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Scheidung per Übertragung aus dem Wohnzimmer

Kolumne: Scheidungen, Unterhaltsprozesse, Umgangsstreitigkeiten, Sorgerechtskämpfe nehmen zu. Daher flieht das Amtsgericht Cloppenburg in völlig neue Gefilde. Das Glück endet jetzt (auch) virtuell.

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Noch einmal schlafen. Dann ist es endlich soweit. Der schönste Tag des Lebens bricht an und dauert 24 Stunden. Andere dagegen haben das Glück schon hinter sich, als sie sich am 2.2.2022 das Jawort gaben. Am 22.2.2022 also lockt nochmals die große Verheißung. Die Schwüre auf ewiges Glück und ewige Treue. Der Tod als Scheidungstermin und Beistand und Hilfe in allen Lebenslagen.

Natürlich sind diese Angaben auch an Ausnahmetagen mit Ausnahmedaten ohne Gewähr. In 3 Jahren oder 5 und manchmal auch nach 20 Jahren erinnert man sich des besonderen Datums nur noch wegen des Beginns der Trennungszeit und des Ablaufs des Trennungsjahres. Soviel Desillusion darf auch an solchen Ereignistagen sein. Und mancher beantwortet dann die Frage. Segen oder Fluch mit: Ja!

Doch was dann? Für eine Scheidung braucht man ein Gericht. So sieht es das Gesetz vor. Und eine Richterin oder einen Richter, welche/welcher die Voraussetzungen für eine Scheidung prüft. Doch ein Gericht braucht Räume. Und da platzt das Cloppenburger Amtsgericht aus allen Nähten. Die Pandemie als Brandbeschleuniger. Doch wohin mit den Verfahren?

Praktisch: Platz nebenan im Katasteramt wird frei

Beschaulich ging's zu, als einst das Amtsgericht Cloppenburg mitten im Stadtpark gebaut wurde. Ein herrschaftliches Gebäude und heute noch eines der schönsten der Kreisstadt. Doch wer glaubte, der Streit nimmt ab, hatte sich getäuscht. Mehr Prozesse, mehr Bürokratie. Nebenstellen in Löningen und Friesoythe schlossen. Alles musste in die Kreisstadt.

Da traf es sich gut, dass direkt nebenan das Katasteramt frei wurde. Die Grundstücksvermesser und -berechner zogen in ihr neues Gebäude und das Familiengericht und Grundbuchamt übernahmen die frisch renovierten Räume nebenan.

Jetzt ist es wieder soweit. Die Familiensachen nehmen zu. Scheidungen, Unterhaltsprozesse, Umgangsstreitigkeiten und Sorgerechtskämpfe verschlingen Zeit und Raum. So flieht das Amtsgericht Cloppenburg in völlig neue Gefilde. Selbst Scheidungen, bei denen bis dato absolute persönliche Anwesenheitspflicht bestand, sollen jetzt mittels Übertragung aus dem Wohnzimmer der Scheidungswilligen durchgeführt werden. Virtuelles Ende des Glücks.

"In dem Zusammenhang eine Anregung: Vielleicht könnte man ja Teile des benachbarten Parkhotels anmieten."Otto Höffmann, Kolumnist

Eine Aufzeichnung sei nicht gestattet, hat das Gericht angeordnet. Da eine Scheidungsverhandlung nicht öffentlich ist, müsse gewährleistet sein, dass sich während der Verhandlung keine weiteren Personen im Raum befinden. Bitte Kinder wegschließen.

Ein Termin im Sitzungssaal sei wegen der knappen Saalkapazitäten nicht möglich. Sollte jemand nicht einverstanden sein, wird nicht geschieden. Jedenfalls nicht jetzt, sondern erst dann, wenn wieder Säle frei sind. In dem Zusammenhang eine Anregung: Vielleicht könnte man ja Teile des benachbarten Parkhotels anmieten. Ein schönes Ensemble aus Hauptgebäude, Nebengebäude und Parkabteilung. Und dann könnte es sogar Scheidungen im Angebot geben und möglicherweise sogar am Fließband. Voller Freude auf das nächste Ausnahmedatum und die Folgen Jahre danach.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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