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Schüler sammeln im Frühjahr weitere Spenden für Kriegsgräberfürsorge

Die Aktion des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge geht im Landkreis Vechta aufgrund der Pandemie in die Verlängerung. Immer noch werden Vermisstenschicksale aufgeklärt.

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Die Sammlung der Ludgerus-Schule hat sich gelohnt: Der Vorsitzende des Ortsverbandes Vechta des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Helmut Backhaus, nimmt von Schulsekretärin Brigitte Schmedes einen stattlichen Scheck entgegen und revanchiert sich mit einem Blumenstrauß. Foto: Schule

Die Sammlung der Ludgerus-Schule hat sich gelohnt: Der Vorsitzende des Ortsverbandes Vechta des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Helmut Backhaus, nimmt von Schulsekretärin Brigitte Schmedes einen stattlichen Scheck entgegen und revanchiert sich mit einem Blumenstrauß. Foto: Schule

Helmut Backhaus hat einen engen Bezug zum Bildungswesen. Auch nach seiner Tätigkeit am Gymnasium Antonianum sucht der pensionierte Studiendirektor immer wieder den Kontakt zu den Schulen in der Stadt Vechta. Als Vorsitzender des Ortsverbandes Vechta des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge wirbt er bei Lehrern und Schülern um Unterstützung bei Haus- und Straßensammlungen. In diesem Winter gestaltet sich die Arbeit jedoch schwierig. Wegen der Corona-Pandemie geht der Spendenaufruf im Frühjahr in die Verlängerung.

Die Ludgerus-Schule in Vechta beteiligt sich schon seit einigen Jahren an der Aktion. In der Regel sind die Acht bis Zehntklässler gefragt. Sie bilden kleine Gruppen, um außerhalb der Unterrichtszeit in Vechta und Langförden von Haus zu Haus zu gehen. Das Ergebnis der jüngsten Sammlung ist beachtlich: Der Spendenbetrag, den Schulsekretärin Brigitte Schmedes an Helmut Backhaus überreicht, beläuft sich auf insgesamt 1.300 Euro.

Bisher sind mehr als 18.000 Euro an Spenden aus acht Ortsverbänden eingegangen

Die Bedeutung der Kriegsgräberfürsorge hat Schulleiter Clemens Feldhaus den jungen Menschen bereits vor dem Auftakt der Haus- und Straßensammlung anhand eines ganz persönlichen Beispiels aufgezeigt. Sein Schwiegervater und dessen Zwillingsbruder waren im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Der Vater seiner Frau kehrte nach der Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurück, der andere blieb jedoch verschollen.

Nachdenkliche Worte: Beim Volkstrauertag im November 2021 haben die heimischen Vertreter des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Helmut Backhaus und  Josef Kläne (von links), auf die Schicksale der Soldaten hingewiesen. Foto: SpeckmannNachdenkliche Worte: Beim Volkstrauertag im November 2021 haben die heimischen Vertreter des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Helmut Backhaus und  Josef Kläne (von links), auf die Schicksale der Soldaten hingewiesen. Foto: Speckmann

Mit Unterstützung des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge und des Deutschen Roten Kreuzes sei es vor einigen Jahren gelungen, den Verblieb des vermissten Zwillingsbruders aufzuklären, so Feldhaus. Die intensiven Recherchen hätten ergeben, dass der Mann auf einem Soldatenfriedhof in Krasnojarsk in Ostsibirien bestattet worden sei und somit seine letzte Ruhe gefunden habe.

Helmut Backhaus dankt dem Schulleiter für die verständnisvolle Kooperation und vor allem den Schülern für die aktive Hilfe. „Der Erlös der Sammlung findet seine Verwendung hauptsächlich in der Kriegsgräberpflege im In- und Ausland sowie in der Durchführung von Work-Camps mit Jugendlichen aus ganz Europa“, erklärt der Vorsitzende des Ortsverbands Vechta.

"Wir sind froh, dass die Sammlung im Jahr 2021 unter der Einhaltung eines Hygienekonzeptes und der 3G-Regelung beginnen konnte und sie nicht komplett ausfallen musste, so wie es im Vorjahr der Fall war."Eva-Maria Dorgelo, Geschäftsführerin des Kreisverbands Vechta im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Auch in anderen Orten sind vor Jahresfrist schon fleißig Spenden gesammelt worden. Laut Mitteilung des Kreisverbands Vechta ist die Aktion bisher recht erfolgreich gelaufen. „Wir sind froh, dass die Sammlung im Jahr 2021 unter der Einhaltung eines Hygienekonzeptes und der 3G-Regelung beginnen konnte und sie nicht komplett ausfallen musste, so wie es im Vorjahr der Fall war“, berichtet Geschäftsführerin Eva-Maria Dorgelo.

Im Vergleich zu den vorherigen Sammlungen seien jedoch etwas weniger Helfer unterwegs gewesen. Dadurch hätten mitunter auch nicht alle Bezirke abgedeckt werden können. Dennoch sei der Volksbund froh, dass sich nach wie vor viele Schulen und somit junge Menschen an der jährlichen Aktion beteiligten. „Ohne sie wäre eine Sammlung nicht möglich gewesen“, unterstreicht Dorgelo.

Nach Angaben der Geschäftsführung sind bisher mehr als 18.000 Euro an Spenden aus acht Ortsverbänden im Landkreis Vechta eingegangen. Das sind rund 55 Prozent des letzten Sammlungsergebnisses im Jahr 2019. Im kommenden Frühjahr werden  voraussichtlich noch einige Euro hinzukommen, denn einige Schulen haben sich aufgrund der Corona-Lage dazu entschlossen, ihre Sammlung auf März zu verschieben.

Der Geschäftsführer des Bezirksverbands Weser-Ems, Marco Wingert, geht davon aus, dass das Resultat aus 2019 nicht erreicht wird, „aber mit bislang über 60 Prozent der Summe können wir im Bezirk schon zufrieden sein.“ Auffällig sei, dass in den Gebieten, wo Sammler in der gewohnten Anzahl unterwegs waren, teilweise höhere Einnahmen erzielt worden seien. „Das können wir an den Bundeswehr-Standorten ganz gut ablesen, wo teilweise neue Rekorde aufgestellt wurden.“

Gewissheit über das Schicksal von Angehörigen

Die Spenden sind für den Volksbund von elementarer Bedeutung, um die Ruhestätten der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft im Ausland zu pflegen, Angehörigen bei der Gräbersuche zu helfen und auch Bildungsarbeit bei vornehmlich jüngeren Menschen zu leisten. Allerdings hat die humanitäre Organisation ihre Arbeit in den osteuropäischen Ländern erst mit Beginn der 1990er Jahre aufnehmen können.

Etwa 5,5 Millionen Kriegstote seien mittlerweile weltweit erfasst worden, davon allein 25.000 im Jahr 2020, berichtet Kreisvorsitzender Josef Kläne. Auch heute noch würden jährlich etliche Umbettungen vorgenommen und Vermisstenschicksale geklärt. „Dadurch bekommen viele Menschen bei einer entsprechenden Grabnachforschungsanfrage an den Volksbund Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen“, so Kläne.

  • Info: Spenden für die Kriegsgräberfürsorge sind bei Haus- und Straßensammlungen sowie per Internet unter www.volksbund.de möglich.

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