Test nachgeholt worden.

Die Drittklässlerin Johanna Sult (8) aus Vechta zeigt am Montag in ihrer Grundschule einen Schnelltest. Foto: M. NiehuesDie Drittklässlerin Johanna Sult (8) aus Vechta zeigt am Montag in ihrer Grundschule einen Schnelltest. Foto: M. Niehues

An der Christophorusschule hätten rund 95 Prozent der Schüler die verpflichtenden Tests genutzt und seien zum Präsenzunterricht erschienen, berichtete Heckmann. Etwas geringer sei die Teilnahmequote an der Liobaschule, so die Schulleiterin weiter. Sie führte die Resonanz in erster Linie auf die Sprachbarrieren zurück, denn der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund ist an dieser Grundschule deutlich höher. Möglicherweise sei einigen Eltern die landesweite Teststrategie noch nicht ganz klar, vermutete Heckmann. Sie gehe aber davon aus, dass sich das Verfahren unter den Familien herumspreche und die Zurückhaltung nur eine Frage der Zeit sei. 

Die Grundschulen in der Stadt Vechta hatten bereits in der vergangenen Woche zwei Abholtage angeboten, um den Ablauf in geordnete und ruhige Bahnen zu lenken. Am Donnerstag und Freitag, jeweils in der Zeit von 8 bis 12 Uhr, wurden die Test-Kits für den ersten Schultag nach den Osterferien an die Eltern ausgegeben. Dabei handelt es sich um sogenannte Corona-Laientests, für den vorderen Nasenbereich. Das Ergebnis liegt nach rund 15 Minuten vor.


Schulleitungsverband kritisiert Chaos bei Start mit Testpflicht

Der Start der Testpflicht in den Schulen ist offensichtlich in weiten Teilen Niedersachsens weniger störungsfrei verlaufen. Einige Schulen hätten viel zu wenige Testkits erhalten, manche die falschen, sagte der Geschäftsführer des Schulleiterverbandes, Rene Mounajed, am Montag. "Das ist völlig unprofessionell." Viele Schulleitungen seien wütend. Die Kommunikation des Kultusministeriums sei zudem viel zu kurzfristig und unklar, kritisierte Mounajed.

Der erste Tag nach den Osterferien wurde demnach unterschiedlich organisiert. An manchen Schulen wurden nur Testkits ausgegeben, Unterricht und Notbetreuung gab es nicht. Andere Schulen boten lediglich Notbetreuung an, wiederum andere starteten mit dem Unterricht, ohne die Kinder zu testen. "Hier macht jeder, was er für richtig hält", so Mounajed. Die Tests seien zwar sinnvoll, aber für den Gesundheitsschutz des Personals reiche das nicht aus. "Unsere Leute sind gefährdet. Sie müssen geimpft werden, und zwar jetzt."

Der Start der verpflichtenden Corona-Selbsttests für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte ist aus Sicht des Schulleitungsverbandes Niedersachsen chaotisch verlaufen. Foto: dpaStratenschulteDer Start der verpflichtenden Corona-Selbsttests für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte ist aus Sicht des Schulleitungsverbandes Niedersachsen chaotisch verlaufen. Foto: dpa/Stratenschulte

Von diesem Montag an müssen sich Kinder, Jugendliche und Schulpersonal zweimal pro Woche vor Unterrichtsbeginn zu Hause auf das Coronavirus testen. Die Schulen verteilen dafür sogenannte Laientests für den vorderen Nasenbereich, die das Ergebnis nach rund 15 Minuten anzeigen. "2 Tests in einer Woche sind geeignet, um effektiv Verdachtsfälle herauszufiltern", sagte der Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums, Sebastian Schumacher, mit Verweis auf eine wissenschaftliche Empfehlung. Wer ein positives Test-Ergebnis hat, muss die Schule informieren und einen noch zuverlässigeren PCR-Test machen lassen. Dieser klärt, ob der oder die Betroffene tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert ist.

Die Testpflicht gilt nur für den Präsenzunterricht. Schülerinnen und Schüler, die zuhause lernen, müssen sich nicht testen. In Landkreisen oder kreisfreien Städten mit einer Inzidenz von mehr als 100 sind in der Regel nur Grundschulen und Abschlussklassen in der Schule, die anderen lernen per Distanzunterricht zuhause. Die Inzidenz zeigt, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt haben. Da die Präsenzpflicht derzeit aufgehoben ist, können Eltern und Erziehungsberechtigte ihre Kinder zudem ohne Angabe von Gründen vom Präsenzunterricht abmelden. Diese Schüler erhalten Arbeitsmaterial für zuhause.

In zahlreichen Bundesländern geht der Unterricht nach den Osterferien mit einer Corona-Testpflicht weiter. Ohne negatives Testergebnis ist der Besuch des Unterrichts nicht möglich. Foto: dpaStratenschulteIn zahlreichen Bundesländern geht der Unterricht nach den Osterferien mit einer Corona-Testpflicht weiter. Ohne negatives Testergebnis ist der Besuch des Unterrichts nicht möglich. Foto: dpa/Stratenschulte

Bis Anfang April hatte das Land Niedersachsen rund 13 Millionen Testkits bei verschiedenen Anbietern für Landesbedienstete und Schulen gekauft. Die Preise lagen dabei zwischen 3,42 Euro und 5,35 Euro pro Selbsttest inklusive Mehrwertsteuer, wie der Sprecher des für die Beschaffung zuständigen Innenministeriums, Pascal Kübler, mitteilte. Weitere Beschaffungen von Selbsttests seien geplant.

An den Corona-Regeln für den Schulalltag ändert sich durch die Testpflicht nichts. Abstands- und Hygieneregeln, Lüftkonzepte und die Pflicht zum Tragen einer Maske außerhalb und zum Teil im Unterricht bleiben bestehen. Die Klassen werden derzeit in kleinen Gruppen abwechselnd zuhause und in der Schule unterrichtet. Das Personal ist dem Schulleitungsverband zufolge durch die vielen kurzfristigen Erlasse und die zahlreichen Anforderungen stark belastet. "Das können wir langsam so nicht mehr stemmen", sagte Mounajed.

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