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Sind 15 Nester zu viel des Guten für Meister Adebar?

Auch viele Privatpersonen haben Storchennester in der Gemeinde Barßel errrichtet. Die Experten stufen diese Entwicklung durchaus unterschiedlich ein.

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Storchenparadies Barßel: Die Experten sind sich nicht einig, ob der Tisch ausreichend für Meister Adebar gedeckt ist.Foto: C. Passmann

Storchenparadies Barßel: Die Experten sind sich nicht einig, ob der Tisch ausreichend für Meister Adebar gedeckt ist.Foto: C. Passmann

Wird Barßel zum Paradies für Weißstörche? Angesichts der mittlerweile 15 Storchennester die überall im Gemeindegebiet von Harkebrügge, über Elisabethfehn bis Barßel wie Pilze aus der Erde schießen, könnte man das durchaus vermuten. Und in der Tat sind auch fast alle Nester besetzt. Inzwischen fragen sich auch die Naturschützer, ob das nicht des Guten zu viel ist. Und auch der Storchenexperte im Landkreis Leer, Hans Appiß, sieht die Entwicklung kritisch.

Zum Hintergrund. Viele Jahre ließ sich in der Gemeinde Barßel nicht ein einziger Storch blicken beziehungsweise nieder, um für Nachwuchs zu sorgen. Auch das erste vor mehr als 40 Jahren auf der Liebesinsel aufgestellte Storchennest brachte keinen Erfolg. Erst als Heimatfreund Heino Weyland und der Freundeskreis der Freiwilligen Feuerwehr Barßel bei der Ebkenschen Windmühle 2010 ein Nistangebot einrichteten, nahm Meister Adebar es an. Seitdem kehren die imposanten Vögel immer wieder zurück. Auch jetzt liegen die ersten Eier im Nest.

Mittlerweile haben Tierfreunde weitere Nester in Harkebrügge, Barßel, Carolinenhof oder Barßelermoor errichtet, was Hans Appiß mit Sorge beobachtet. „Die Leute wollen auf Teufel komm raus ein eigenes Nest im Garten haben. Dann gibt es Konkurrenzkämpfe und es könnte eine Nahrungsknappheit entstehen. Der Nachwuchs frisst keine großen Frösche, wie viele Menschen meinen, sondern braucht Insekten, Larven und sonstiges Kleinfutter. Aber der Tisch ist nicht gerade reichlich gedeckt. Das hat zur Folge, dass Jungstörche sterben könnten“, warnt er.

„Die Leute wollen auf Teufel komm raus ein eigenes Nest im Garten.“Hans Appiß, Storchenexperte aus Leer

„Unattraktive Nester werden wohl mal angeflogen, aber eine Besetzung dauert meistens etwas. Man muss Geduld aufbringen. Die Störche werden wohl selbst entscheiden, ob das Nahrungsangebot ausreichend ist“, ausschlaggebend sei auch, ob sich ein Partner oder die Partnerin für eine erfolgreiche Brut einfindet, erklärt Heino Weyland.   Störche seien tagaktiv und ernähren sich von Mäusen, Fröschen, Fischen, Schlangen, Aalen, Kleinsäugern, Regenwürmer und Insekten. Selbst Maulwürfe zählen zu ihrer Beute. Der Storch sei ein Allesfresser.

Wenn er merke, dass das Nahrungsangebot für die Ernährung der Jungstörche nicht ausreicht, werfe er den kleinsten Jungvogel über den Nestrand oder aber vertilge ihn selber. Das nenne man Kronismus, so Weyland.

Immer mehr Störche sorgen in Barßel für Nachwuchs. Foto: C. PassmannImmer mehr Störche sorgen in Barßel für Nachwuchs. Foto: C. Passmann

Der Storch selbst brauche am Tag 500 Gramm Nahrung und für jeden Jungstorch im Nest müsse er täglich bis zu 1200 Gramm Nahrung herbeischaffen. Das entspricht in etwa 15 Mäusen. Ein Altstorch könne wohl schon einmal zwei Wochen ohne Nahrung auskommen, aber ein Jungstorch nicht. „Ein etwa 200 Hektar großes Nahrungsgebiet wird im Umkreis seines Nestes benötigt“, weiß Barßels Ehrengemeindebrandmeister aus Erfahrung.

Er ist der Meinung, dass bei einer Gesamtfläche der Gemeinde Barßel von rund 8000 Hektar die Nahrungsmöglichkeiten auch für 15 besetzte Nester ausreichen müssten – zumal die vielen Wasserflächen in Niederungsgebieten gute Jagdreviere bieten. Dankbar seien die Storchenfreunde daher auch für weitere Wiedervernässungen, damit die Tiere in den Biotopen erfolgreich jagen können.

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