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Saturday Night Fever: Eine Taxi-Fahrt in Zeiten von Corona

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Taxi-Fahrten sind oft spannend. Aber besonders spannend sind sie in Zeiten von Corona, wo es nur um die Frage geht, ob man geimpft ist oder nicht.

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Es ist Samstagabend. Ich bin mit Freunden in ein paar Kneipen unterwegs. Die Stimmung ist ausgelassen. Denn oft kommen wir aufgrund von Corona nicht mehr zusammen. Später am Abend beschließe ich, ein Taxi nach Hause zu nehmen und verabschiede mich. Nichtsahnend, was mich gleich erwartet, steige ich in das nächste Taxi ein.

Coronakonform setze ich mich mit Maske nach hinten. Während ich mein Handy rauskrame, spricht der Taxifahrer zu mir: "Du kannst auch deine Maske abnehmen. Ich habe damit kein Problem." Ich lehne das Angebote dankend ab. Die 15-Minuten-Taxi-Fahrt werde ich wohl auch mit Maske überleben. Nach dem anfänglichen Smalltalk folgt schnell das allgegenwärtige Thema Corona. Er sei ungeimpft und wolle unbedingt einmal Corona haben, damit er endlich als Genesener gelte, erzählt er mir. Mir, die ich zu Beginn der Pandemie Corona hatte und mittlerweile dreimal geimpft bin, bleibt kurz der Atem stehen. Die Impfentscheidung liegt bei jedem selbst, aber freiwillig Corona bekommen zu wollen, das kann ich nicht nachvollziehen. Besonders nachdem mich das Virus im Alter von 24 Jahren ganze drei Wochen außer Gefecht gesetzt hat. 

"Eins sollten wir nicht vergessen: Wir wollen alle wieder ein normales Leben führen."Lisa Bernhardt

Er erzählt weiter, dass er eine Freundin nach Hause gefahren habe, die zu diesem Zeitpunkt Corona gehabt hätte. Sogar einen Kuss habe er mit ihr ausgetauscht, um "endlich" das Virus zu bekommen. Nachdem ich ihm erzählt habe, dass ich bereits Corona hatte und es sich bei mir keineswegs um eine "normale Erkältung" gehandelt hat, scheint er  interessiert zu sein. Seine Frage: "Warum hast du dich denn dann noch mal impfen lassen?" Ich antworte etwas verdutzt: "Naja, nur weil ich einmal Corona hatte, heißt es ja nicht, dass ich es jetzt nie wieder bekommen werde." Er scheint von meiner Antwort sichtlich irritiert. Er habe keine Angst vor Corona, aber bei den Impfstoffen solle man doch lieber vorsichtig sein. Ich erwidere daraufhin nichts, denn ich habe keine Lust, nachts über Corona-Impfstoffe zu streiten. 

Kurze Zeit später fragt mich der Fahrer, was ich denn beruflich machen würde. Als ich ihm erzähle, dass ich eine Ausbildung zur Journalistin mache, scheint ihm das gar nicht zu gefallen: "Echt? Also bist du auch so eine?", sagte er. Ich kann kaum fassen, was er da von sich gibt. Eine wovon? Von der "anderen Seite der Gesellschaft"? Weil ich geimpft bin oder weil ich eine Journalistin werden will?

Ich habe das Gefühl, dass die Spaltung zwischen "geimpft" und "ungeimpft" seit ein paar Monaten ein extremes Ausmaß angenommen hat. Meinungen über andere Personen werden anscheinend je nach aktuellem Impfstatus gefällt – und zwar sowohl von Geimpften als auch von Ungeimpften. Doch eines sollten wir nicht vergessen: Wir wollen alle wieder ein normales Leben führen. Aber der Weg dorthin ist schwer, wenn wir nicht an einem Strang ziehen. 


Zur Person:

  • Lisa Bernhardt ist Volontärin der OM-Medien.
  • Die Autorin erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de

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