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Schlüsselmomente und Herzensdinge

An Vielfalt nicht zu überbieten ist das Fundsachenangebot an den Schulen. Wir haben einen Blick in die Vitrinen der OBS Emstek geworfen und dabei eine nicht ganz ernst zu nehmende Kunstform erkannt.

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Ein Arrangement der verlorenen Dinge: Vieles liegt seit Wochen und Monaten dort und wird nicht von den Besitzern gesucht. Foto: Vorwerk

Ein Arrangement der verlorenen Dinge: Vieles liegt seit Wochen und Monaten dort und wird nicht von den Besitzern gesucht. Foto: Vorwerk

Kreatives findet sich in der Oberschule Emstek in allen Ecken. In Vitrinen werden die schönsten und inspirierendsten Stücke der gesamten Schülerschaft präsentiert. Gemaltes, Gefaltetes oder Geklebtes ist mit viel Geduld von jugendlicher Hand geschaffen worden und soll nicht im Verborgenen bleiben. Nicht ganz in 1A-Lage gibt es noch 2 weitere verglaste Regale, wenn auch publikumswirksam am Weg zur Mensa gelegen. Diese Installation ist etwas ganz Besonderes, denn sie lebt – sie verändert sich nahezu täglich. Dort, wo sie jeden Mittag deutlich zu sehen sind und doch ebenso häufig übersehen werden, liegen sie: die Fundsachen. 

Das Herz in der Größe eines Hühnereis hat aufgehört zu schlagen. Vormals vermochte es der Person, der es mit tiefen Gefühlen verbunden überreicht wurde, entgegengeleuchtet haben. Doch die darin verborgene Technik versagt ihren Dienst, ist energielos. Der Betrachter kann nur hoffen, dass dies nicht für die Zuneigung gelten mag, die damit zum Ausdruck gebracht wurde. Oder ist der silberne Körper mangels der erhofften Replik absichtlich zurückgelassen worden?   

Trost mag der nicht Angehörte im Glauben gefunden haben, denn nur wenige Zentimeter weiter liegt der Rosenkranz. 59 Holzperlen, die in Stunden voller Hoffnung und Bangen durch die jugendlichen Finger geglitten sind. Wie viel Zeit dabei vergangen ist? War es nicht gerade erst 11 Uhr? Oder doch schon 20 Minuten später? Vielleicht ist es schon lange nicht mehr 5 vor 12, sondern bereits 1? Der Zeitmesser gibt es gar viele, die einst verlässlich gewesen sein mögen, zur Eile mahnten oder gönnerhaft Raum für ein wenig Müßiggang gaben. Wem sie die Stunde einst schlugen? Man weiß es nicht.

Armband wirft Rätsel auf

Rätsel gibt dem Kulturfreund das mit Buchstaben individuell gefügte Armband auf. "L C N J P J X J". Ein weiteres Liebesversprechen, wie man es vom Lehnenholz unzähliger Parkbänke und in die Rinden alter Buchen geritzt kennt? Multiplizieren ergibt meist mehr als Addieren. "Lars-Christian-Nikolaus-Joachim-Peter-Julius mal Jennifer". Vernebelt mag dem Jüngling in dessen Werben sein der Blick, oder er hat nur seine Brille verloren. Denn die liegt nebenan in mehrfacher Ausführung – teils zum Nulltarif, wie das Etui ein nicht ausgesprochenes Versprechen gibt. 

Teils aber auch teuer. Das Gold des Leprechauns käme einem da gerade recht. Dieser rotbärtige und grünmützige Kobold soll sie haben, die magischen Münzen aus gelbem Metall, die stets, wenn sie ausgegeben, immer wieder zum Besitzer zurückfinden. Am Schlüsselbund baumelt der kleine Wicht gleich neben dem Shamrock, jenem 3-blättrigen Kleeblatt, mit dem der Heilige Patrick den Iren Ende des 5. Jahrhunderts die Trinität nähergebracht haben soll. 

Schutzengel unter den Schätzen 

Wo der Schutzheilige der Iren symbolisch zugegen ist, da ist der persönliche Schutzengel nicht weit. Verewigt auf einem herzförmigen Stein soll er auf seinen Besitzer achten und tut dies seit Wochen und Monaten aus der Ferne. Ein Herz aus Stein? Das kann der Richtige erweichen und öffnen. Nur der passende Schlüssel ist es, der fehlt. An Auswahl mangelt es nicht. Scharf gezackt und unregelmäßig gestanzt liegen sie auf dem Glasboden ausgebreitet. Fahrräder sicherten sie einst und auch Hauseingänge. Vermutlich längst ersetzt und so bleibt getrennt, was doch eigentlich zusammengehört. 

Die Schlüssel und Federmappen, die Ringe und Ketten, die Trinkflaschen und Armbänder – in ihrem Schicksal vereint sei ihnen gewiss: Alleine bleiben sie auch in Zukunft nicht und vor den Augen aller verborgen, denn wenn die Fundsachenvitrine eines nicht hat, dann sind es Nachwuchssorgen. 

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