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Schulsozialarbeit funktioniert nur mit den Eltern

Derzeit ist die Tätigkeit der 42-Jährigen in der Vördener Grundschule auch durch die Corona-Pandemie und deren Folgen geprägt. Beratungs- und Hilfsangebote sind trotzdem wichtig.

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Mit Leib und Seele im Dienst: Ulrike Jörke ist die erste Schulsozialarbeiterin der Grundschule Vörden. Die 42-Jährige hat ihre Wunschstelle am 1. August 2020 angetreten. Foto: Lammert

Mit Leib und Seele im Dienst: Ulrike Jörke ist die erste Schulsozialarbeiterin der Grundschule Vörden. Die 42-Jährige hat ihre Wunschstelle am 1. August 2020 angetreten. Foto: Lammert

Ulrike Jörkes lang gehegter Berufswunsch hat sich Anfang August 2020 erfüllt: Die 42-Jährige aus Bramsche trat mit Beginn des Schuljahres 2020/21 die Stelle als Schulsozialarbeiterin an der Grundschule Vörden an. "Darauf hatte ich immer gewartet, eine Verbindung von Pädagogik und Schule zu knüpfen."

Das Terrain "Grundschule" war ihr Anfang August durchaus bekannt. Zuvor war sie 2 Jahre lang als pädagogische Mitarbeiterin im Zuge der verlässlichen Grundschule (oder Randstundenbetreuung) tätig.

Der aktuell an das Regionale Landesamt für Schule und Bildung abgeordnete Rektor Karsten Mühlmeier hatte mit seinem Engagement den Weg für die Ausweisung der neuen Stelle freigemacht.  

Aktuell ist die studierte Sozialarbeiterin und -pädagogin an 3 festen Tagen pro Woche in der Schule mit ihren rund 160 Erst- bis Viertklässlern tätig. So wissen die Kinder und die Lehrkräfte genau, dass sie Ulrike Jörke montags, mittwochs und donnerstags erreichen können. Und, sagt die zweifache Mutter, so sei sichergestellt, dass sich die Kinder auch trotz des Wechselunterrichts im Laufe einer Woche an sie wenden können.

"Oft geht es um kleinere Sachen wie einen Streit unter Mitschülern."Ulrike Jörke, Schulsozialarbeiterin

Häufig sprechen sie die Kinder in den Pausen an. "Oft geht es um kleinere Sachen wie einen Streit unter Mitschülern. Oder sie erzählen mir einfach von ihrem Zuhause oder wie es ihnen in der Schule geht“, sagt die Schulsozialarbeiterin. Andere wenden sich an sie, weil sie nicht so viele Kontakte in der Schule haben. "„Eine meiner Hauptaufgaben ist es, für Kinder da zu sein, die Sorgen und Nöte haben. Ich möchte ihnen Angebote machen, mit deren Hilfe sie lernen, mit diesen Sorgen und Nöten umzugehen."

Zu solchen Angeboten zählen Einzelgespräche und die Hilfe bei Kontaktaufnahmen. Darüber hinaus gibt es sogenannte methodische Angebote wie zum Beispiel Entspannungsübungen, wenn ein Kind sehr unter Druck stehe.

Aus ihrer früheren Tätigkeit kennt sie selbstverständlich die Lehrer, die sich ebenfalls an die Schulsozialarbeiterin wenden. Etwa, wenn ein Kind Lernprobleme hat oder Entwicklungsauffälligkeiten aufweist  oder weil das Kind ein Vertrauensgespräch sucht, weil es seelische Probleme hat. "Gemeinsam suchen wir nach Lösungen, wie wir helfen können."

Hospitationen im Unterricht sind Teil der Arbeit

Hospitationen und Unterstützung im Unterricht, bei Bedarf der vermittelnde Austausch mit Lehrern, regelmäßige Treffen oder auch Spontaninterventionen während des Schulalltages können mögliche Hilfemaßnahmen sein

Das Kind in seinen Sozialsystemen Schule und Elternhaus zu betrachten – mit all seinen Ressourcen, aber auch seiner ganz individuellen Sicht auf die Dinge – ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit. Oft brauche das Kind Möglichkeiten, sein Erleben und Verhalten besser zu verstehen.

Das A und O sei es, die Eltern dabei einzubeziehen. Bei Bedarf schaltet Ulrike Jörke weitere Institutionen ein, sollte das Kind zum Beispiel psychologische oder andere therapeutische Hilfen benötigen.

Begleitete Projekte sind der zweite Arbeitsschwerpunkt

Dazu kommen als zweiter Arbeitsschwerpunkt von Ulrike Jörke initiierte beziehungsweise begleitete Projekte, um den Erst- bis Viertklässlern einen noch besseren Lebensraum "Schule" mit einem noch besseren Klima in ihren jeweiligen Klassen zu schaffen. Das sei, räumt die Schulsozialarbeiterin ein, gerade in Coronazeiten und den gravierenden Folgen für die Schulen, eine Herausforderung.

Gestartet war Ulrike Jörke mit einem "Wir-Projekt". Dabei geht es darum, den Kindern Wege aufzuzeigen, wie sie etwas gemeinsam schaffen können. So lernten die Kinder unter anderem die Bedeutung des Zuhörens in Gesprächskreisen und bei interaktiven Übungen. Letztlich ging es um Nähe.

Nur: Nach der Verschärfung der Kontaktbeschränkungen wegen der Pandemie findet derzeit der Übergang zum "Ich-Projekt" statt. Hier kooperiert Ulrike Jörke vornehmlich mit den Sportlehrkräften der Schule. Im Mittelpunkt steht das Selbstbild, das jedes Kind von sich besitzt. Es geht etwa darum, wie sich das Kind selbst sieht, wer es ist, welche Stärken und Hobbys es hat.

"Es geht darum, eine Wohlfühloase zu schaffen."Ulrike Jörke, Schulsozialarbeiterin

In jeder Stunde, in der das Ich-Projekt im Mittelpunkt steht, bearbeiten Lehrer und Kinder ein Thema, das sie anschließend kreativ etwa gemalt umsetzen. Zur Einstimmung beginnt jede Stunde mit dem Vorlesen einer Geschichte, die sich auf das jeweilige Thema bezieht. "Es geht darum, eine Wohlfühloase zu schaffen", sagt Ulrike Jörke.

Diese Stunden sind dennoch lehrreich für Kinder und Lehrkräfte, denn sie lernen über die Mitschüler beziehungsweise Schüler ganz neue Dinge kennen.

Schließlich hat sich Ulrike Jörke, die sehr eng mit den Jugendhilfeeinrichtungen wie dem Jugendtreff der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden kooperiert, auch auf die Fahne geschrieben, die Kinder mit verschiedenen Spielen im wahrsten Sinne des Wortes in Bewegung zu halten. Denn das sei das, was die Schüler im Moment am meisten benötigen, da sie in der Freizeit wegen der Corona-Vorgaben sehr eingeschränkt seien.

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