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Schweinepest: Schockwellen treffen auch die Region

Die hiesige Fleischwirtschaft hing zuletzt immer stärker vom Export in Drittstaaten ab. Ihr könnten durch die Tierseuche schwere Zeiten bevorstehen, es sei denn, die Politik findet rasch eine Lösung.

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Den Ernstfall im vergangenen Jahr getestet: Die Simulation ist Teil einer Tierseuchenübung zur Verhinderung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) . Bei der Simulation wird auch die Tötung eines Hausschweinebestandes geprobt.  Foto: dpa / Bonß

Den Ernstfall im vergangenen Jahr getestet: Die Simulation ist Teil einer Tierseuchenübung zur Verhinderung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) . Bei der Simulation wird auch die Tötung eines Hausschweinebestandes geprobt.  Foto: dpa / Bonß

Albert Schulte to Brinke sorgte für die traurige Gewissheit: Als Niedersachsens Bauernpräsident – er nahm am Donnerstag an der Mitgliederversammlung des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg teil – den ersten ASP-Fall in Deutschland bestätigte, holten vor allem die Schweinehalter in der Stadthalle tief Luft. „Wir haben immer gewusst, dass es passieren würde“, sagt Essens Ortslandwirt Andreas Thobe. „Aber wenn es dann passiert, ist es wirklich erschreckend.“

Bei den Ferkelerzeugern und Mästern in Niedersachsen wächst jetzt die Sorge vor den wirtschaftlichen Auswirkungen. „Ein ASP-infiziertes Wildschwein in Deutschland hat grundsätzlich Folgen für alle Schweinebauern in ganz Deutschland“, sagte der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Torsten Staack der Deutschen Presse-Agentur. Wie stark die Folgen ausfielen, hänge maßgeblich davon ab, inwieweit Märkte geöffnet bleiben würden. „In Europa ist das klar der Fall. Bislang ist aber noch unklar, wie sich Abnehmer in Drittlandsmärkten - also insbesondere China - verhalten“. Denn weil Deutschland den Status „Seuchenfrei“ erstmal los ist, können nun Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland drohen.

Behörden sehen sich für den Seuchenfall indes gut ausgerüstet

Um das Schlimmste zu verhindern, hatten die EU-Kommission und das Bundeslandwirtschaftsministerium bereits vor Monaten Verhandlungen mit China über ein Regionalisierungsabkommen aufgenommen. Entscheidende Punkte sind dabei die Begrenzung von Handelseinschränkungen auf betroffene Gebiete sowie eine Differenzierung zwischen Ausbrüchen bei Wild- und Hausschweinen. Die Verhandlungen sind aber noch nicht abgeschlossen, wie das Büro der Bundestagsabgeordneten Silvia Breher gestern bestätigte. Wie sich die chinesische Seite jetzt verhalte, bleibe daher abzuwarten. Andreas Thobe glaubt, die Auswirkungen bereits zu spüren. Für den kommenden Dienstag hat er schlachtreife Schweine zum Transport in den Schlachthof angemeldet. Er hat Zweifel, dass der aktuelle Auszahlungspreis von 1,47 Euro pro Kilogramm dann noch gelten wird. „Die Schlachtunternehmen reduzieren ihre Mengen bereits“.

Niedrigere Hauspreise hält Thobe jetzt für wahrscheinlich. Einfach behalten kann er seine fetten Schweine aber nicht. „Wir müssen sie irgendwann ja abliefern.“ Die noch Anfang des Jahres vom Exportgeschäft beflügelten Erzeugerpreise waren bereits durch die Coronakrise abgesackt. Jetzt könnte es für die Bauern noch dicker kommen. Auch die Viehhändler hätten „den Kaffee auf“, weiß Thobe. Der Landwirt sagt, er hoffe, dass die Schlachtindustrie sich solidarisch zeige. Diese sortiert sich offenbar noch und hält sich bedeckt.

Er möchte sich aktuell nicht zum Export äußern, teilte etwa Andreas Rode, Geschäftsführer von Danish Crown in Essen auf Anfrage mit. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist davon auszugehen, dass Schweinefleischexporte besonders nach Asien weitgehend wegfallen dürften. Südkorea hat bereits die Einfuhr von Schweinefleisch aus Deutschland gestoppt, wie das südkoreanische Landwirtschaftsministerium mitteilte.

Pest ist ungefährlich für den Menschen

Die Behörden im Oldenburger Münsterland sehen sich für den Seuchenfall indes gut gerüstet. Im Landkreis Cloppenburg fänden seit zwei Jahren regelmäßige Informationsveranstaltungen für Landwirte, Jäger und Tierärzte statt, teilt Kreissprecher Frank Beumker mit. Darüber hinaus seien Tierseuchenübungen durchgeführt worden, bei denen die Auswirkungen von ASP-Ausbrüchen auf die beteiligten Wirtschaftskreise simuliert wurden. „Dabei wurde deutlich, dass die Einschränkungen für die hiesige Region mit der sehr großen Schweinepopulation erheblich wären“, so Beumker. Allein im Kreis Cloppenburg werden jährlich rund 10 Millionen Tiere gemästet.

Ähnlich hat auch der Kreis Vechta verfahren. Der Leiter des dortigen Veterinäramtes, Detlev Dierkes, warnt dringend davor, in den östlichen Bundesländern erlegte Wildschweine in die hiesige Region zu verbringen. Jäger sollten die Zerlegungsabfälle sonstiger Wildschweine in den extra dafür vom Landkreis aufgestellten Kadavertonnen in Damme und Vechta entsorgen. Verendet aufgefundene oder durch einen Unfall getötete Schwarzkittel seien zusätzlich dem Veterinäramt zu melden und auf ASP zu untersuchen.

Wildschweine verbreiten die Afrikanische Schweinepest. Foto: dpa  BüttnerWildschweine verbreiten die Afrikanische Schweinepest. Foto: dpa / Büttner

Wie ernst die Lage ist, wird auch am Statement des Kreislandvolkverbandes Vechta deutlich: „Der Moment, von dem wir gehofft haben, dass er niemals eintritt, ist da“, erklärt dessen Vorsitzender Dr. Johannes Wilking. Er erinnert an Präventivmaßnahmen, darunter Plakat- und Handzettelaktionen, mit denen die Landvolkverbände in der Vergangenheit Fernfahrer auf die Gefahr einer unbeabsichtigten Einschleppung der Seuche aufmerksam machten. Für die Landwirte ändere sich in der täglichen Arbeit erst einmal wenig. Es gelte Ruhe zu bewahren und die Biosicherheitsmaßnahmen auf den eigenen Betrieben kritisch zu überprüfen.

Das hat Andreas Thobe bereits getan. Der Essener traut sich und seinen Berufskollegen zu, das Virus aus den Ställen fern zu halten. Für ihn ganz wichtig ist auch der Hinweis, dass die Seuche für Menschen ungefährlich ist. Niemand müsse Angst haben, nach dem Verzehr von Schweinefleisch zu erkranken. Trotzdem macht er sich nichts vor: „Der wirtschaftliche Schaden könnte für uns alle gigantisch werden.“

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