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Sie führten 30 Jahre die Dinklager Feuerwehr – was haben sie erlebt?

Alfred Dinkelmann und Peter Nickel hören als Stadtbrandmeister auf. Sie erinnern sich an kuriose Erlebnisse, Veränderungen bei den Einsätzen und erzählen, was das Ehrenamt in Dinklage besonders macht.

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Im Einsatz für die Dinklager Feuerwehr: Peter Nickel (links) und Alfred Dinkelmann prägen die Arbeit der Brandbekämpfer seit 50 Jahren. Foto: Böckmann

Im Einsatz für die Dinklager Feuerwehr: Peter Nickel (links) und Alfred Dinkelmann prägen die Arbeit der Brandbekämpfer seit 50 Jahren. Foto: Böckmann

An die Anfänge ihrer Laufbahn in der Dinklager Feuerwehr erinnern sich Alfred Dinkelmann und Peter Nickel noch genau. Natürlich. Am 25. März 1972 gründete sich im damaligen Feuerwehrhaus die Jugendfeuerwehr. "Um genau 14.30 Uhr", betont Dinkelmann und schmunzelt. Er hatte sich ebenso wie Peter Nickel immer schon für alle Themen rund um die Feuerwehr interessiert. Es war also für beide klar – nachdem sie einen entsprechenden Aufruf in der OV gelesen hatten –  dass sie der Jugendgruppe beitreten werden. Zusammen mit 24 anderen Jungen übrigens.

Das ist nun mehr als 5 Jahrzehnte her. Und was damals noch nicht abzusehen war, lässt sich heute eindeutig festhalten: Alfred Dinkelmann und Peter Nickel gehören zu den prägendsten Figuren in der 100-jährigen Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Dinklage. Rund 45 Jahre übernahmen sie diverse Führungsaufgaben bei den Brandbekämpfern. Exakt 30 Jahre lang führten sie das Kommando in Dinklage an: Alfred Dinkelmann als Gemeinde- und Stadtbrandmeister, Peter Nickel immer als dessen Stellvertreter. Zum 31. Dezember 2022 gaben sie nun ihre Posten offiziell an ihre Nachfolger Christoph Bornhorst und Andre Schlotmann ab.


Die Dinklager Jugendfeuerwehr 1972: Dazu gehörten auch Alfred Dinkelmann (unten links) und Peter Nickel (mittlere Reihe 4. von links). Foto: Feuerwehr
Führungswechsel: Bei der Generalsversammlung 1992 wurden Alfred Dinkelmann (2. von links) und Peter Nickel (Mitte) in ihr Amt gewählt. Das freute auch Gemeindedirektor Heinrich Rammler (links), den damaligen Noch-Gemeindebrandmeister Reinhold Albermann (2. von rechts) und Bürgermeister Josef Kathe (rechts). Foto: Feuerwehr
Erschöpft, aber zufrieden: Alfred Dinkelmann nach einem Einsatz. Foto: Feuerwehr
Die alte und die neue Feuerwehrführung: (von links) Andre Schlotmann, Peter Nickel, Alfred Dinkelmann und Christoph Bornhorst. Foto: Böckmann

Auf die Frage, was Alfred Dinkelmann (65) und Peter Nickel (63) von ihrer 30-jährigen Tätigkeit am meisten hängengeblieben ist, sprechen beide nicht zuerst über große Rettungsmissionen, kuriose Einsätze oder gelöschte Brände. Sondern ihnen bleibt vor allem die Organisation der Feuerwehrarbeit im Gedächtnis. Denn 80 Prozent der Tätigkeit als Stadtbrandmeister, betont Alfred Dinkelmann, bestehe darin, "den Laden auf die Rille zu bekommen". Sprich: die Abläufe müssen klappen. Und das, finden Dinkelmann und Nickel, hätten sie ganz ordentlich hinbekommen. 

Auch, weil die Kameradschaft in der Dinklager Feuerwehr außerordentlich gut sei, sagt Alfred Dinkelmann. Jeder könne sich auf den anderen verlassen. Der 12-Jährige, gerade in die Jugendfeuerwehr aufgenommen, verstehe sich auch mit dem 90-Jährigen aus der Altersabteilung. Dies sei in einer Feuerwehr mit mittlerweile 96 aktiven Kameraden – zum Vergleich: 1992 waren es rund 60 Brandbekämpfer – und unterschiedlichen Charakteren gar nicht so selbstverständlich. Früher, sagt Peter Nickel mit einem Schmunzeln, hätten sich die Jüngsten nicht bei den Ältesten an einen Tisch setzen dürfen. "Da herrschten noch andere Sitten."

Wer wie Alfred Dinkelmann und Peter Nickel seit 50 Jahren Feuerwehrmann ist, der erlebt einiges. Es gibt traurige Einsätze, wenn Menschen sterben. Kurioses, zum Beispiel als sie ein in die Stadt verirrtes Reh aus dem Zaun befreien und einen Panzer auf der A1 bergen mussten.  Oder Großbrände, wie den 37-Stunden-Einsatz bei der Nietfeld Feinkost (heute Tulip) in Schwege am 15. Mai 2004. Und sie erlebten auch, wie sich die Art der Einsätze verändern. "Es ist über die Jahre komplizierter geworden", hat Peter Nickel festgestellt. 

