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Schulserver Iserv: Lernplattform hat Probleme

Bei der Lernplattform Iserv gib es seit Montagmorgen bundesweit Probleme. Das bestätigte das Unternehmen gegenüber OM online. (Update 12.30 Uhr)

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Symbolfoto: dpa

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Pünktlich zum offiziellen Schulstart am Montag gibt es seit dem Morgen Probleme bei der Lernplattform Iserv.  Mit Hilfe der Plattform können Schüler von zu Hause aus lernen und an Videokonferenzen teilnehmen. 

Ein Sprecher des Unternehmens berichtet gegenüber OM online von "zeitweisen Ausfällen" im gesamten Bundesgebiet, will aktuell aber noch kein offizielles Statement abgeben. Unter anderem ist der Login auf der Plattform nicht möglich, oder Inhalte können nicht geladen werden.

Die Panne wurde von dem Braunschweiger Unternehmen am Montagmittag behoben. „Für die Probleme heute morgen bitten wir um Entschuldigung“, teilte Iserv auf Twitter mit. „Die Videokonferenzen laufen wieder. Der Fehler wurde gefunden.“

Schüler des Clemens-August-Gymnasiums sind betroffen

Zuvor waren auch die Schüler des Clemens-August-Gymnasiums in Cloppenburg betroffen. „Das passiert immer wieder, vor allem am ersten Schultag“, sagt Direktorin Annette Ovelgönne-Jansen. Diesmal sei das Problem größer, weil alle weiterführenden Schulformen in Szenario C -also den Distanz-Unterricht - gewechselt sind. Diesen Ansturm verkrafte das System nicht.

„Vor allem Video-Konferenzen sind ein Desaster“, so Ovelgönne-Jansen. In Teilen funktioniere Iserv zwar wieder. Mit den Schülern werden inzwischen zeitlich gestaffelte Einwähltermine abgesprochen. Wer dennoch keinen Zugang erhalte, solle „erst einmal die Füße still halten und es in einer halben Stunden wieder versuchen“. Sonst werde der Zentralserver durch ständige Einwählversuche noch mehr belastet.

Auch das Gymnasium Antonianum in Vechta war von dem Problem betroffen. Der Zugang zu dem Server sei bereits seit 9 Uhr nicht mehr möglich, berichtet der stellvertretende Schulleiter Ingo Böhm am Montagmittag auf Anfrage. Die Aufgaben für den heutigen Tag dürften bei den Schülern noch angekommen sein. Einige Kollegen und Schüler würden nun versuchen, über einen technischen Umweg auf die Mails zuzugreifen. Darüber hinaus stünden viele Schüler über soziale Netzwerke in Kontakt.

„Die Kapazitäten reichen zurzeit nicht aus, weil immer mehr Schulen auf Videountericht setzen und auf das Modul zugreifen“Mirko Rutsche, zuständig für IT und Technik am Albertus-Magnus-Gymnasium in Friesoythe

Mirko Rutsche, der am Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) in Friesoythe für die IT und Technik zuständig ist, nimmt den Ausfall relativ gelassen. „Iserv selbst funktioniert ja noch“, sagt er. Für die Friesoyther Schule sei nur das Videomodul ausgefallen.  Aufgaben sowie Lehr- und Lernmaterial können, so Rutsche, weiterhin über die Plattform bereitgestellt und ausgetauscht werden. Am AMG sind derzeit etwa 15 Lehrerinnen und Lehrer dazu übergegangen, ihre jeweils zu Hause sitzenden Schülerinnen und Schüler über ein Konferenzprogramm per Video und Chat direkt am Unterricht teilnehmen zu lassen.

