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Schüler schaffen's mit falschen Zähnen und echter Idee in die Top-Ten

Den 10. Platz des Gründerpreises 2021 haben 3 Gymnasiasten der Liebfrauenschule mit ihrer Idee für Zahnärzte erreicht: Digitalisierte Gebissabdrücke ersparen große Lager. Eine Cloud hilft dabei.

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Mit Zähnen in die Wirtschaft: Die jungen Unternehmensentwickler Aljoscha Mick (von links), Nicolas Kolbeck und Lukas Müller. Nicht im Bild ist Peter Wiese, der Finanzexperte des Teams.&nbsp; Foto: Kolbeck<br>

Mit Zähnen in die Wirtschaft: Die jungen Unternehmensentwickler Aljoscha Mick (von links), Nicolas Kolbeck und Lukas Müller. Nicht im Bild ist Peter Wiese, der Finanzexperte des Teams.  Foto: Kolbeck

Mund auf, sperriges Gestell hinein und blaue Füllmasse schäumt kitzelnd am Gaumen: Diese Prozedur könnte Patienten erspart bleiben, wenn Zahnärzte eine Idee von 3 Cloppenburger Jugendlichen umsetzen. Mit ihrer Idee, digitalisierte Zahnabdrücke in einer Cloud zu sammeln, hat das Quartett jetzt den 10. Platz des Deutschen Gründerpreises 2021 erreicht.

Ihr einziger Lohn bisher: Das Team ist nach Berlin ins "Porsche Consulting Innovation Lab" eingeladen worden – eine ideelle Anerkennung ihrer Innovation namens "White Bridge" (zu Deutsch: Weiße Brücke). Die virtuelle Preisverleihung unter 700 teilnehmenden Schülerteams und jungen Forschern fand jetzt in Hamburg statt.

Langeweile im Lockdown? Schüler entwerfen Betrieb

Auf die Idee sind Lukas Müller, Peter Wiese, Aljoscha Mick und Nicolas Kolbeck in der mitunter lähmenden Zeit des Homeschoolings gekommen. Bis zu 2 Stunden täglich diskutierten und arbeiteten die Schüler der Jahrgangsstufe 12 per Skype-Konferenz an der Umsetzung. Ihre Überlegung: Über 50.000 Zahnärzte und rund 20.000 Dentallabors müssen Abdrücke für den Zahnersatz bis zu 10 Jahre aufbewahren, was bis zu 50 Quadratmeter Lagerfläche jährlich pro Praxis verschlingt.

Die Lösung: Das Quartett schlug vor, die Abdrücke dreidimensional abzutasten und zu digitalisieren. „White Bridge“ sichert den Datensatz in einem mehrstufigen Service-Programm, das in Produkt-Paketen von „Bronze“ bis „Platin“ angeboten wird, auf einer eigenen Cloud.

Der Clou: Falls Ersatz nötig sein sollte, weil der Patient zu fest zugebissen hat, kann mittels 3D-Drucker aus Bio-Kunststoffen in wenigen Stunden ein neuer Abdruck exakt ausgeformt werden. Das Personal wäre zudem nicht mehr mit zeit- und kostenintensiven Dokumentierungen beschäftigt.

Gymnasiasten präsentieren sich wie die Manager

1 Million "virtuellen" Umsatz als Minimum errechnete der inzwischen aus dem Team ausgestiegene Zahlenexperte Peter Wiese  zumindest theoretisch schon im 1. Jahr. Denn tatsächlich umsetzen werden die 4 ihr Geschäftsmodell nicht. Im Wettbewerb geht's vielmehr darum, ein schlüssiges Konzept möglichst perfekt auszuarbeiten – vom Finanzplan bis zum Marketing.

Vertriebsexperte Lukas Müller setzt auf Expansion, denn mit dem digitalen Produkt „können wir auch europäische Zahnmediziner ansprechen“. Marketing-Direktor Aljoscha Mick hält das Konzept für persönlich überzeugend, weil „wir gleich mehrere Megatrends wie Digitalisierung, Gesundheit, Nachhaltigkeit und New Work bedienen“.

Zurück zum Zahn: Ein 3-D-Drucker fertigt das Modell aus der Cloud bei Bedarf neu an, so die Idee der Gymnasiasten von White Bridge. Foto: White BridgeZurück zum Zahn: Ein 3-D-Drucker fertigt das Modell aus der Cloud bei Bedarf neu an, so die Idee der Gymnasiasten von "White Bridge". Foto: White Bridge

Die Gemeinschaftsleistung als „Spirit“ des Unternehmens betont der Geschäftsführer Nicolas Kolbeck, der inzwischen auch die Finanzen verantwortet: „Wir sind nicht nur Freunde, sondern auch ein schlagkräftiges Team. Wir bilden alle Kompetenzen eines Start-ups persönlich ab.“ Allerdings holte sich das verbliebene Trio auch externen Rat. Der Wirtschaftsprofessor Christoph Kolbeck half beim Finanzplan mit, der Unternehmensberater Timo Kaapke trimmte das Team. Professor Marco Beeken aus Cloppenburg coachte das Quartett.

Fakten:

  • Der Deutsche Gründerpreis für Schüler ist das bundesweit größte Existenzgründer-Planspiel für Jugendliche.
  • Die Teams ab Klasse 9 verwandeln ihre Ideen in fiktive Unternehmenskonzepte inklusive Businessplan und Marketingstrategie.  
  • Nicht das kreativste Produkt, sondern der überzeugendste Markenauftritt erhält die Ehrung.
  • Unterstützt wird der Wettbewerb durch ein Kuratorium, zu dem Bertelsmann, Gruner + Jahr, die Süddeutsche Zeitung und die Versicherungen der Sparkassen in Deutschland gehören.

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