Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Schützenvereine müssen sich für Feste vielen Herausforderungen stellen

Keine Zelte, steigende Bierpreise, unsichere Planungen und Feste mit Waffen, während eines Krieges in Europa. Auch das Schützenfest in Bokern-Märschendorf sieht sich mit Schwierigkeiten konfrontiert.

Artikel teilen:
Tradition: Das Tragen des Holzgewehres wird aktuell vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges diskutiert. Archivfoto: Schützenverein Bokern-Märschendorf

Tradition: Das Tragen des Holzgewehres wird aktuell vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges diskutiert. Archivfoto: Schützenverein Bokern-Märschendorf

Nach 2 Jahren Pause ist die Schützenfest-Saison im Oldenburger Münsterland wieder in vollem Gange. Doch Ungewissheit bei der Planung, steigende Preise und der Krieg in der Ukraine stellen die Schützen aktuell vor Herausforderungen. Davon kann auch Heinz-Josef Überwasser ein Lied singen.

Der Präsident des seit 1955 bestehenden Schützenvereins Bokern-Märschendorf erklärt, dass vor allem die Vorlaufzeit ein Problem war. "Wie heißt es so schön: 'Nach dem Schützenfest ist vor dem Schützenfest.'" Schon im Herbst vergangenen Jahres hätten Entscheidungen getroffen werden müssen – absehbar war die Entwicklung der Corona-Pandemie zu der Zeit aber noch nicht. Deswegen hätten die Mitglieder sich im Herbst gemeinsam dagegen entschieden, ein großes Festzelt zu mieten.

Die "Light"-Version findet nur 2 Tage statt 3 Tage statt

Nun ermöglichen die Lockerungen das Fest doch und dann geht es auch mal ohne Zelt. "Wir haben das Glück, eine Schützenhalle zu haben und draußen werden Pavillons aufgebaut", erläutert Überwasser. "Ein Open-Air Schützenfest", ergänzt er: "Ein Schütze gehört doch an die Luft." In Bokern-Märschendorf findet 2022 allerdings nur ein Schützenfest "light" statt: Es wird 2 statt 3 Tage lang gefeiert. Im nächsten Jahr soll das Fest aber wie bisher 3 Tage lang veranstaltet werden – mit Zelt.

Hält an der Tradition fest: Heinz-Josef Überwasser. Foto: Schützenverein Bokern-MärschendorfHält an der Tradition fest: Heinz-Josef Überwasser. Foto: Schützenverein Bokern-Märschendorf

Wie schwierig es ist, ein Festzelt zu bekommen, hat auch der Dammer Schützenverein Glückauf erlebt. Das Fest wurde von Juni in den August verlegt. Präsident Lothar Holtmann berichtet, dass die Suche im Umkreis von 200 Kilometern erfolglos blieb. Neben der großen Nachfrage sei auch der Personalmangel bei den Zeltbauern ein Grund dafür.

"Es ist egal, wie groß oder klein das Schützenfest ist, die Vorbereitung braucht ein halbes bis dreiviertel Jahr Zeit", meint der Märschendorfer Schütze. Die Musiker, Schausteller und andere Dienstleister bräuchten ebenfalls Planungssicherheit, dieses Dilemma würden sich die Schützenvereine allerorts teilen.

„Es gibt Stimmen, die meinen aufgrund, des Krieges sollten wir gar keine Schützenfeste feiern.“Heinz-Josef Überwasser, Schützenpräsident

Findet die Veranstaltung dann statt, stellt die Inflation ein weiteres Problem dar. Die Preiserhöhungen der Brauereien und der Personalmangel bei Veranstaltungen lässt die Bierpreise auf den Volksfesten steigen. Auch in Märschendorf muss Hallenwirt Franz-Josef Bokern-Kersting 2 Euro pro Bier verlangen. "Dafür habe ich vollstes Verständnis. Ich habe gehört, im Vergleich zum Stoppelmarkt sind wir noch günstig", meint Überwasser.

Der Krieg in der Ukraine verursache aber ein weiteres Problem. Nicht alle Schützen seien froh darüber, dass es wieder losgeht. "Es gibt Stimmen, die meinen, aufgrund des Krieges, sollten wir gar keine Schützenfeste feiern." Vor allem das Tragen des Holzgewehres beim Marschieren werde vor dem Hintergrund diskutiert, erzählt Überwasser. Der Präsident möchte sich aber nicht instrumentalisieren lassen: "Wir sollten unsere Volksfeste feiern, wie wir sie schon immer gefeiert haben." Das Holzgewehr gehöre zur Tradition und sei schließlich keine echte Waffe.

Am Ende aller Ärgernisse überwiegt die Freude auf das bald anstehende Schützenfest, das sogar gemeindeübergreifend ist. Der Verein zählt Mitglieder aus Bokern und Märschendorf der Stadt Lohne sowie Carum und Schledehausen aus der Gemeinde Bakum. "Wir sind heilfroh, dass wir endlich wieder gemeinsam feiern können und laden jeden ein, dabei zu sein", sagt Überwasser.


Das Programm:

  • Am 26. Mai (Donnerstag) finden die Schießwettbewerbe für den Stadt-, Gemeinde- und Königspokal statt. Auch das Ordensschießen wird einschließlich Stechen am Donnerstag veranstaltet.
  • Am 28. Mai (Samstag) findet um 15 Uhr das Kaiserpokalschießen statt. Ab 18 Uhr schließt in der Schützenhalle der Kommers an, unter den Gästen werden der stellvertretende Bürgermeister Norbert Bockstette und Abordnungen der Lohner und Dinklager Schützen sein.
  • Ab 21 Uhr sorgt DJ Tim Tom für Stimmung bei der Open-Air-Party.
  • Am 29. Mai (Sonntag) wird um 10 Uhr in Carum und um 12 Uhr in Bokern ein Kranz an den Ehrendenkmälern niedergelegt, um an die Schrecken von Krieg und Verfolgung zu erinnern.
  • Ab 16 Uhr findet ein kleiner Umzug vom Dorfplatz Märschendorf zum Schützenplatz statt, musikalisch begleitet vom Lohner Spielmannszug. Abends spielt die Liveband Sweet Dreams.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Schützenvereine müssen sich für Feste vielen Herausforderungen stellen - OM online