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Schäfer findet wieder tote und verletzte Tiere am Hasedeich

Hat erneut ein Wolf in Löningen Schafe gerissen? Drei Tiere sind tot, zwölf verletzt. Droht nun ein Szenario wie in Herzlake? Dort grasen keine Schafe mehr an der Hase. Darunter leidet der Deich.

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Tod am Hasedeich: Schäfer Egbert Ostermann fand am Mittwoch mehrere gerissene Schafe. Foto: Appeldorn

Tod am Hasedeich: Schäfer Egbert Ostermann fand am Mittwoch mehrere gerissene Schafe. Foto: Appeldorn

Erneut haben vermutlich ein oder mehrere Wölfe im Löninger Stadtgebiet Schafe gerissen. Am Mittwoch fand Schäfer Egbert Ostermann am Hasedeich drei tote und zwölf verletzte Tiere. Die restliche Herde sei versprengt gewesen und habe zunächst gesichert werden müssen, berichtet Petra Appeldorn, die ebenfalls am Ort des Geschehens war. Sie ist Mitglied einer Bürgerinitiative, die sich für eine stärkere Kontrolle der Wolfsbestände einsetzt.

Wie viele Schafe verschollen sind, ist unklar. Möglich ist, dass einige in die Hase gerieten, darin ertranken und abtrieben. Ein totes Tier wurde auf einer Sandbank, direkt am Fluss gefunden. Der herbeigerufene Tierarzt Lars Hogeback behandelte die verletzten Schafe. Er geht davon aus, dass weitere an ihren Verletzungen verenden werden. Einige der getöteten Tiere waren angefressen. „Es fehlten vor allem die Innereien“, sagt Hogeback. Ein anderes Schaf ist bis auf einen Kehlbiss äußerlich fast unversehrt. Der Tierarzt geht deshalb davon aus, dass der oder die Angreifer gestört wurden und daraufhin das Weite suchten.

Der Tierarzt geht davon aus, dass die Angreifer gestört wurden

Den toten Schafen entnahm Lars Hogeback Proben. Sie werden an ein vom Wolfsbüro des Landes Niedersachsen beauftragtes Labor weitergegeben. Zusätzlich wird auch die Bürgerinitiative auf eigene Kosten Proben auswerten lassen. Die Wolfskritiker glauben, dass es sich bei den Wölfen, die den Raum Löningen durchstreifen, nicht um reinrassige Tiere, sondern um Hybriden handelt. Diese Vermutung bestehe bereits für das erste in Deutschland gesichtete Rudel, bestätigt Lars Hogeback, der sich mit einer fachlichen Beurteilung aber zurückhält. Bis die Ergebnisse der Genanalyse vorlägen, könnten jedoch Monate vergehen, bedauert er. An einen effektiven Schafschutz durch höhere Zäune glaubt der Veterinär mit dem Verweis auf den Tourismus im Hasetal nicht.

Ausgeweidet: Die Wölfe fraßen vor allem die Innereien, bestätigt Tierarzt Lars Hogeback. Foto: AppeldornAusgeweidet: Die Wölfe fraßen vor allem die Innereien, bestätigt Tierarzt Lars Hogeback. Foto: Appeldorn

Was der komplette Wegfall der Schafhaltung bewirken würde, sei derzeit am Deich bei Herzlake zu besichtigen. „In so einem schlechten Zustand habe ich ihn noch nie gesehen“, sagt Hogeback.

Zuständig für die Deichpflege im Emsland ist der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz in Meppen. Der stellvertretende Betriebsstellenleiter Josef Schwanken bestätigt, dass wegen der Wolfsangriffe im Herzlaker Raum zurzeit keine Schafe mehr an der Hase grasen. Dem Schäfer seien stattdessen Ausweichflächen gegeben worden. Er kann sich vorstellen, dass sich das sogenannte Herzlaker Rudel inzwischen an die Jagd auf Schafe gewöhnt hat. „Für die Wölfe ist das wie ein Imbiss.“  Der Deich solle in Kürze gemäht werden. „Dann wird er wieder so gepflegt aussehen, wie vorher“, erklärt Schwanken.

"Für die Wölfe ist das wie ein Imbiss".Josef Schwanken, stellvertretender Betriebsstellenleiter

Wie wichtig die Schafhaltung für den Schutz des Bauwerks ist, hängt laut Schwanken vom jeweiligen Zustand des Flusses ab. „Das muss man differenzierter sehen.“ So sei die Hase zwischen Bramsche und Löningen deutlich stärker ausgebaut worden, als im Emsland. Dort werde mittlerweile versucht, dem Flussverlauf sein natürliches Aussehen zurückzugeben. Aufpflanzungen und die Rücknahme der Ufersicherung machten den Einsatz von Schafen schwieriger bis unnötig. Schwankens Cloppenburger Kollege Ralf Jaspers dagegen hält die vierbeinigen Rasenmäher weiterhin für die „Lösung 1a“. Auf Deichen wie bei Löningen trügen sie zur Verdichtung des Bodens bei. „Pferde oder Kühe können das nicht.“

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