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Seit 50 Jahren: "Historischer Nachmittag"

Die Veranstaltung des Heimatbund-Geschichtsausschusses ist das Markenzeichen der Regionalgeschichte des OM. Es steht die 333. Folge an.

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Besondere Auszeichnung: Während des 100. "Historischen Nachmittages" am 4. April 1984 in Vechta wurde der Initiator dieser Reihe, Professor. Wilhelm Hanisch (links), von Heimatbund-Präsidenten Hans Roter mit der Ehrentafel des Heimatbundes geehrt. Foto: Zurborg/Archiv

Besondere Auszeichnung: Während des 100. "Historischen Nachmittages" am 4. April 1984 in Vechta wurde der Initiator dieser Reihe, Professor. Wilhelm Hanisch (links), von Heimatbund-Präsidenten Hans Roter mit der Ehrentafel des Heimatbundes geehrt. Foto: Zurborg/Archiv

Am 26. Januar 1972 kamen 24 Heimatforscher aus allen Teilen des Oldenburger Münsterlandes in den Räumen der Heimatbibliothek, der heutigen Bücherei St. Georg, in Vechta zusammen. Der "Historische Nachmittag" war geboren. So heißt seit genau 50 Jahren die stets am Mittwochnachmittag veranstaltete Zusammenkunft zu historischen Themen der Region.

Eigentlich ging es bei dem Treffen im Schatten der Propsteikirche um eine Neubelebung des Geschichtsausschusses. Der war schon kurz nach Gründung des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland 1919 initiiert und nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert worden. 1954 hatte der Geschichtsausschuss sogar eine Heimatwoche des Landkreises Vechta mit einer Festschrift bereichert. Danach war es um ihn still geworden, bis er eben vor exakt 50 Jahren reaktiviert wurde. Motor war der Vechtaer Rektor und Leiter der Heimatbibliothek, Franz Hellbernd (1919 bis 2012).

Dr. Hanisch hielt den Vortrag auf der ersten Versammlung

Für den Impulsvortrag hatte er Dr. Wilhelm Hanisch (1915 bis 1985) eingeladen, der auf der Gründungsversammlung Probleme der Geschichte Südoldenburgs skizzierte. Hanisch war gebürtiger Sudetendeutscher, dessen akademische Karriere als Mittelalterhistoriker an der Universität Prag durch Flucht und Vertreibung 1945 zunichtegemacht worden war.

Er hatte sich neben seiner Tätigkeit als Bibliothekar an der Pädagogischen Hochschule in Vechta der Regionalgeschichte zugewandt und in Münster habilitiert. Als neu gewählter Vorsitzender des Geschichtsausschusses versuchte er die einheimischen Heimatforscher, in der Regel Lehrer verschiedener Schulformen, zu sammeln und ihnen Anregungen zu selbstständiger Forschung zu geben.

Die "Historischen Nachmittage" fanden anfangs mehrfach in benachbarten Staatsarchiven oder örtlichen Pfarrarchiven statt. Bald hieß es in Südoldenburg, man könne nur zum "Historischen Nachmittag" eingeladen werden, wenn man sich zur Übernahme eines Vortrags bereit erkläre.

Bei den Veranstaltungen wurden auch Exkursionen in anliegende Kleinstädte gemacht

Dieser Anspruch konnte zwar letztlich nicht eingelöst werden, aber etliche Mitglieder erhielten von Hanisch Impulse zur Veröffentlichung von Aufsätzen im "Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland" oder an anderer Stelle. 1974 ging aus dem Geschichtsausschuss zudem der Ausschuss für Familienkunde hervor, der sich unter Leitung von Walter Denis (1924 bis 1997) bei Abendvorträgen genealogischen Themen zuwandte. Vor allem im Sommer fanden die "Historischen Nachmittage" in Form von Exkursionen in eine benachbarte Kleinstadt mit Kaffeetafel statt. Meist nahmen 40 bis 50 Personen teil.

Spätestens unter den Vorsitzenden August Wöhrmann (1920 bis 1989) und Richard Haker (1921 bis 2000) sprachen die Veranstaltungen breitere interessierte Kreise in der Region an, dennoch wurde auf eine regelmäßige Teilnahme Wert gelegt. Zur Popularität trugen auch die regelmäßigen ausführlichen Berichte in der Lokalpresse bei, für die Engelbert Hasenkamp verantwortlich zeichnete. Der erst kürzlich mit dem Niedersächsischen Verdienstorden ausgezeichnete Vechtaer Heimatforscher gehört zu den wenigen noch lebenden Mitgliedern der ersten Stunde.

Unter dem Vorsitz von Engelbert Beckermann wurde ab 1998 der jährliche Studientag zur Geschichte des Oldenburger Münsterlandes in der Katholischen Akademie Stapelfeld als weiteres Standbein etabliert. Er bot Gelegenheit, umfassendere Themenkomplexe zu behandeln, und die Ergebnisse wurden in der "Blauen Reihe" des Heimatbundes publiziert. Ein Jahrzehnt später kamen unter dem Vorsitz von Dr. Maria Anna Zumholz der Akademieabend (2006) und der Abendvortrag in der Universität Vechta (2010) hinzu. Kurz gesagt, die Angebote wurden vielfältiger.

Mittlerweile gibt es weitere Angebote mit anderen Ansprüchen

Während die "Historischen Nachmittage" eher populäre Angebote zur Verankerung regionaler Geschichts- und Erinnerungskultur liefern, bedienen die weiteren Veranstaltungsformen des Geschichtsausschusses vornehmlich wissenschaftliche Ansprüche. Unter dem gegenwärtigen Vorsitz von Prof. Dr. Michael Hirschfeld (seit 2015), der neuerdings von Peter Stelter unterstützt wird, liegt die aktuelle Aufgabe darin, das in der Corona-Pandemie gewachsene Interesse für Regionalgeschichte für alternative Formen der Wissensvermittlung zu nutzen.

Es gilt weitere flexiblere Formate für verschiedene Zielgruppen zu etablieren, ohne das über 5 Jahrzehnte erfolgreiche Konzept des "Historischen Nachmittags" infrage zu stellen, dessen mittlerweile 333. Folge ansteht, sobald die Situation es zulässt.

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