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Schnelles Internet: Bau des kreiseigenen Netzes nimmt Tempo auf

Insgesamt fast 6.700 Haushalte im Landkreis Vechta haben sich bislang angemeldet. Im Sommer hatten die Tiefbauarbeiten begonnen, ab Mai 2021 sollen die ersten Anschlüsse stehen.

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Es geht voran: Am kreiseigenen Glasfasernetz wird, wie hier in Ihorst, kräftig gearbeitet. Foto: Breitbandinitiative Landkreis Vechta

Es geht voran: Am kreiseigenen Glasfasernetz wird, wie hier in Ihorst, kräftig gearbeitet. Foto: Breitbandinitiative Landkreis Vechta

Nach einem holprigen Start und diversen Problemen mit Förderanträgen und der korrekten Ermittlung wirklich aller weißen Flecken nimmt das kreiseigene Glasfasernetz nun langsam Formen an. Exakt 5.251 Haushalte hätten Verträge für die erste Ausbaustufe abgeschlossen, 1.400 für die zweite, teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage der Redaktion mit.

Nachdem im Sommer die ersten Tiefbauarbeiten in Ihorst bei Holdorf begonnen hatten, konnte mittlerweile der Auftrag für ein zweites Gebiet vergeben werden. Dabei handelt es sich um das sogenannte Baulos 3. Es umfasst Teile der Kommunen Dinklage, Holdorf, Lohne, Steinfeld und Neuenkirchen-Vörden. Den Zuschlag bekam das Oldenburger Unternehmen August Hotze.

Ziel der Breitbandinitiative des Landkreises Vechta ist es, auch jene Gebiete mit schnellem Internet zu versorgen, an denen die großen Telekommunikationsunternehmen von sich aus kein Interesse haben und die somit nur über Bandbreiten von weniger als 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) verfügen. Allein der erste Bauabschnitt kostet nach Landkreisangaben 45 Millionen Euro.

Reibungslos verläuft aber auch die aktuelle Entwicklung nicht. Lange Lieferzeiten für benötigte Baumaterialien, zähe Suchen nach den wirklich förderwürdigen Adressen und aufwendige planerisch-technische Abstimmungen würden viel Zeit kosten, heißt es bei der Kreisverwaltung. Hier sei auch der Bund gefordert.

Ende 2018 und - weil zuvor nicht alle unterversorgten Adressen ermittelt werden konnten - im Sommer dieses Jahres waren  entsprechende Kooperationsverträge zwischen dem Landkreis Vechta und dem Telekommunikationskonzern Vodafone abgeschlossen worden, der das Glasfasernetz betreiben wird. Nachfolgend geben wir einen Überblick über den aktuellen Stand der Dinge.

Wie viele Haushalte haben in der ersten Ausbaustufe bis zum Stichtag 31. August einen kostenlosen Anschluss beantragt?
Laut aktuellem Stand seien insgesamt 5.251 Glasfaserverträge für die erste Ausbaustufe geschlossen worden, heißt es aus dem Kreishaus in Vechta. Die meisten betroffenen Haushalte befinden sich in der Stadt Vechta (825), dicht gefolgt von Visbek (787). Insgesamt verteilt sich das Interesse breitflächig über das gesamte Kreisgebiet (siehe Tabelle).

Vergabe weiterer Aufträge bis Jahresende möglich

Wie ist der Stand bei den Tiefbauarbeiten? Welche Aufträge konnten schon vergeben werden?
Derzeit werde im Bereich des sogenannten Bauloses 1 in der Gemeinde Holdorf gearbeitet, sagt Behördensprecherin Eva-Maria Dorgelo. Und: Überall dort, wo andere Versorger im Bereich Tiefbau tätig und Synergieeffekte möglich sind, würden Kabel der Breitbandinitiative gleich mitverlegt.

Derweil laufen bei der Firma Hotze aus Oldenburg die Vorbereitungen für den Baubeginn in Baulos 3, das den Südwesten des Kreisgebietes umfasst. Aufgrund der langen Lieferzeiten für das benötigte Material sei der Baustart allerdings von November auf Januar verschoben worden.

