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Seines Glückes Schmied: Franke auch am Friesoyther Amboss fit für den Beruf

David Müller hat seinen Beruf gekündigt und widmet sich nun ganz seiner Berufung. Nach der Zeit im Schmiedeatelier "Eisenzeit" geht der 26-Jährige auf die Walz.

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Seines Glückes Schmied: David Müller hat seinen Traumberuf gefunden. Foto: Claudia Wimberg

Seines Glückes Schmied: David Müller hat seinen Traumberuf gefunden. Foto: Claudia Wimberg

24 Bögen am Tag. Woche für Woche, Jahr für Jahr. Die Schweißarbeit war lediglich schweißtreibend, denn "noch monotoner und langweiliger ging es nicht mehr". David Müller verzieht beim Gedanken an seine Tätigkeit in einem großen deutschen Technologie- und Dienstleistungsunternehmen das Gesicht. Mittlerweile gehört sein eintöniger Job als Anlagenmechaniker der Vergangenheit an. Der 26-Jährige streicht sich heute zwar immer noch durchs verschwitzte Haar, aber ist glücklich dabei.

Statt Fließbandfertigung favorisiert er die Schmiedekunst und ist auf dem Weg, seine Berufung zum Beruf zu machen. Zurzeit sammelt der Franke in Friesoythe Erfahrungen und freut sich, dass er die Möglichkeit hat, bei Stadtschmied Alfred Bullermann anzuheuern. "Wer sich auch nur ein bisschen mit Schmieden beschäftigt, kommt in der Szene natürlich an seinem Namen nicht vorbei", weiß Müller um das Renommee des national wie international operierenden Diplom-Designers.

"Sehr cool, was er macht und alles schon gemacht hat und er ist auf jeden Fall ein Vorbild", kommentiert der junge Mitarbeiter beeindruckt, den neben dem traditionellen Handwerk besonders die Kunst, Technik und Gestaltung interessiert. "Kreativ war ich immer schon", verrät der Gast aus dem Süden, der in Gunzenhausen nahe Nürnberg zu Hause ist. "Langsam und deutlich sprechen", hört er deshalb im Norden häufig. "Ich gebe mir Mühe", verspricht Müller mit breitem fränkischen Dialekt lächelnd.

Von Hand gefertigt: einen Hammer und eine Skulptur. Foto: MüllerVon Hand gefertigt: einen Hammer und eine Skulptur. Foto: Müller

Dass der Sohn am Amboss steht, war für den Vater keine Überraschung. "Ich mach mal einen Schmied", habe er bereits als kleiner Junge keck erklärt. "Dass es wirklich auch so kommt, ist schon krass." Vor einigen Jahren baute der Autodidakt sich dann den leer stehenden Schweinestall zur Schmiede um und werkelte nach Feierabend. Vor allem in Coronazeiten viele Stunden, "weil ich ja sonst nirgendwo hin konnte".

Er fertigte Werkzeuge, Damaszener-Messer und Skulpturen. "Du kannst die Natur wunderbar nutzen und das harte Material in etwas Feines und Schönes verwandeln", sagt David Müller und zeigt eine Rose, aus einem Stück geschmiedet. Den letzten Schliff dafür habe er bislang nicht hinbekommen, "aber den hat mir nun Alfred beigebracht".

Schmieden bedeute Ausdauer, denn zum Teil massive Rückschläge seien vorprogrammiert. "Da arbeitest du 8 Stunden und dann machst du in einem kurzen Moment mit nur einem Schlag alles kaputt", weiß auch Müller aus Erfahrung. Im Leben wie im Beruf nie aufgeben, habe er als Leitmotiv jedoch auch von zu Hause mitbekommen. "Also immer weitermachen."

Neben Würstel und Kraut auch für Backfisch zu haben

Untergebracht ist der Metallgestalter in der "Gesellenbude" im Werkhaus Pancratz. Ohne Fernseher, deshalb greift er wieder gerne zum Buch, aber mit Kochnische. Dort brutzelt er sich deftiges Essen wie Würstel und Kraut, aber ist auch für ein Backfischbrötchen zu haben. Das Bier wiederum "schmeckt bei uns besser". Landschaftlich erstaunen ihn die kilometerlangen geraden Straßen. "Bei uns unvorstellbar, aber hier stehen ja auch keine Berge im Weg."

Für seine Zukunft hat er mehrere Eisen im Feuer: Nach seiner Zeit in Friesoythe geht David Müller auf die Walz, will dabei "alles mitnehmen", was das Handwerk zu bieten hat und mit Schmieden aus dem In- und Ausland zusammentreffen. Nach den 3 Jahren folgt dann vielleicht die Selbstständigkeit in der Heimat. Dort sind Schmiede sehr selten und Überzeugungsarbeit in Bevölkerung erforderlich.

Doch von Skepsis will sich der künftige Unternehmer nicht aufhalten lassen und seinen Beruf auf ein ebenso festes Fundament stellen, wie seinen neuen tonnenschweren Federhammer.

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