Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

So (er-)leben Kindergartenkinder Demokratie

Mitbestimmung und Toleranz kann man lernen. Das haben Eltern, Erzieherinnen und Kinder des Emsteker Franziskuskindergartens in den vergangenen Monaten erfahren.

Artikel teilen:
Eiszeit: Einen echten Eiswagen hatte der Förderverein für die Abschlussveranstaltung organisiert. Foto: Thomas Vorwerk

Eiszeit: Einen echten Eiswagen hatte der Förderverein für die Abschlussveranstaltung organisiert. Foto: Thomas Vorwerk

Diese Entscheidung fiel den Mädchen und Jungen des Emsteker Franziskuskindergartens leicht: Eis mit oder ohne Streusel war am Mittwoch die Frage zum Abschluss der "Demokratiewerkstätten". Über einen längeren Zeitraum hat sich die Einrichtung – wie auch drei weitere Häuser aus dem Landkreis Cloppenburg – den Bereichen Partizipation und Mitbestimmung angenommen und dabei wurde auch das eigene Handeln hinterfragt. "Wie demokratisch sind wir eigentlich?", war die Ausgangssituation für die Leiterin Monika Heitgerken-Wilke.

Grundsätzlich sollten die Kinder in den Kitas in gewisse Prozesse eingebunden werden, doch mit Unterstützung des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung ("nifbe") wurden das ganze Haus und die Angebote unter die Lupe genommen. Für die Kinder ging es dabei darum, Mehrheiten zu akzeptieren, Kompromisse zu finden und eigene Vorschläge zu machen. "Die Kinder lernen, wie wichtig es ist, seine Meinung kund zu tun", sagte Ulla Hilgefort, Prozessbegleiterin des "nifbe". Dabei wurde binnen kürzester Zeit erkannt, welche Fortschritte die Mädchen und Jungen machen. "Es war interessant zu sehen, wie aus 'finde ich gut' und 'finde ich blöd' binnen 2 Monaten differenzierte Antworten wurden", bilanzierte Heitgerken-Wilke. „Kinder müssen Demokratie von Anfang an in ihrer Kita leben und erleben, um sich später zu toleranten und verantwortungsvollen Erwachsenen entwickeln zu können.“

Nicht alle Entscheidungen liegen in den Händen der Kinder

Natürlich entscheiden die Kinder nicht alles. Wenn Nudeln auf dem Speiseplan stehen, können nicht kurz vor Mittag Kartoffeln geordert werden. Aber Dinge, die sich in den Tagesablauf einbauen lassen, werden berücksichtigt. Auch als es darum ging, die Ecke für Rollenspiele neu einzurichten, hatten sie gemeinsam geschaut, was vorhanden ist, was ersetzt werden muss und – anhand von Katalogen – wie die neue Puppenbühne aussehen soll.

Und es gibt eine Art Beschwerdemanagement, in dem Missstände artikuliert werden. Heitgerken-Wilke "Die Kinder haben selber den besten Blick auf das Haus und melden, wenn etwas defekt ist." Aber auch die Eltern waren angesprochen. 140 Familien bekamen einen Fragebogen; etwa die Hälfte hat ihn ausgefüllt zurückgegeben. Eine gute Quote, wie Ulla Hilgefort aus ihren Erfahrungen weiß. "Das Team hat sich sehr über die positive Bewertung der Eltern gefreut. Sie schätzen besonders die freundliche und zugewandte Atmosphäre und die offene Haltung der Erzieherinnen. Eine Grundvoraussetzung für Demokratie", unterstreicht die Leiterin.

Die gemeinsame Entscheidungsfindung könne gar nicht früh genug anfangen, meint Peter Kleene. Der stellvertretende Bürgermeister hat sich die Ergebnisse der Befragungen an Stellwänden angeschaut und zeigt sich begeistert. Wenn man anderenorts sehe, wie beispielsweise in China bereits die Kinder indoktriniert werden und in Russland die Propaganda schon bei 3-Jährigen zum Zuge kommt, dann erkenne man, wie wichtig eine funktionierende Demokratie ist und dass Kinder sie verstehen.

Zeit für ein Update! Mit der jüngsten Überarbeitung unserer App haben wir das Nachrichten-Erlebnis auf dem Smartphone weiter verbessert und ausgebaut. Jetzt im Google-Playstore und im  Apple App-Store updaten oder downloaden.

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

So (er-)leben Kindergartenkinder Demokratie - OM online