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Schützen stehen Gewehr bei Fuß

Vereine haben es in Coronazeiten besonders schwer. Für Essens Schützen lief in diesem Jahr nicht viel. Die Mitglieder halten dem Verein allerdings weiterhin die Treue.

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Warten auf den Neustart: Vereinsvorsitzender Stefan Ostermann kann derzeit keine Aktiven im Schützenhaus begrüßen. Foto: Meyer

Warten auf den Neustart: Vereinsvorsitzender Stefan Ostermann kann derzeit keine Aktiven im Schützenhaus begrüßen. Foto: Meyer

Die Schützenhalle  in Essen ist ein echtes Schmuckstück. Erst vor zwei Jahren umgebaut, fehlt es den Aktiven dort praktisch an nichts. Sogar ein Schießkino haben die Essener eingerichtet, in dem Mitglieder und Ausflügler auf virtuelle Blechbüchsen ballern können. Seitdem die Corona-Pandemie die Welt im Griff hat, drückt aber niemand mehr auf den Abzug. Das Schützenreich liegt weitgehend im Tiefschlaf.

Mitte März musste der Verein sein zweiwöchiges Pokalturnier abrupt abbrechen. Zuvor hatten sich Schützen aus dem Landkreis Cloppenburg, dem Emsland und dem Artland die Klinke in die Hand gegeben. Kurz darauf war außerdem klar, dass aus dem Schützenfest in diesem Jahr nichts werden würde. „Das war bitter, denn für Essen ist es das Fest der Feste“, erklärt Stefan Ostermann. Der Vereinsvorsitzende hält die im Frühjahr getroffenen politischen Entscheidungen aber nach wie vor für richtig. „Am Ende ist der Schutz von Leben einfach wichtiger. Wir sind da nur eine Nebensache.“

Verein während des Lockdowns zusammenhalten

Für den Vorstand hieß es nun, den Verein mit seinen rund 1400 Mitgliedern auch während des Lockdowns zusammenzuhalten. Das gelang. „Wir verzeichnen keine Austritte“, freut sich Ostermann. Die Beiträge werden weiterhin bezahlt, was angesichts der laufenden Kosten auch nötig ist. Den Umbau der Schützenhalle bewältigt der Verein komplett ohne Zuschüsse. Die Schulden seien aber beherrschbar, versichert Ostermann. Trotzdem schmerzt das Fehlen wichtiger Einnahmen.

Wie beim Speed-Dating: Im Wartebereich vor dem Schießstand dürfen sich nur jeweils zwei Schützen gegenübersitzen. Foto: MeyerWie beim Speed-Dating: Im Wartebereich vor dem Schießstand dürfen sich nur jeweils zwei Schützen gegenübersitzen. Foto: Meyer

Anfang dieser Woche sollte das im März unterbrochene Pokalturnier eigentlich wieder aufgenommen werden. Die hohen Infektionszahlen im Südkreis machten den Plan zunichte. So bleibt es bislang bei einem einzigen Übungsschießen Anfang September. „Da dachten wir, die Lage würde sich verbessern“, bedauert Ostermann. Die Tische im Wartebereich vor dem Schießstand hat er erst mal stehen lassen. Dort sieht es  aus wie beim Speed-Dating. Nur jeweils zwei Aktive dürfen sich gegenübersitzen. Besonders stimmungsvoll  sei das zwar nicht, räumt Ostermann ein. „Wir Schützen sind ja normalerweise ein geselliges Völkchen.“ Das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln hat für ihn aber oberste Priorität. Ein größerer Coronaausbruch soll in Essen jedenfalls nicht auf das Konto seines Vereins gehen. „Das wäre die schlimmste Katastrophe.“

Generalversammlung bisher nicht durchführbar

Wie lange die Schützen die veranstaltungslose Zeit ohne Substanzverlust überstehen können, weiß der Vorsitzende indes nicht. Eigentlich hätte längst eine Generalversammlung einberufen werden müssen. Sie war auch geplant - und zwar draußen vor der Schützenhalle. „Es wollten viele kommen, auch weil es so etwas in der Vereinsgeschichte noch nie gegeben hatte“. Die Durchführung sei letztlich aber nicht verantwortbar gewesen. Der Vorsitzende hofft, dass zumindest das zweiwöchige Weihnachtsturnier Ende Dezember stattfinden kann. Weil nur Mitglieder und Essener Bürger daran teilnehmen, sei die Organisation auch unter Corona-Bedingungen möglich.

Gleichzeitig müssen die Verantwortlichen die Planungen für das kommende Jahr vorantreiben. In dessen Mittelpunkt soll natürlich wieder das Schützenfest stehen. „Wir arbeiten jetzt daran, ohne sicher zu wissen, ob es klappt“, erklärt Stefan Ostermann. In den vergangenen Jahren hatten die Essener wahre Mega-Events mit bekannten Partygrößen auf die Beine gestellt. Auch Mickie Krause war schon da. 2021 dürfte das Fest ein paar Nummern kleiner ausfallen.

Trotzdem soll gefeiert werden, wenn auch nicht bis in die Puppen. Der Platz sei zum Glück da, sagt Ostermann. Er denkt dabei auch an die Wirte und die Schausteller, mit denen der Verein zum Teil seit 50 Jahren zusammenarbeitet. „Die haben es jetzt richtig schwer.“ Das Schützenfest sei aber auch für die Mitgliederwerbung unverzichtbar. „Wer abends zwischen fünf Schützen sitzt und noch nicht im Verein ist, ist es spätestens danach.“ Neuaufnahmen habe es in diesem Jahr dagegen so gut wie keine gegeben.

Schmuckstück: die Schützenhalle in Essen.  Foto: MeyerSchmuckstück: die Schützenhalle in Essen.  Foto: Meyer

Ein Essener Schütze  dürfte dem Fest besonders entgegenfiebern. König Martin II Alberding musste seine  Regentschaft coronabedingt um ein Jahr verlängern. Viel zu tun hatte er zwar nicht. Trotzdem soll eine weitere Ehrenrunde, wenn eben möglich, verhindert werden. Anders als andere Regenten klammert sich der Schützenkönig nämlich nicht an die Macht. An seinem feierfreudigen Volk  dürfte es nicht liegen. „Wir stehen Gewehr bei Fuß“, betont Stefan Ostermann.

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