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Schulen haben aus erstem Lockdown gelernt

Die Schulen haben aus dem ersten Lockdown viel gelernt. Am Friesoyther Albertus-Magnus-Gymnasium etwa schalten einige Lehrer ihre in zwei Gruppen geteilten Klassen per Video zusammen.

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Chemie per Video: 15 Lehrkräfte am Albertus-Magnus-Gymnasium setzen ein Konferenzsystem ein, um die Homeschooling-Gruppe via Tablet in den Präsenzunterricht einzubinden.   Foto: Stix

Chemie per Video: 15 Lehrkräfte am Albertus-Magnus-Gymnasium setzen ein Konferenzsystem ein, um die Homeschooling-Gruppe via Tablet in den Präsenzunterricht einzubinden.   Foto: Stix

Beim zweiten Mal fällt vieles leichter: War es im ersten Lockdown noch ein zögerliches Herantasten an die Möglichkeiten und Herausforderungen des Homeschoolings, ist jetzt eine gewisse Routine eingekehrt. Schüler, Lehrer und Eltern haben den Umgang mit geteilten Klassen gelernt und sind geübter darin, beispielsweise digitale Medien und Videochats einzusetzen.

Am Friesoyther Albertus-Magnus-Gymnasium etwa sind 15 Lehrer dazu übergegangen, ihre jeweils zu Hause sitzenden Schülerinnen und Schüler über ein Konferenzprogramm per Video und Chat direkt am Unterricht teilnehmen zu lassen. „Da haben wir seit dem ersten Lockdown viel gelernt“, sagt Mathematiklehrerin Farina Bunjes. „Das ist eine gute Methode, die Ressourcen von Lehrern und Schülern zu schonen.“

"Vorher mussten wir uns im Homeschooling alles selber erarbeiten, jetzt versteht man die Themen besser."Anika Pahlke, Schülerin

Auch bei den Schülern kommt der Feldversuch zumeist gut an. „Beim ersten Lockdown war man auf sich selbst gestellt, jetzt haben wir eine Möglichkeit, am Unterricht teilzunehmen“, sagt etwa Naomi Ziese aus der 10e, die sich im Matheunterricht bei Farina Bunjes mit Wachstumsprozessen auseinandersetzt. "Das funktioniert sehr gut."

Lobende Worte findet auch Anika Pahlke. "Vorher mussten wir uns im Homeschooling alles selber erarbeiten, jetzt versteht man die Themen besser." Vorausgesetzt, die Technik spielt mit. "Ich bin ein paar mal rausgeflogen", erzählt etwa Julius Otto, und Lilly Untied bemängelt, dass das Bild häufig nur sehr verpixelt bei ihr ankomme.

Schlechte Internetverbindung erschwert Teilnahme

Solche Probleme liegen meist an der Internetverbindung des Schülerhaushaltes, erläutert Mathematik- und Informatiklehrer Eike Baran. "Die Schule ist, vom Altbau abgesehen, inzwischen top ausgestattet, das WLAN ist stabil, das Internet schnell", erläutert er. Aber das mache leider nur 50 Prozent der Videokommunikation aus. "Man merkt es, wenn ein Schüler im Außenbereich der Stadt wohnt", sagt er und meint damit die regional unterschiedliche Versorgung mit schnellen Leitungen.

Baran nimmt deshalb seine Schulstunden zusätzlich auf und stellt das Video später zum Download auf einer Plattform zur Verfügung. Dadurch können alle Schüler den Unterricht nochmals verfolgen und sich bestimmte Passagen zum besseren Verständnis mehrfach anschauen.

Doppeltes Bild: Das Bild der Präsenzklasse und das, was die Lehrer auf das Whiteboard schreiben, wird nach Hause übertragen. Foto: StixDoppeltes Bild: Das Bild der Präsenzklasse und das, was die Lehrer auf das Whiteboard schreiben, wird nach Hause übertragen. Foto: Stix

Ein wichtiges Werkzeug für die Beteiligung ist für die zu Hause arbeitenden Schüler die Chatfunktion des Konferenzprogramms. "Die muss man als Lehrer ständig im Auge haben", sagt Chemielehrerin Carolin Klapper. Das sei eine andere Art des Unterrichts, zumal sie und die Schüler im Klassenzimmer bei jedem Wortbeitrag darauf achten müssten, für die Mikrofone laut und deutlich genug zu sprechen.

"Die Schüler vor Ort", so Klappers Eindruck, "haben einen gewissen Vorteil." Diejenigen, die von zu Hause aus teilnehmen, könnten beispielsweise nicht alle Wortmeldungen gut genug verstehen, weil die verfügbaren Mikrofone schlicht nicht stark genug seien. "Ist das laut genug?" und "habt ihr das verstanden?", sind denn auch zwei häufig genutzte Sätze im Unterricht. 

Die Schüler selbst haben durchaus auch Kritik an dem neuen System. "Im Video ist man etwas ausgeschlossen", heißt es beispielsweise. "Man ist zwar irgendwie präsent, aber nicht wirklich dabei." Und nicht jeder, auch das wird angemerkt, habe zu Hause - von der schnellen Leitung abgesehen - auch die geeigneten Endgeräte.

Das Konzept funktioniert auch andersrum

An einen flächendeckenden Einsatz des Videounterrichts sei auch aus diesem Grund noch nicht zu denken, sagt AMG-Leiter Peter Stelter. Der Videoeinsatz sei letztlich ein Projekt, das aus der Arbeitsgruppe Digitalisierung entstanden sei. Die AG habe ein "Projekt Video" entwickelt und einige Kollegen dafür begeistert.

Dazu, so Stelter, gehörten auch Lehrerinnen und Lehrer, die ihrerseits aus Sicherheitsgründen nicht in die Schule kommen können, etwa weil sie in Quarantäne oder Isolation sind oder zu einer Risikogruppe gehören. "Da haben wir das Konzept umgedreht", sagt Stelter. Die Lehrer sitzen oder stehen zu Hause vor der Videokamera, Bild und Ton werden live in das Klassenzimmer übertragen.

"Da benötigen wir natürlich eine zweite Lehrkraft, die im Klassenzimmer präsent ist und für Ordnung sorgt", sagt Stelter. "Allein per Video kann man eine Klasse dann doch nicht ruhig und bei der Stange halten."

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