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Schülerinnen verarbeiten persönliche Erlebnisse in Reportagen

Tilda Koopmann hat einen persönlichen Text über ihre Corona-Erkrankung geschrieben, sie litt am PIMS-Syndrom. Violetta Akst beleuchtete ihren Umzug mit der Mutter von Omsk nach Cloppenburg.

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Reportagen geschrieben: Tilda Koopmann (links) und Violetta Akst haben ihre persönlichen Erfahrungen zu Papier gebracht. Foto: Hermes

Reportagen geschrieben: Tilda Koopmann (links) und Violetta Akst haben ihre persönlichen Erfahrungen zu Papier gebracht. Foto: Hermes

In eigenen Reportagen haben sich Achtklässler der Liebfrauenschule mit verschiedenen Themen auseinandergesetzt. So schrieb Tilda Koopmann einen persönlichen Text über ihre Corona-Erkrankung, Violetta Akst beleuchtete ihren Umzug mit der Mutter von Omsk nach Cloppenburg. Die Texte waren Bestandteil des Deutschunterrichtes. "Der Anfang ist uns schwergefallen. Aber wenn man erst einmal im Schreiben ist, dann geht es", sagen die beiden im Gespräch mit OM-Online.

Schwierig, über die eigenen Erfahrungen zu schreiben

Für Tilda war es schwer, über die persönlichen Erfahrungen zu schreiben, doch sie wurde von ihrem Umfeld dazu ermutigt. Auch als eine Art Verarbeitung. Die 12-Jährige erkrankte im vergangenen Jahr nicht nur an Corona, sondern ihr Immunsystem reagierte auf die Coronainfektion mit dem seltenen sogenannten „Pims-Syndrom“. Nach 30 Tagen in Quarantäne mit einem symptomlosen Verlauf und viel Langeweile bekommt die Siebtklässlerin hohes Fieber. Die Situation verschlechtert sich weiterhin, und das Mädchen wird schließlich ins Krankenhaus nach Vechta gebracht.

Zwei PCR-Tests sind negativ, Tilda kommt auf die Kinderstation, wo ihr eine Infusion mit Antibiotika gelegt wird. Sie bekommt Brot, doch nach ein paar Bissen muss sie sich übergeben. Da ihr Sauerstoffgehalt im Blut weiterhin sinkt, bekommt sie eine Beatmungsbrille. Die Ärzte halten eine Pneumonie für möglich: Tilda wird behandelt, als hätte sie eine Lungenentzündung. Ihr geht es jedoch durch die Behandlung nicht besser. Neben dem wiederkehrenden hohen Fieber und dem Sauerstoffmangel kommt es nun auch noch zu einem Ausschlag am gesamten Körper.

"Ich hatte Angst, was passiert und fühlte mich immer noch kränker."Tilda Koopmann

Eine nächste Untersuchung soll Ergebnisse zu Wasser im Herzbeutel bringen. Um das Herz im Notfall zu punktieren, hat das Krankenhaus in Vechta nicht die richtigen Möglichkeiten. Tilda wird nach Oldenburg verlegt. "Ich hatte Angst, was passiert und fühlte mich immer noch kränker", schreibt die Achtklässlerin in ihrer Reportage. Kurze Zeit später kommen drei Sanitäter, zwei Ärzte und eine Krankenschwester ins Zimmer. Die 12-Jährige wird an die mitgebrachte Sauerstoffflasche angeschlossen und auf eine Liege gelegt. Sie hat Angst und fühlt sich  eingeengt. Mit Blaulicht geht es nach Oldenburg.

Dort angekommen, wird wieder Blut abgenommen. Tilda ist überfordert, bei dem Stress, der Hektik und der Angst kommen ihr die Tränen. Jedes Mal, wenn sie etwas essen will, wird ihr schlecht. Dann endlich die richtige Diagnose:  Die Ärzte stellen das PIMS-Syndrom fest, die Abkürzung steht für "Pädiatrisches-Inflammatorisches-Multisystemisches Syndrom“. Es handelt sich dabei um eine Autoimmunkrankheit, wobei die Corona-Antikörper Organe und Blutgefäße angreifen.

Zur Behandlung bekommt Tilda eine 26-stündige Infusion, die sofort Wirkung zeigt. Ihr geht es deutlich besser, ihr Fieber sinkt und sie kann auch wieder alleine laufen. Von der Intensivstation über die Kinderabteilung geht es in die ambulante Weiterbehandlung. "Die ersten 2 Tage habe ich mich noch etwas erschöpft und schlapp gefühlt". Heute geht es ihr wieder vollkommen gut, nach etwa einem Jahr sagt sie: „Trotz des Risikos, durch die Antikörper erneut PIMS zu bekommen, habe ich mich impfen lassen, da ich bei einer zweiten Corona-Erkrankung sicher noch einmal daran erkrankt wäre. Dennoch war ich nach der ganzen Sache froh, noch 2 Tage vor meinem Geburtstag nach Hause zu kommen, den ich mit meiner Familie sehr genossen habe.“

Mutter und Tochter ziehen von Omsk nach Cloppenburg

Violetta hat über den Weg ihrer Mutter nach Deutschland geschrieben, den sie gemeinsam mit ihr erlebt hat. "Ich habe meinen Text jetzt noch einmal gelesen und würde noch einiges wieder ändern", erzählt die 12-Jährige mit einem Lächeln. Mutter und Tochter lebten 2014 in einer Wohnung in der Großstadt Omsk, lange Arbeitszeiten und wenig Zeit für das Kind wurde jedoch immer mehr zum Problem.

Die Preise für das Essen stiegen an, die Winter waren kalt, die Sommer heiß. Man musste neue Kleidung kaufen und die Schule war teuer. Der jungen Mutter sei klar geworden, dass in Zukunft Geldsorgen entstehen könnten. ,,So konnte unser Leben nicht weitergehen", berichtet sie jetzt. Also traf sie die Entscheidung, nach Deutschland zu ihrer Schwester zu ziehen. So flogen Mutter und Tochter nach Deutschland: Die erste Zeit war schwer, die Eingewöhnung nicht leicht.

Liliya und Violetta zogen zunächst zur Schwester und bekamen ihre zweite Staatsbürgerschaft. Während die Tochter nach eineinhalb Jahren schon fließend Deutsch sprach, fiel es der Mutter schwerer. "Mittlerweile spricht sie auch ziemlich gut", schreibt Violetta in ihrer Reportage. Ihre Mutter ist nun verheiratet, hat ein weiteres Kind bekommen und baut ein Haus in Cloppenburg. Auch wenn sie sich in Deutschland verliebt hätten und es als ihre Heimat sehen, vermissen sie doch auch Russland, wo Liliyas Eltern und ihre Geschwister leben. Die Familie versucht, in den Urlauben und Ferien nach Russland zu fliegen.

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