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Schülerbeförderung der Nordwestbahn steht zum Start des neuen Schuljahres unter Beobachtung

Zugausfälle und Unpünktlichkeit: Vor den Sommerferien gingen mehrere Beschwerden bei der Kreisverwaltung in Vechta ein. Vertragsstrafen des Landes waren die Folge.

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Vor allem im Juni kamen Schülerinnen und Schüler im Kreis Vechta mit der Nordwestbahn nicht immer ans Ziel. Foto: dpa/Jaspersen

Vor allem im Juni kamen Schülerinnen und Schüler im Kreis Vechta mit der Nordwestbahn nicht immer ans Ziel. Foto: dpa/Jaspersen

Die Schülerbeförderung im Kreis Vechta durch die Nordwestbahn (NWB) steht unter Beobachtung. Heißt: Mit Argusaugen werden manche Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte sowie nicht zuletzt die Kreisverwaltung zum Start des neuen Schuljahres die Zuverlässigkeit des Verkehrsunternehmens verfolgen. Hintergrund: Nach Informationen von OM Online gab es zum Ende des vergangenen Schuljahres mehrere Zugausfälle und Verspätungen, die mancherorts den Schulalltag beeinträchtigten.

Der Landkreis Vechta als Schulträger und die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) als Aufgabenträgerin bestätigen diese Angaben auf Anfrage. Die Nordwestbahn stuft die Versäumnisse hingegen als weniger gravierend ein und erwartet auch jetzt zum Schulstart keine Probleme.

Der Reihe nach: In den Jahren 2018 und vor allem 2019 stand die Nordwestbahn wegen eines zum Teil selbst verschuldeten Lokführermangels und – dadurch bedingt – diverser Zugausfälle massiv in der Kritik. Das änderte sich erst, als etwa 100 neue Kräfte in der Region ihren Dienst aufnahmen. Von Anfang Juni bis Anfang Juli dieses Jahres fielen im von der Nordwestbahn betriebenen Weser-Ems-Netz dann – wie berichtet – erneut zahlreiche Zugverbindungen aus.

Personelle Engpässe und Baustelle als Ursache

Besonders betroffen waren die Linien RB 18 von Wilhelmshaven über Oldenburg und Cloppenburg nach Osnabrück sowie RB 58 von Bremen über Delmenhorst und Vechta nach Osnabrück. Das Bahnunternehmen bestätigte seinerzeit gegenüber OM Online die massiven Zugausfälle. Als Ursache wurden personelle Engpässe genannt, die aus einem erhöhten Bedarf an Fahrzeugführerinnen und Fahrzeugführern wegen einer Baustelle zwischen Bersenbrück und Ahlhorn sowie vielen Krankheitsfällen resultieren würden. Strukturelle Probleme – wie noch 2018 und 2019 – gebe es jedoch nicht, hieß es.

Gleichwohl hatten die zwischenzeitlichen Personalprobleme offenbar Auswirkungen auf den Schulunterricht im Kreis Vechta. "Zum Ende des vergangenen Schuljahres gab es immer wieder Beschwerden über die Pünktlichkeit der Nordwestbahn. Im Kern ging es dabei hauptsächlich um Umstiegsmöglichkeiten am Bahnhof Vechta", sagt die Sprecherin des Landkreises Vechta, Eva-Maria Dorgelo.

Weiter erklärt Dorgelo: „Nach Einschätzung der Kreisverwaltung hat sich die Pünktlichkeitsquote nicht verbessert und die Anzahl der Beschwerden ist gleich geblieben.“ Der Landkreis ist unter anderem Schulträger der öffentlichen Gymnasien und der berufsbildenden Schulen im Vechtaer Kreisgebiet.

"Die ausgefallenen Fahrten werden natürlich nicht von uns bezahlt, sondern wir behalten Vertragsstrafen ein."Dirk Altwig, Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen

Auch in Hannover ist das Problem nicht unbekannt. Bei der für Planung, Organisation und Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs in Niedersachsen zuständigen Landesnahverkehrsgesellschaft sind von Anfang Juni bis zum Ferienbeginn am 21. Juli insgesamt 8 Zugfahrten, in denen hauptsächlich Schüler von und nach Vechta fahren, ausgefallen und nur teilweise durch Busverkehr ersetzt worden, sagt Behördensprecher Dirk Altwig. Seit Juli seien die Zugausfälle wegen fehlenden Personals im Weser-Ems-Netz zwar deutlich zurückgegangen, "die Zahl dieser Ausfälle ist aber immer noch zu hoch", fügt Altwig an.

Bei der Nordwestbahn hingegen klingt das etwas freundlicher. Die Zugausfälle auf der Linie RB 58 wegen der Baustelle und des hohen Krankenstandes habe es nur im Juni gegeben. Aber: "Die Schülerbeförderung war davon größtenteils in den Nachmittagsstunden betroffen, wenngleich auch einzelne morgendliche Verbindungen ausgefallen sind", sagt Unternehmenssprecher Steffen Högemann.

Die Nordwestbahn habe jedoch umgehend auf die Situation reagiert und den Verkehr stabilisiert. Högemann: "Somit gab es im Juli keine Probleme mehr, die über die unausweichlichen Unwägbarkeiten des Eisenbahngeschäfts hinausgehen." Insgesamt laufe der Verkehr auf der Linie RB 58 – mit Ausnahme des Juni – im Jahr 2021 "sehr stabil". Das gelte etwa auch für den August.

Landkreis hat zum Schulstart ein Auge drauf

Konsequenzen haben die Probleme aus der Zeit kurz vor den Sommerferien aber doch für das Osnabrücker Unternehmen: "Die ausgefallenen Fahrten werden natürlich nicht von uns bezahlt, sondern wir behalten Vertragsstrafen ein. Das ist eine für die NWB spürbare Summe", erklärt LNVG-Sprecher Altwig.

Beim Landkreis Vechta ist die Einflussnahme hingegen begrenzt. Direkt könne nicht auf die Gestaltung von Fahrplänen und Fahrleistungen eingewirkt werden, heißt es. Es bleibe der Dialog mit der Nordwestbahn und der Landesnahverkehrsgesellschaft. Bei der Behörde in Hannover "wurde bereits schriftlich auf die mangelhafte Pünktlichkeit der NWB hingewiesen", erklärt Landkreis-Sprecherin Dorgelo. Zudem kündigt sie an, dass die Kreisverwaltung zum Start des neuen Schuljahres die Zuverlässigkeit der Nordwestbahn im Auge haben werde. Dorgelo: "Bei entsprechenden Beobachtungen wird die LNVG erneut informiert."

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