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So haben Bischof Genn und Weihbischof Theising zu den Reformtexten abgestimmt

Weihbischof Theising erkennt "wichtige Impulse" für die Zukunft der Kirche. Er und Bischof Genn hatten für den letztlich gescheiterten Reformtext zur kirchlichen Sexualmoral gestimmt. (2. Update)

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Dr. Felix Genn, Bischof von Münster (links) und Weihbischof Wilfried Theising. Fotos: dpa / Archiv OM-Online

Dr. Felix Genn, Bischof von Münster (links) und Weihbischof Wilfried Theising. Fotos: dpa / Archiv OM-Online

Trotz harscher Kritik aus dem Vatikan wollten die deutschen Katholiken ihren Reformprozess Synodaler Weg fortsetzen. In der Frankfurter Messe trat zum vierten Mal die Synodalversammlung aus Bischöfen, Priestern, kirchlichen Mitarbeitern und zahlreichen Laienvertretern zusammen. "Wir müssen uns bewegen", forderte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. In den Gemeinden spüre er den "unendlich großen Veränderungsdruck".

Stunden später herrschten Fassungslosigkeit, gewaltige Enttäuschung, Tränen flossen: ein grundlegender Text zur kirchlichen Sexualmoral scheiterte bei der Abstimmung an der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe. Der Text, der eine Liberalisierung der kirchlichen Sexualmoral anstrebte, stieß zwar in der allgemeinen Abstimmung auf 82 Prozent Zustimmung. Aber nur 33 Bischöfe stimmten für den Text bei 21 Gegenstimmen und 2 Enthaltungen.

Genn und Theising hatten mit "Ja" gestimmt

Einer, der für den Grundtext stimmte: Dr. Felix Genn, Bischof von Münster. "Ich habe für die Beschlussvorlage gestimmt", ließ er noch am Freitagabend in einer ersten Stellungnahme des Bistums verlauten. Für ihn sei klar: "Es ist problematisch, wenn Sexualität vor allem als sündhaft angesehen wird und wenn über Sexualität nicht gesprochen werden kann." Aus diesem Grund habe er im Juni eine Stelle für "Sexuelle Bildung" im Bistum Münster eingerichtet.

Wenn er als Bischof sexuellen Missbrauch verhindern wolle, "dann muss ich offener und qualifizierter über Sexualität sprechen können und muss weg von einer rigiden Sexualmoral." Aus diesem Grund müsse auch das kirchliche Lehramt die Erkenntnisse der modernen Sexualforschung und Wissenschaft berücksichtigen. Ebenfalls noch am Freitagabend wurde bestätigt, dass der Vechtaer Offizial und Weihbischof Wilfried Theising ebenfalls mit "Ja" für den Grundtext gestimmt habe.

Bischöfe müssen sich scharfe Kritik anhören

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, rang um Fassung. Wenn sich ein solches Abstimmungsverhalten beim Text über die Rolle der Frauen wiederhole, "stehen wir vor einem Scherbenhaufen", sagte sie. "Ich erwarte von den Bischöfen mit ihrer Macht, dass sie zu ihrer Meinung offen stehen."

Bei einer Krisenaussprache fielen scharfe Worte: "Es kann doch nicht sein, dass die Gläubigen bei den Bischöfen bleiben müssen, aber die Bischöfe bleiben nicht bei uns!", rief die Ordensschwester Katharina Kluitmann. Die Benediktinerin Philippa Rath sagte, sie fürchte, dass sich die Spaltung zwischen Gläubigen und Bischöfen angesichts solchen Verhaltens vertiefen werde. Ein anderer Delegierter sprach von "einer eigenen Form apostolischen Machtmissbrauchs." Neben Fassungslosigkeit und Enttäuschung war auch Zorn spürbar. "Ich fühle mich, als sei ich ins Messer gelaufen", sagte eine Laienvertreterin. Ein Sprecher sah den Synodalen Weg bereits gescheitert.

Andere zentrale Reformtexte erhielten die Zustimmung

So weit kam es am Ende dann doch nicht – vielmehr gab es später unter den Teilnehmern zumindest eine spürbare, gewisse Erleichterung. Denn ein anderer zentraler Reformtext fand die notwendige Zustimmung. Das beschlossene Papier enthält zwar keine explizite Forderung, sondern vielmehr eine Einladung an die Weltkirche, die Frage nach Diensten und Ämtern von Frauen in der Kirche noch einmal neu zu bedenken. Der Text stieß in der allgemeinen Abstimmung auf fast 92 Prozent Zustimmung, bei den Bischöfen stimmten 45 dem Text zu bei 10 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen.

