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Schausteller-Chef Meyer: "Unser Gewerbe hat wahnsinnige Probleme"

In die Aufbruchstimmung zum Stoppelmarkt mischen sich ernsthafte Sorgen um die Existenz der Branche. Worauf Schausteller, Wirte und Veranstalter nun hoffen, sind volle Kassen und ein Besucherplus.

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Letzte große Runde vor dem Start: Marktmeister Jens Siemer, hier zwischen Bürgermeister Kristian Kater (rechts) und Marktausschuss-Vorsitzendem Alexander Bartz, dankte den Schaustellern und Wirten für die Unterstützung bei dem nicht ganz einfachen Aufbau auf der Westerheide. Foto: Speckmann

Letzte große Runde vor dem Start: Marktmeister Jens Siemer, hier zwischen Bürgermeister Kristian Kater (rechts) und Marktausschuss-Vorsitzendem Alexander Bartz, dankte den Schaustellern und Wirten für die Unterstützung bei dem nicht ganz einfachen Aufbau auf der Westerheide. Foto: Speckmann

Die Berichterstattung rund um den Stoppelmarkt 2022 wird Ihnen präsentiert von der Volksbank Vechta.

Für die Besucher des Volksfestes steht der Spaß im Vordergrund. Dabei geraten die Sorgen und Nöte der Beschicker schnell in den Hintergrund. Dennoch sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der steigenden Inflationsrate enorm. Das hat die traditionelle Versammlung der Schausteller, Wirte und Stadtvertreter kurz vor Beginn des Stoppelmarktes in Vechta noch einmal deutlich zum Ausdruck gebracht.

Der Vorsitzende des Vereins Reisender Schausteller Vechta, Jürgen Meyer, nahm kein Blatt vor den Mund, als er sich am Mittwochabend bei dem Treffen in der Schützenhalle zur Situation seiner Branche äußerte. „Unser Gewerbe hat wahnsinnige Probleme“, sagte der Goldenstedter. Mit Blick auf die Kostenentwicklung werde ihm angst und bange. Hinzu kämen die Personalprobleme. Einige Schausteller hätten ohne festes Personal in Vechta anreisen müssen.

Gleichwohl lobte Meyer die Unterstützung der Stadt Vechta. Schon im vergangenen Jahr beim Freizeitpark habe die Kommune das Gelände kostenlos zur Verfügung gestellt und eine Ausfallbürgschaft gewährt, die am Ende aber nicht in Anspruch genommen werden musste. Nun sei eine Halbierung des Standgeldes erfolgt. Das werde die Beschicker wirtschaftlich zwar nicht retten, sei aber ein Zeichen für den Zusammenhalt.

Die neue Aufbruchstimmung nach der 2-jährigen Zwangspause wollte der heimische Vereinsvorsitzende keineswegs herunterspielen. Er wünschte seinen Kollegen einen erfolgreichen Stoppelmarkt mit „vollen Kassen“ und appellierte trotz der gestiegenen Kosten daran, verträgliche Preise für die Besucher anzubieten. Ohne einen solchen Spagat würden die Schausteller ihr Publikum langfristig vertreiben, warnte Meyer.

Beschicker sollen Lautstärke nicht übertreiben

Einen erfolgreichen Volksfestverlauf wünschten auch die Vertreter der Stadt Vechta als Veranstalter. Neben Bürgermeister Kristian Kater (SPD) und seiner Stabsstelle war der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Marktwesen um seinen Vorsitzenden Alexander Bartz (SPD) erschienen. Das Gremium hatte vor der Versammlung einen Rundgang über die Westerheide unternommen und die letzten Vorbereitungen verfolgt.

„Das war nicht einfach dieses Jahr“, kommentierte Marktmeister Jens Siemer den Aufbau des Geländes. Es sei ganz viel Bewegung drin gewesen. Schausteller und Stadt hätten vor einer Herausforderung gestanden. Vor diesem Hintergrund dankte Siemer allen Beteiligten für ihr Entgegenkommen. Er appellierte aufgrund von möglichen Beschwerden von Anliegern daran, die Lautstärke auf dem Platz nicht zu übertreiben.

Der Marktmeister äußerte die Hoffnung, dass es in diesem Jahr ein Besucherplus geben könnte, also die Zahl von rund 800.000 Besucher übertroffen wird. Zudem rechnete er mit einer verstärkten Anreise auf der Schiene. Die Nordwestbahn werde am Stoppelmarkt-Bahnhof halten. Einen Schienenersatzverkehr mit Bussen, wie 2019 aus Personalnot geschehen, werde es nach den negativen Erfahrungen nicht wieder geben.

Begrenzung der Öffnungszeiten bleibt ein Thema

An organisatorischen Herausforderungen dürfte es aber auch in Zukunft nicht mangeln. Aus Schaustellerkreisen wurde am Mittwochabend erneut die Frage nach einer Begrenzung der Öffnungszeiten bei Volksfesten aufgeworfen. Hintergrund: Die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten stellt die Arbeitgeber im Schaustellergewerbe vor große Probleme, zumal aktuell das Personal zur Entlastung fehlt.

Die Stadtverwaltung nahm die Anregungen aus der Versammlung auf und kündigte an, solche Themen in die weiteren Diskussionen über den Stoppelmarkt mitzunehmen. Über die Zeit- und Platzgestaltung müsse „ergebnisoffen und konstruktiv“ beraten werden, meinte Marktmeister Siemer. Bürgermeister Kater ergänzte, dass der offene Austausch unter allen Beteiligten weiterhin gepflegt werden solle.

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