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Saisonstart Mitte Juli: Warum das Freibad in Steinfeld nicht früher öffnet

Die UWG/SPD-Gruppe hatte eine sofortige Wiederaufnahme des Badebetriebs gefordert. Doch die Entscheidung obliegt nach Angaben der Gemeinde der Bürgermeisterin. Das sorgt für Ärger.

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Die Vorbereitungen für die Freibadsaison in Steinfeld laufen. Die Schwimmstätte öffnet voraussichtlich Mitte Juli wieder ihre Tore – nach Fertigstellung des neuen Sanitär- und Umkleidegebäudes. In der Politik sorgt der verspätete Start für Ärger. Foto: Timphaus

Die Vorbereitungen für die Freibadsaison in Steinfeld laufen. Die Schwimmstätte öffnet voraussichtlich Mitte Juli wieder ihre Tore – nach Fertigstellung des neuen Sanitär- und Umkleidegebäudes. In der Politik sorgt der verspätete Start für Ärger. Foto: Timphaus

Der verspätete Start der Freibadsaison in Steinfeld sorgt für Zwist zwischen der Verwaltung und der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG). Da die Arbeiten für das neue Sanitär- und Umkleidegebäude noch nicht beendet sind, hatte die Gemeinde jüngst auf Anfrage mitgeteilt, dass die Schwimmstätte voraussichtlich erst Mitte Juli wieder ihre Tore öffnet.

Die UWG, die im Gemeinderat zusammen mit der SPD eine Gruppe bildet, stellte daraufhin einen Dringlichkeitsantrag an den Verwaltungsausschuss (VA), das Freibad unverzüglich zu öffnen. Ein Raum für Notfälle könnte aus Sicht der Oppositionspartei im Umkleidegebäude des benachbarten Falkenstadions vorgehalten werden, wie auch die Toiletten. Auch eine Übergangslösung mit mobilen Toiletten wäre möglich, schrieb Heinrich Luhr.

Zur Begründung führte der Gruppenvorsitzende aus, dass die jetzige Situation unbefriedigend sei. Es bestehe akuter Handlungsbedarf. Die UWG/SPD meldete "große Bedenken" hinsichtlich einer von der Verwaltung geknüpften Verbindung zwischen der Öffnung des Freibades und der Fertigstellung des Neubaus an. "Was wichtig fürs Freibadvergnügen ist, ist vorhanden und sollte auch genutzt werden", schrieb Luhr und ergänzte: "Das Freibad ist betriebsbereit, die Liegewiese in einem guten Zustand, das Personal ist vorgehalten, da schon seit über einem halben Jahr kein Badbetrieb mehr möglich war."

UWG/SPD: Baustelle könnte mit Zaun gesichert werden

Aus Sicht der UWG/SPD-Gruppe könnte innerhalb eines Tages mit Bauzäunen eine sichere Abgrenzung zwischen Baustelle und Badebereich erstellt werden. Wichtig sei, dass das Freibad zeitnah von den Bürgern genutzt werden könne. "Wenn schon nicht die Ausschreibungen rechtzeitig erfolgten, sollte mindestens diese einfache Lösung zur Nutzung des Freibads und der Liegewiese zeitnah umgesetzt werden", teilte Luhr mit.

Eine Beratung über das Thema am Montag in der Sitzung des Verwaltungsausschusses blieb jedoch aus. Der Grund: Aus Sicht der Verwaltung ist die kommunalrechtliche Zuständigkeit des Hauptausschusses nicht gegeben. Es handle sich bei der Entscheidung über den Öffnungstermin des Freibades vielmehr um ein "Geschäft der laufenden Verwaltung" – und falle damit in die Zuständigkeit von Bürgermeisterin Manuela Honkomp.

Bürgermeisterin stellt aktuelle Situation dar

Auf Anfrage von OM online erläutert Gemeindesprecherin Christina Hoffmann: "Die Entscheidung für eine Öffnung trifft die Bürgermeisterin unter Abwägung aller Aspekte und Interessen und der aktuellen Verfügbarkeit der Einrichtung."