Die Baulose 4 (Vechta, Bakum, Lohne), 5 (Holdorf, Damme, Neuenkirchen-Vörden) und 6 (Visbek, Goldenstedt, Vechta) sind nach Dorgelos Angaben „in der finalen Auswertung“. Heißt: Die Bauaufträge sollen noch in diesem Jahr vergeben werden. Keine konkreten Angaben gibt es derweil zu den Baulosen 7 (Lohne, Holdorf, Steinfeld), 8 (Bakum, Lohne, Dinklage) und 9 (Vechta, Goldenstedt).

„Nach derzeitigem Stand sollen die ersten Haushalte im Mai 2021 ihren Internetanschluss nutzen können."Eva-Maria Dorgelo, Sprecherin des Landkreises Vechta

Wann können die ersten Haushalte angeschlossen werden und ihren Anschluss auch nutzen?
„Nach derzeitigem Stand sollen die ersten Haushalte im Mai 2021 ihren Internetanschluss nutzen können“, sagt Landkreissprecherin Dorgelo. Später würden schrittweise weitere Adressen freigeschaltet. Das bedeute, dass die Baulose nicht insgesamt aufgeschaltet werden, sondern nach und nach.

Wie läuft die aktuelle Vermarktung der 2. Ausbaustufe? Wie viele Haushalte haben sich bereits angemeldet?
„1.400 Kunden haben bereits Verträge für die 2. Ausbaustufe abgeschlossen“, sagt Dorgelo. Sie appelliert an die Bürgerinnen und Bürger in den betroffenen Gebieten, sich jetzt noch für „einen zukunftsfähigen Glasfaser-Anschluss“ zu entscheiden. Denn in den meisten Fällen werde es - außer im Rahmen eben dieses geförderten Projektes  - „keine Verbesserung der Internetversorgung mehr geben“.

Ausbauschwelle: Dringender Appell an den Bund

Wie wird der aktuelle Stand beim Bau des Breitbandnetzes und die Resonanz in der Bevölkerung bewertet?
„Mit der Resonanz auf die erste Ausbaustufe ist die Kreisverwaltung sehr zufrieden“, so Dorgelo. Frei von Komplikationen verlaufe das Projekt aber weiterhin nicht. So gebe es aktuell recht lange Lieferzeiten für das benötigte Baumaterial. Hinzu komme, dass die Tiefbauer die Bestellungen für das Material erst nach dem europäischen Vergabeverfahren und der Auftragsvergabe abgeben konnten, was mitunter sehr lange dauern könne.

Die größte Herausforderung bestehe jedoch darin, die förderfähigen Adressen aus der Vielzahl von Ausbauwünschen sowie aus der vorhandenen Datenlage herauszufiltern. Noch immer gelte die Schwelle, wonach der Landkreis nur dort ausbauen darf, wo kein privates Unternehmen eine Versorgung von 30 Mbit/s bereitstelle. Durch dieses Hindernis könnten aber „unseres Erachtens keine zukunftsfähigen, zusammenhängenden und sinnvollen Ausbaugebiete gebildet werden“.

In diesen Kabeln steckt das schnelle Internet: Der Bau des kreiseigenen Glasfasernetzes, hier an Handorfer Straße in Steinfeld, macht Fortschritte. Foto: Breitbandinitiative Landkreis VechtaIn diesen Kabeln steckt das schnelle Internet: Der Bau des kreiseigenen Glasfasernetzes, hier an Handorfer Straße in Steinfeld, macht Fortschritte. Foto: Breitbandinitiative Landkreis Vechta

Denn:  Die Internetgeschwindigkeit schwanke schon innerhalb einer Straße mitunter erheblich. Zudem bestehe fast immer ein großer Unterschied zwischen den gemeldeten und den tatsächlich zur Verfügung stehenden Bandbreiten im Haus. Dorgelo: „Hier sollte der Bund als Fördermittelgeber dringend tätig werden.“

Fazit: All dies dauere seine Zeit und führe zu leichten zeitlichen Verzögerungen bei der Ausbaustufe 1. „Dennoch gehen wir derzeit davon aus, dass der Ausbau 2022 abgeschlossen sein wird“, erklärt Dorgelo.

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