Weniger Scheunenbrände, mehr Gefahrguteinsätze

Früher, da hätte es mehr Einsätze zu brennende Scheunen, Containern oder Autos gegeben. Einsätze, die relativ schnell beendet und leichter zu händeln gewesen waren. Jetzt gebe es mehr Zimmerbrände und Gefahrguteinsätze. "Das ist schon aufwendiger. Deshalb ist auch eine gute Ausbildung wichtig", betont Alfred Dinkelmann. Eine andere Entwicklung, eine positive, ist wiederum: Die Einsätze auf der Autobahn seien in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Weil die Pkw und Lkw bessere Sicherheitssysteme hätten. Aber auch, sagt Dinkelmann, weil die Hansalinie nun dreispurig ist.

Bei der Infrastruktur und Ausrüstung der Dinklager Feuerwehr hat sich in den vergangenen 50 Jahren ebenfalls einiges getan. Als Peter Nickel und Alfred Dinkelmann in die Jugendfeuerwehr eintraten, hatten die Dinklager Brandbekämpfer 3 Fahrzeuge – heute sind es 8. Vor 50 Jahren lag das Feuerwehrhaus noch an der Ecke Holthausstraße/Friedensstraße, seit 1999 hat es seinen Standort an der Sanderstraße mit einer vierfachen Größe (und ist mittlerweile auch zu klein).

Alfred Dinkelmann erzählt bei diesem Thema durchaus stolz, dass er – als Vorsitzender des neu gegründeten Fördervereins – die Baukosten für das heutige Feuerwehrgerätehaus bei 1,8 Millionen DM halten konnte. Der Förderverein hatte ein Budget von 2,0 Millionen zur Verfügung gestellt bekommen, eine Schätzung war sogar von Kosten von 2,4 Millionen DM ausgegangen. In dieser Zeit der Planung entwickelte sich zwischen Dinkelmann und Nickel auf der eine Seite und dem damaligen Kämmerer und heutigem Bürgermeister Carl Heinz Putthoff auf der anderen Seite eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, die beide Seiten heute als Freundschaft bezeichnen.

Guter Austausch mit der Verwaltung

Ohnehin sei der Austausch mit der Verwaltung immer gut gewesen. Es habe nie Probleme gegeben, sagt Dinkelmann. Deshalb sei die Dinklager Wehr auch "so aufgestellt, um die Anforderungen zu erfüllen". Auch das Verhältnis zur Politik, die die Gelder bereitstellen muss, bezeichnet der 65-Jährige als gut. Wenngleich er schon festgestellt hat, dass die aktuellen Ratsmitglieder die Arbeit der Brandbekämpfer noch mehr zu schätzen wüssten. Auch in der Bevölkerung sei der Stellenwert für die Arbeit der Kameraden stetig gestiegen.

50 Jahre Feuerwehr, 30 Jahre Leiter der Feuerwehr in Dinklage – auf diese Erfahrung von Alfred Dinkelmann und Peter Nickel dürfen die Kameraden auch noch in Zukunft bauen. Denn das Duo ist für die Altersabteilung noch zu jung. Der neue Stadtbrandmeister Christoph Bornhorst sagt: "Alfred und Peter waren, sind und bleiben leidenschaftliche Feuerwehrleute." So, wie es sich schon vor mehr als 50 Jahren angedeutet hatte.


Zur Person

Alfred Dinkelmann (65) trat am 25. März 1972 in die Jugendfeuerwehr Dinklage ein. Er wechselte 1974 in die aktive Feuerwehr. Dort engagierte er sich als stellvertretender Jugendfeuerwehrwart, Schriftführer, Gruppen- und Zugführer. Von 1990 bis 1992 war er Stellvertreter von Gemeindebrandmeister Reinhold Albermann. Vom 1. Januar 1993 bis zum 31. Dezember 2022 war er Gemeinde- und Stadtbrandmeister. Alfred Dinkelmann leitete bis Sommer 2021 fast 20 Jahre lang die Einsatzleitstelle Vechta.

Peter Nickel (63) wurde am 25. März 1972 Mitglied in der Jugendfeuerwehr Dinklage. Er wechselte 1977 in die aktive Feuerwehr und trat bei den den Führungspositionen fast immer in die Fußstapfen von Alfred Dinkelmann (Gruppen-, Zugführer und stellvertretender Gemeindebrandmeister).  Vom 1. Januar 1993 bis zum 31. Dezember 2022 war er stellvertretender Gemeinde- und Stadtbrandmeister. Nickel ist gelernter Kfz-Mechaniker und arbeitet beim Autohaus Ruhe im Teiledienst. Durch seine berufliche Ausbildung und seine Leidenschaft für den Modellbau kümmerte er sich auch 30 Jahre um die Gerätschaften der Feuerwehr Dinklage.

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