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Schulanbau wird um eine Million Euro  teurer

Für die Erweiterung der Anne-Frank-Schule in Molbergen muss die Gemeinde eine Million Euro mehr ausgeben als geplant. Die Verwaltung hat zwei wesentliche Kostentreiber ausgemacht.

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Soll zum Herbst bezugsfertig sein: In dem Erweiterungsbau entstehen unter anderem neue Klassen-, Chemie-, Physik und Besprechungsräume sowie Büros für die Schulverwaltung. Foto: Schrimper

Soll zum Herbst bezugsfertig sein: In dem Erweiterungsbau entstehen unter anderem neue Klassen-, Chemie-, Physik und Besprechungsräume sowie Büros für die Schulverwaltung. Foto: Schrimper

Böse Überraschung für Verwaltung und Politik in Molbergen: Die Erweiterung der Anne-Frank-Schule wird deutlich teurer als erwartet. War man beim Beschluss der Maßnahme im Jahr 2018 von Kosten in Höhe von 4,2 Millionen Euro ausgegangen, wird das Projekt nach Angaben der Gemeindeverwaltung mit nunmehr 5,2 Millionen Euro zu Buche schlagen. Wie berichtet, wird ein älterer Gebäudetrakt saniert und aufgestockt, in dem unter anderem neue Fach- und Klassenräume entstehen sollen. Durch eine Unterstützung aus der Kreisschulbaukasse hatte sich der Eigenanteil der Gemeinde an den Baukosten auf 2,5 Millionen Euro reduziert. Dieser erhöht sich nun wieder auf 3,5 Millionen Euro.

Bürgermeister Witali Bastian und sein Allgemeiner Vertreter Andreas Unnerstall erklärten diese Kostensteigerung um eine Million Euro vor allem mit der allgemeinen Preisentwicklung im Baugewerbe. „Es hat eine massive Preissteigerung gegeben. Durch die Coronageschichte wurde das noch einmal verschärft“, so Unnerstall. Diese Steigerung ziehe sich durch alle an der Maßnahme beteiligten Gewerke, sagte Witali Bastian.

Planungsfehler bei dem Projekt liegen Andreas Unnerstall zufolge nicht vor. „Es wird das gebaut, was geplant ist.“ Bei den ursprünglich angesetzten Kosten von 4,2 Millionen Euro habe es sich um eine grobe Schätzung nach dem Baukostenindex gehandelt. Für diesen Index werden bundesweite Durchschnittswerte zusammengetragen. Eine exakte Berechnung oder Ausführungsplanung habe es zum Zeitpunkt des Beschlusses nicht gegeben.

Teils mehrere Estrichböden übereinander

Als wesentliche Kostentreiber macht die Verwaltung die Entsorgung von alten Baustoffen und die Elektroinstallationsarbeiten aus. Da im Bestand gebaut wird, habe man nicht gewusst, was tatsächlich verbaut wurde, so Unnerstall. An einer Stelle habe es fünf verschiedene Estrichböden übereinander gegeben, berichtete der Bürgermeister.

Auch das Elektrogewerk sei „deutlich teurer geworden als kalkuliert“, sagte Unnerstall. So fielen etwa Stundenlöhne von 50 Euro netto für die Arbeiter an, die sich in den Kosten widerspiegeln. Trotz dieser Entwicklung habe man bewusst „keine Abstriche“ machen wollen. Schließlich wolle man sich mit dem Gebäude für die Zukunft aufstellen. Die Diskrepanz zwischen der Kostenschätzung und dem Ergebnis aus den Ausschreibungen sei aber etwas, „das uns allen nicht gefällt“, so Unnerstall. Witali Bastian zufolge muss nun für die Mehrkosten eine zusätzliche Million in den Haushalt 2021 eingeplant werden.

Dr. Sebastian Vaske, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion, bewertet die Kostensteigerung als „nicht akzeptabel“. So etwas dürfe nicht als Regelfall hingenommen werden. Seine Fraktion teile zudem nicht die Auffassung, dass es sich zum Zeitpunkt der Beschlussfassung um eine „grobe Kostenschätzung“ gehandelt habe. „Sondern es handelt sich um eine politisch legitimierte und festgesetzte Summe für den Umbau der Schule, welche, zumindest im Kern, von Planern und Verwaltung einzuhalten ist.“

"Finanziellen Spielraum nicht verbraten"

Als finanzschwache Gemeinde könne sich Molbergen „schlichtweg keine ausufernden Bauprojekte leisten“, so Vaske. Die Mehraufwendungen „nehmen uns den notwendigen finanziellen Handlungsspielraum für die kommenden Jahre“. Die Politik habe die Erwartung zum Ausdruck gebracht, dass künftig die festgelegten Kostenrahmen einzelner Maßnahmen einzuhalten seien und dass die Ausschreibungen der Gewerke entsprechend der Budgetplanung zu formulieren seien.

Job Westermann von der Fraktion Bürgerbündnis/SPD mahnt, dass die Gemeinde in ihrem finanziellen Rahmen bleiben müsse. Das sei man den zukünftigen Generationen schuldig. „Wir können unseren finanziellen Spielraum jetzt nicht schon verbraten. Das wäre unverantwortlich.“ Er betont, dass man angesichts der Mehrkosten nicht am Bildungshaushalt sparen dürfe. Seine Fraktion werde bei den Haushaltsberatungen indes darauf achten, wo Geld einzusparen sei und wo Kosten reduziert werden könnten, „damit künftige Generationen Handlungsspielraum behalten“. Es komme darauf an, den Haushalt auf eine solide Basis zu stellen.

Er wolle niemanden beschuldigen, falsch kalkuliert zu haben, sagte auf Nachfrage Sergei Meier als Vorsitzender der Zentrumsfraktion. Die Mehrkosten seien der Verteuerung in der Baubranche geschuldet, aber auch noch nicht abschließend geklärt. Auch das Thema Bauen im Bestand spiele mit hinein.

Laut Verwaltung soll der Anbau der Anne-Frank-Schule in den Herbstferien bezogen werden können.

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