Die Münsteraner Theologin Dorothea Sattler, die den Text maßgeblich mitverfasst hat, zeigte sich nach der Abstimmung erleichtert. Sie sei von Herzen dankbar, sagte sie. Auch der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der sich ebenfalls für den Text eingesetzt hatte, sagte, er sei „unglaublich gerührt“.

Und noch zwei weitere wichtige Texte fanden am Abend ähnlich deutliche Mehrheiten auch der Bischöfe: Darin ging es um die kirchliche Neubewertung von Homosexualität, die lange als Sünde verdammt worden war, und um die Grundordnung des kirchlichen Dienstes. Dem Papst werde empfohlen, lehramtlich eine Präzisierung und Neubewertung der Homosexualität vorzunehmen, heißt es in einem sogenannten Handlungstext, für den auch 40 der Bischöfe bei 8 Gegenstimmen und 8 Enthaltungen stimmten. Außerdem: „Die Loyalität zur katholischen Kirche darf nicht an der persönlichen Lebensform, insbesondere der sexuellen Orientierung oder der geschlechtlichen Identität, bemessen werden.“


Nachfolgend finden Sie die protokollierten Abstimmungen von Genn und Theising. Die jeweiligen beschlossenen Handlungstexte sind als Online-PDF-Dokument verlinkt.


"Wir haben wichtige Impulse für die Zukunft unserer Kirche gesetzt."Weihbischof Wilfried Theising

Nach Beendigung der Synodalversammlung zeigt sich Weihbischof Wilfried Theising erleichtert: "Wir haben wichtige Impulse für die Zukunft unserer Kirche gesetzt“, erklärt der Offizial am Sonntag. Er sieht in der Annahme des Reformtextes zur Frauenfrage und bei der Neubewertung von Homosexualität "einen sichtbaren Beitrag für die Diskussion in der Weltkirche". Für die katholische Kirche in Deutschland habe man "wichtige Weichenstellungen vorgenommen, etwa beim Arbeitsrecht und der Schaffung langfristiger synodaler Strukturen."

Nach der verfehlten 2/3-Mehrheit für den grundlegenden Text zur kirchlichen Sexualmoral sei zunächst die Weiterarbeit auf dem Synodalen Weg "grundsätzlich in Frage gestellt worden", so Theising. "Ich hatte mir gewünscht, dass dieser Text angenommen wird. Ich selbst hatte auch für ihn gestimmt – wie für alle Reformanträge." Gleichwohl seien viele wichtige Anliegen rund um die Aktualisierung der kirchlichen Sexualmoral nach vorne gebracht worden, meint der Weihbischof. Nach der Abstimmung am Donnerstag habe er außerdem festgestellt: "Die Krise zu Beginn hat uns auch geholfen, genauer hinzuhören, was andere denken, meinen und fühlen – um gemeinsam noch stärker um breite Zustimmung für Reformideen zu ringen."

"Eine Zustimmung von 61 Prozent der Bischöfe ist ja auch nicht Nichts."Dr. Felix Genn, Bischof von Münster

Bischof Genn zog das Fazit, "dass wir weiter in der Schule der Synodalität sind. Er stellte aber auch fest: "Die Reifeprüfung haben wir noch nicht bestanden.“ Für ihn sei es auch Samstag noch "ein gewisser Paukenschlag", dass die vorgeschlagene Erneuerung der kirchlichen Sexualmoral nicht die notwendige Mehrheit unter den Bischöfen bekommen habe. "Aber eine Zustimmung von 61 Prozent der Bischöfe ist ja auch nicht Nichts", so Genn.

Hinter ihm würden jetzt sehr intensive und anstrengende Tage liegen und die Erkenntnis, dass zur Synodalität eben auch "Konflikte und Auseinandersetzungen und sogar Scheitern" dazu gehören würden. Trotz allem sehe er immer noch die Notwendigkeit, "dass aufgrund des Missbrauch-Skandals in großer Ernsthaftigkeit überlegt" werden müsse, was in der Kirche verändert werden muss. Es gelte weiterhin, "einen Stil zu finden, der Bischöfe, Kleriker und Laien zusammenführt, durch dieses Miteinander der Botschaft des Evangeliums eine neue Strahl- und Anziehungskraft zu geben."

Die fünfte Synodalversammlung im kommenden März ist bereits als Abschluss des sogenannten Synodalen Wegs vorgesehen, mit dem der Reformprozess strukturiert werden soll. Auf dessen Vollversammlung diskutieren und entscheiden neben den Bischöfen Vertreter von Laien, kirchlichen Mitarbeitern, Priestern und Ordensleuten über Veränderungen der Kirche.

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