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So bindet das Kardinal-von-Galen-Haus einen Tiergarten in den Unterricht ein

Ein ehemaliger Hockeyplatz wird zum Gehege: Die Schüler der Dinklager Bildungseinrichtung füttern Ziegen, pflegen Kaninchen und misten die Ställe der Hühner aus (mit Video).

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Ihm macht die Arbeit im Tiergarten Spaß: Jayden Hülsmann versorgt unter anderem 13 Hühner und einen Hahn. Foto: Böckmann

Ihm macht die Arbeit im Tiergarten Spaß: Jayden Hülsmann versorgt unter anderem 13 Hühner und einen Hahn. Foto: Böckmann

Beim Tennis schlugen sich Lehrer und Schüler die Bälle übers Netz, beim Hockey jubelten sie über Tore und ärgerten sich über Gegentreffer: In den 1980er und 1990er Jahren wurde der Kunstrasenplatz am Kardinal-von-Galen-Haus regelmäßig für den Sportunterricht genutzt. Doch seit mehreren Jahren stand dort kein Tor mehr, es war kein Netz aufgebaut – nur die Linien waren noch zu erkennen. Es war ein eher unbefriedigender Zustand.

Doch wer seit diesem Schuljahr auf die ehemals brach liegende Fläche an der Dinklager Förderschule blickt, der erkennt diese kaum wieder. Denn auf dem alten Hockeyfeld ist nun ein Tiergarten entstanden.  Hühner und Kaninchen machen es sich im Gehege gemütlich, die Zwergziegen schlendern umher und die Meerschweinchen fressen genüsslich Pflanzen und Blätter.

Tiergestützte Pädagogik fördert auch soziales Verhalten

Es sieht auf den ersten Blick alles ein wenig unsortiert aus. Doch der Eindruck trügt. Die Tiere fühlen sich in ihrem Garten sichtlich wohl – und lassen sich auch nicht von den vielen Schülern und den Lehrkräften stören. Diese versorgen die Tiere mit Futter, sie halten die Käfige sauber und passen auf, dass die Tiere nicht entfliehen. Kurzum: Es gibt viel zu tun. 

Ein Tiergarten in einer Schule? Das ist nicht alltäglich. Rektor Guido Venth hatte vor einiger Zeit eine Reportage über eine Förderschule im Harz im TV gesehen, die die sogenannte tiergestützte Pädagogik im schulischen Alltag einsetzt. Venth war von dem Konzept begeistert – und sah dafür auch in seiner Einrichtung Potenzial.  Bewegung in die Idee kam schließlich, als mit Stephan Bannas ein Diplom-Biologe zum Lehrerkollegium stieß und das Projekt mit weiteren Kollegen anschob.

Was ist das besondere an der tiergestützten Pädagogik? "Die Tiere sind sehr authentisch. Man braucht als Lehrkraft gar nicht so viel agieren mit dem sogenannten moralischen Zeigefinger", erklärt Bannas. "Die Tiere zeigen einem schnell, was sie mögen – oder nicht." Das Einhalten von Regeln, der soziale Umgang miteinander – dies alles könnten Schüler im Gehege von den Tieren sehr gut lernen. 

Neben der speziellen AG "Tiergestützte Pädagogik" lasse sich der Tiergarten, der auch in den Ferien und an den Wochenenden beaufsichtigt wird, äußerst flexibel im Unterricht einbauen – in (fast) jedem Fach und in allen Jahrgangsstufen, betont Stephan Bannas. Beim Mathe-Unterricht lässt sich ausrechnen, wie groß ein Gehege sein muss. Im Fach Werken bauten die Schüler das Kaninchendorf. Der Tiergarten ist im Biologie-Unterricht ohnehin vielfältig einsetzbar.  Aber auch in der Sachkunde und im Deutschunterricht gebe es Möglichkeiten, das Thema zu nutzen.

Bei den allermeisten Schülern komme der Unterricht im Tiergehege super an, hat Lehrer Bannas beobachtet. Das bestätigen auch die Schüler, die sich in der von Bannas betreuten AG zum Tierpfleger ausbilden lassen. Damon Möller (16) findet es super, dass die Schüler Verantwortung übernehmen dürfen – zum Beispiel beim Ausmisten, Reparieren oder Zaunbauen.  Diesen Aspekt betont auch Stephan Bannas: „Tiere regen die menschlichen Sinne an, wecken Gefühle und Empfindungen."

Die nächsten Projekte sind bereits geplant

Kilian Vorländer (15) war direkt Feuer und Flamme für das Projekt. "Als die ersten Ideen aufkamen, habe ich mich sofort gemeldet, mitzumachen." Unterricht in der Natur und an der frischen Luft – das sei doch super. Und Schülersprecher Jayden Hülsmann (14) findet es optimal, dass die Schüler auf dem eigenen Schulgelände mit Tieren arbeiten können. Wo gebe es das denn sonst, fragt er.

Die nächsten Projekte im Tiergarten sind bereits geplant. Das Fundament für eine dritte Hütte (für Geräte und Futter) ist bereits gebaut. Es sind Rampen für die Rollstuhlfahrer angedacht. Eine Art Zirkuswagen als Aufenthaltsraum für die Tierpfleger ist geplant. Weitere tierische Bewohner – Bienen, Schafe und Laufenten – sollen einziehen. Zum Teil fehlen allerdings noch die finanziellen Mittel, um die Arbeiten fortzuführen. Langfristig sind Weiden für die Schafe geplant.

Spaß im Tiergarten: Bei der Arbeitsgruppe Tiergestützte Pädagogik“ – von links Emma, Phil, Kilian, Leon, Lehrer Stephan Bannas, Damon, Vanessa, Jaydan und Zidan – packen alle mit an. Fotos: Böckmann
Fotos: Böckmann
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Projekleiter: Biologie-Lehrer Stephan Bannas.
Fotos: Böckmann
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Unterstützten das Projekt finanziell: Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Dinklage um die Vorstandscrew (von links) Bernd Taphorn, Frank Scheper und Andreas Nordiek.
Fotos: Böckmann
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Fotos: Böckmann
Fotos: Böckmann

Dank der Unterstützung von vielen Sponsoren sind bislang 10.000 Euro in den Tiergarten geflossen – unter anderem von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Dinklage. "Das Geld ist hier richtig gut angelegt", meint der Vorsitzende Bernd Taphorn nach einem Ortstermin begeistert. Außerdem gab es viele Sachspenden in Form von Futter, Arbeitsgeräten, Zäunen und – klar – Tieren. 

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