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Schniefnasen sind kaum anzutreffen

Grippe- und Erkältungskrankheiten kommen im Coronawinter nur selten vor. Die Hygienemaßnahmen greifen offenbar.

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Lästig, aber beherrschbar: Zum Taschentuch muss in diesen Winterwochen seltener gegriffen werden, als gewöhnlich. Symbolfoto: dpa

Lästig, aber beherrschbar: Zum Taschentuch muss in diesen Winterwochen seltener gegriffen werden, als gewöhnlich. Symbolfoto: dpa

Winterzeit - Grippezeit. Auch diese Kausalität scheint momentan außer Kraft gesetzt. „Wir hatten in unserer Praxis bisher noch keinen einzigen Fall“, bestätigt die Essener Hausärztin Dr. Ute Brandenburg. Zwar behandele sie ab und zu Patienten mit schniefender Nase. Aber die echte Grippe? „Da war nix“, sagt die Medizinerin. Normalerweise erreicht die alljährliche Grippewelle im Januar ihren Höhepunkt. Warum sie diesmal ausbleibt, kann Dr. Brandenburg sich leicht erklären. „Das liegt ohne Frage an den Hygienemaßnahmen. Die Menschen tragen Mundschutz und meiden Kontakte. Wie sollen sie sich da anstecken.“

Windpocken gingen um rund die Hälfte zurück

Eine aktuelle Meldung der DAK-Gesundheit bestätigt die Erfahrungen der Essenerin. Im Corona-Jahr 2020 wurde demnach in Niedersachsen ein deutlicher Rückgang bei vielen Infektionskrankheiten festgestellt. In der Summe waren mehr als ein Drittel weniger Nachweise gemeldet worden. Die Krankenkasse beruft sich auf Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI), wonach die  Norovirus-Infektionen um 62,8 Prozent zurückgingen. Aber auch Kinderkrankheiten kamen weniger oft vor. Windpocken gingen um rund die Hälfte zurück, Erkrankungen durch Rota-Viren sogar um 83 Prozent. Die Gründe dafür sieht die Krankenkasse vor allem bei den Corona-Maßnahmen, die auch einen Einfluss auf die Übertragung von anderen Krankheiten gehabt hätten.

Arbeitslos sind die Hausärzte deshalb jedoch nicht. „Wir haben stattdessen mit Corona zu tun“, berichtet Dr. Brandenburg. Auch ihre Berufskollegin in Vrees muss sich täglich mit der Pandemie auseinandersetzen, die in der emsländischen Nachbargemeinde zurzeit stärker denn je grassiert. „Wir hatten außerdem gerade eine größere Anzahl Magen-Darm-Infekte“  sagt Dr. Petra Wewer. Wer sich jetzt nur eine einfache Erkältung einfängt, meidet den Arztbesuch nach ihrer Einschätzung gleich ganz und greift auf die bewährten Hausmittel zurück.  Auch Grippepatienten kämen nur ganz selten, betont die Hausärztin.

„Als wir den Grippeimpfstoff hatten, haben wir 200 Patienten mehr geimpft als im Vorjahr.“Dr. Petra Wewer, Hausärztin

Im vergangenen Jahr habe das noch ganz anders ausgesehen. Dass die Bevölkerung sich an den Mund- und Nasenschutz gewöhnt hat und Kinder nicht mehr dicht gedrängt im Bus stehen, trage natürlich maßgeblich zur Senkung von Infektionen bei. Um zu verhindern, dass Corona- und Influenza zeitgleich aufeinanderprallen, forcierte Dr. Wewer außerdem die Grippeimpfung. „Als wir den Impfstoff hatten, haben wir 200 Patienten mehr geimpft, als im Vorjahr.“ Das bestätigt auch der Cloppenburger Kreisvorsitzende der kassenärztlichen Vereinigung, Christoph Paschen. Die Zahl der Grippeimpfungen habe wegen Corona um 50 Prozent zugenommen. „Die Menschen rannten uns förmlich die Praxistüren ein.“

Corona ist nicht mit normaler Grippe gleichzusetzen

Experten und Gesundheitspolitiker weisen immer wieder darauf hin, dass Corona nicht mit einer normalen Grippe gleichzusetzen ist. Das Deutsche Gesundheitsportal zitiert aus einer aktuellen Studie, wonach bei Patienten, die aufgrund von Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, die Sterblichkeit höher war als bei an der klassischen Influenza Erkrankten. Dagegen mussten weniger Kinder mit Covid-19 als mit Grippe im Krankenhaus behandelt werden. Weitere Studien seien jedoch notwendig, um die Ergebnisse bei Kindern zu „validieren“, also zu festigen. Fest steht jedoch: Corona-Patienten waren häufiger übergewichtig und litten öfter unter Diabetes, Bluthochdruck oder einer Fettstoffwechselstörung. Patienten mit Influenza wiesen dagegen häufiger eine Herzinsuffizienz, chronische Atemwegserkrankungen, Zirrhose und Blutarmut auf.

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