Einen Vorwurf will er der Betreiberfirma auch nicht machen. „Die Kapazitäten reichen zurzeit nicht aus, weil immer mehr Schulen auf Videounterricht setzen und auf das Modul zugreifen“, vermutet er. „Wir müssen da einfach etwas flexibel sein.“

„Wir hatten das größte Problem mit Iserv in der 3. und 4. Stunde“, berichtet Lars Murra, Abteilungsleiter Berufliches Gymnasien an den Berufsbildenden Schulen Friesoythe. „Da haben die Kollegen schnell nach Alternativen gesucht und sind beispielsweise auf Zoom umgestiegen oder haben sich auf den Messenger konzentriert, mit dem zumindest der Chat weiterlaufen konnte.“ Wirklich überrascht war er von dem Ausfall nicht. "Es greifen derzeit halt mehr und mehr Schulen auf die Videoplattform von Iserv zu, sagt er. „Dann ist der Server natürlich stark belastet.“

Andere Schulen in OM können ganz normal arbeiten

Christin Fragge, kommissarische Leiterin der Albert-Schweitzer-Realschule in Lohne, hat hingegen keine Störungen bei der Arbeit mit Iserv feststellen können. "Ich sitze gerade am PC, schreibe fleißig E-Mails und arbeite auf der Lernplattform", sagt sie.

Auch die Schüler und Lehrer des Dammer Gymnasiums melden am Montag keine Probleme. Lediglich bei den Videokonferenzen habe es teilweise kurze Probleme gegeben, da der Server etwas überlastet gewesen sei. Das bestätigt Dr. Rainer Ellerbrake aus der Schulleitung des Dammer Gymnasiums. Der Server, über den die Videokonferenzen laufen, sei allerdings unabhängig von IServ.

Landkreis Vechta hat keinen Einfluss auf den Ausfall

Der Landkreis Vechta betonte auf Anfrage von OM online, dass er keinen Einfluss auf den Ausfall nehmen könne. Denn Iserv werde nicht vom Landkreis betrieben, sondern sei eine eigenständige Plattform mit eigenen Servern. Ursächlich für den Ausfall scheint eine Überlastung der Plattform bzw. ein zu hoher Traffic zu sein, heißt es vom Landkreis. Und weiter: "Laut unseren Informationen arbeitet Iserv derzeit daran, die Server aufzurüsten."

Denn trotz einer Ausfallsicherheit von Iserv von 98,5 Prozent gab es auch in der Vergangenheit gelegentlich kleinere Ausfälle des Systems. Einen solchen großflächigen Ausfall gab es bisher jedoch noch nicht, schreibt der Landkreis Vechta:  "Die Ursache für den Ausfall liegt aber nicht in der mangelnden Funktionsfähigkeit oder Sicherheit unseres eigenen Netzes."

Mehrere Schulen in Niedersachsen hatten mit Problem des Servers zu kämpfen

Mehrere Schulen in Niedersachsen hatten am ersten Tag nach den Weihnachtsferien mit Problemen des Bildungsservers IServ zu kämpfen. Die Schulen seien auf den Distanzunterricht vorbereitet gewesen und hätten versucht, per Videoschalte zu den Schülern Kontakt aufzunehmen, sagte Andrea Kunkel, Vorsitzende des niedersächsischen Schulleitungsverbands (SLVN) . Wegen der Serverprobleme sei das aber in vielen Fällen nicht wie geplant möglich gewesen, das sei "sehr unglücklich". Die Schulen hätten daher versucht, auf anderen Wegen Kontakt herzustellen oder die Videotreffen am Nachmittag nachzuholen.

Mit Blick auf die Abschlussjahrgänge, die in den Schulen unterrichtet wurden, habe sie die Rückmeldung bekommen, dass das fröhliche Wiedersehen nach den Ferien diesmal fehle. Die Stimmung sei "ruhig, gedämpft, eine Idee unwirklich" gewesen, sagte Kunkel.

Zur Kritik an der Fortsetzung des Präsenzunterrichts für einen Teil der Schüler bemerkte die Verbandsvorsitzende, es sei schwierig, Infektionsschutz und Bildungsgerechtigkeit abzuwägen. "Das ist ein schwieriger Balanceakt. Ich kann gar nicht sagen, was da jetzt richtig ist." Gerade jüngere Schüler seien aber auch auf den persönlichen Kontakt in der Schule angewiesen.

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