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Schüler engagieren sich in Gedenkfeier zu den Novemberpogromen 1938

In Deutschland gab es organisierte Übergriffe, die von der NS-Propaganda als "spontaner Volkszorn" dargestellt wurden. Die Zerstörungswut richtete sich insbesondere gegen Synagogen - auch in Vechta.

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Vor Ort: Linda Horstmann (von links), Luna Knott und Leon Becker engagieren sich für die Pogromgedenkveranstaltung am Dienstagabend in Vechta. Foto: Heinzel

Vor Ort: Linda Horstmann (von links), Luna Knott und Leon Becker engagieren sich für die Pogromgedenkveranstaltung am Dienstagabend in Vechta. Foto: Heinzel

Zerstörte Schaufenster und Geschäfte, Synagogen, die in Flammen aufgingen, Plünderungen und Morde. Das ist der 9. November 1938. Es waren die schlimmsten Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung seit dem Mittelalter, schreibt die Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten. In Vechta zerstörten SA-Mitglieder die Inneneinrichtung der 1825/26 errichteten Synagoge. Von einer Brandlegung wurde abgesehen wegen der Brandgefahr für benachbarte Häuser. Einen Tag später am 10. November wurden Türen und Fenster auf den Neumarkt gebracht und verbrannt. 1939 verließen die letzten Juden Vechta.

An diese Ereignisse erinnert jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung in Vechta. Die Geschwister-Scholl-Oberschule (GSO) ist in diesem Jahr Ausrichter der Pogromgedenkfeier am Dienstag (9. November) in Vechta. Acht Bildungseinrichtungen wechseln sich inzwischen jährlich mit der Gestaltung der Feier ab. 2021 wird es eine Mahnfeier in der Klosterkirche mit einem anschließenden Schweigemarsch zum Gedenkstein in der Juttastraße geben. Dieser erinnert an die Synagoge, die an dieser Stelle einmal stand. Dort angekommen soll es eine kurze Rede von Vechtas Bürgermeister Kristian Kater geben.

14 Neuntklässler der GSO haben den Gottesdienst vorbereitet. "Es ist sehr gut, dass so etwas veranstaltet wird", sagt Leon Becker. Der 16-Jährige hat sich wie alle anderen auch freiwillig für das Projekt gemeldet. Diese Ansicht teilen auch Linda Horstmann und Luna Knott. Alle drei haben für sich Lehren aus der Vorbereitungszeit gezogen. "Mich erschüttert, dass sie behandelt wurden, als wären sie nichts", sagt Linda Horstmann. Die 15-Jährige hat sich selbst eingehender mit der Materie auseinandergesetzt und sagt, es sei wichtig, jeden Menschen so zu akzeptieren, wie er ist. Luna Knott sieht das genauso. Leon Becker ergänzt, dass es wichtig sei zu verhindern, dass die falschen Menschen an die Macht kommen, indem man genauer hinsehe.

Die drei werden mit ihren Mitschülern während des Gedenkgottesdienstes ein kleines Stück aufführen. Die inhaltliche Vorbereitung übernahmen pandemiebedingt Ilona Wagner, Christiane Menninger und Elke Willenborg-Fraas. Der Fokus lag thematisch auf Kindern und Jugendlichen im Nationalsozialismus.

An der GSO haben sie eine Erinnerungswand "Geschwister Scholl" erstellt, das Thema "Juden in Vechta" recherchiert und sich über die Geschichte hinter den Stolpersteinen in der Vechtaer Innenstadt informiert und im Jahrgang 10 ein Planspiel umgesetzt, bei dem die Schüler "Ausgrenzung" sozusagen am eigenen Leib erleben konnten.


Ablauf der Gedenkfeierlichkeiten:

  • 9. November, 18 Uhr Gedenkgottesdienst in der Klosterkirche
  • Schweigegang zum Gedenkstein in der Juttastraße
  • Gedenkfeier am Synagogengedenkstein mit Reden von Bürgermeister Kristian Kater, Christa Plagemann (Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit) und Anke Magerfleisch (Leiterin Geschwister Scholl Oberschule)

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