Honkomp habe, so antwortet die Verwaltung, während der VA-Sitzung nochmals ausführlich die aktuelle Situation dargestellt. Die Arbeiten für den Neubau befänden sich demnach in der abschließenden Phase. Es gebe einen offenen Baustellenbereich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kleinkinderbecken. Honkomp sagte, es seien also "in erster Linie sicherheitsrelevante Aspekte zu berücksichtigen". 

Nach Angaben der Bürgermeisterin habe die Verwaltung im vergangenen Monat eine frühzeitige Öffnung geprüft, unter anderem die Option einer gesonderten Einzäunung. Die Kommunalversicherer wie der Gemeindeunfallversicherungsverband (GUV) und der Kommunale Schadenausgleich (KSA) hätten aber signalisiert, dafür keine Haftung zu übernehmen. Gerade im Kinderbeckenbereich könne es durch einen Bauzaun zu Verletzungen kommen. Das Risiko einer persönlichen Haftung gelte es auszuschließen.

Verwaltung: Kurzfristige Eröffnung ist nicht möglich

Weiter führte Honkomp nach Verwaltungsangaben an, dass für eine Öffnung der Schwimmstätte zwingend ein Kassenbereich, ein Sozialraum, ein Erste-Hilfe-Raum sowie ein Sanitärbereich (WC-Anlagen) benötigt würden. "Diese Räume sind derzeit noch nicht fertiggestellt. Aktuell arbeitet der Fliesenleger mit Hochdruck im Innenbereich."

Aus dem Rathaus heißt es, das Bäderteam bereite derzeit die Öffnung vor: Das Beckenwasser muss abgelassen, anschließend eine Reinigung und kleinere Reparaturen vorgenommen werden, bevor das Becken wieder mit Wasser befüllt und dann beheizt werden kann. Eine kurzfristige Öffnung sei somit gar nicht möglich, sagt Hoffmann.

"Das ist ein ‚Nein‘ gegen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger und damit gegen die Einwohner der Gemeinde Steinfeld."Heinrich Luhr, Vorsitzender der UWG/SPD-Gruppe

Sie erläutert nochmals, dass sich die Bauverzögerung mit dem zwischenzeitlichen Wintereinbruch sowie der teilweise mehrfachen Ausschreibung einzelner Gewerke aufgrund der angespannten Baukonjunktur erklären lasse. Die Verwaltung sei optimistisch, dass eine Öffnung Mitte Juli gelinge. Ursprünglich war die Eröffnung für Mitte/Ende Juni geplant, teilt die Gemeindesprecherin mit.

Luhr ist sauer, dass der Verwaltungsausschuss nicht über den UWG/SPD-Antrag beraten hat. "Demnach ist die Bürgermeisterin zuständig und sagt ganz einfach ‚Nein‘. Das ist ein ‚Nein‘ gegen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger und damit gegen die Einwohner der Gemeinde Steinfeld." 

Aus seiner Sicht würden gute Vorschläge und Ideen aus der Politik allein durch die Bürgermeisterin gestoppt, "weil sie diese nicht umsetzen kann oder will". Luhr sieht Honkomp auch bei der Bauverzögerung in der Verantwortung. Die Ausschreibungen für das Vorhaben seien nicht frühzeitig auf den Weg gebracht worden. "Das Projekt war lange geplant. Die Aufträge hätten schon im Sommer 2020 rausgehen müssen."

CDU-Fraktion drängt auf schnelle Öffnung

Dies habe nach seiner Meinung auch zum Kostenanstieg um mehr als 40 Prozent geführt. Der Neubau des Sanitär- und Umkleidegebäudes soll etwa 900.000 Euro kosten. "Kurzfristigkeit sorgt für gewaltige Preissteigerungen", konstatiert der UWG/SPD-Gruppenvorsitzende.

Und was sagt die CDU-Fraktion? Deren Vorsitzender Peter Harpenau teilt mit: "Wenn es sich bei der Entscheidung über die Öffnung kommunalrechtlich um ein Geschäft der laufenden Verwaltung handelt, ist das zu akzeptieren. Wir haben in der VA-Sitzung aber noch einmal deutlich gemacht, dass das Freibad so schnell wie möglich öffnen soll – selbst wenn es zunächst etwas behelfsmäßig wäre."

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