Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Ruf nach einem Tempolimit in Langförden wird immer lauter

Nun stellt sich auch die Kirche hinter die Forderungen für die Ortsdurchfahrt in Langförden. Derweil kündigt die Stadtverwaltung erste Maßnahmen an.

Artikel teilen:
Transparent als deutliches Zeichen: Pastor Ralph Forthaus, Hendrik Thölking und Martina Thölking (von rechts) machen im Beisein einer Abordnung der Kindertagesstätte St. Laurentius auf die Verkehrsproblematik in Langförden aufmerksam. Sie fordern "Tempo 20" für den Ortskern.   Foto: Speckmann

Transparent als deutliches Zeichen: Pastor Ralph Forthaus, Hendrik Thölking und Martina Thölking (von rechts) machen im Beisein einer Abordnung der Kindertagesstätte St. Laurentius auf die Verkehrsproblematik in Langförden aufmerksam. Sie fordern "Tempo 20" für den Ortskern.   Foto: Speckmann

Die Kinder müssen die Beine in die Hand nehmen, als sie die Ortsdurchfahrt in Langförden überqueren. In kleinen Gruppen laufen sie zur Kirche, begleitet von ihren Erzieherinnen. Als sich aus einer unübersichtlichen Kurve ein Fahrzeug nähert, wird es plötzlich hektisch. „Wir haben das Auto nicht gesehen“, sagt die 5-jährige Martha bei der Ankunft auf der anderen Straßenseite.

Die kleine Abordnung der Kindertagesstätte St. Laurentius trifft sich an diesem Vormittag mit Pastor Ralph Forthaus. Am Fuße der Kirche wollen die Teilnehmer auf die Verkehrsproblematik aufmerksam machen. Dabei wird ein großes Transparent ausgebreitet. Es unterstreicht ihre Forderung nach einem Tempolimit: Es sollen nur noch 20 Stundenkilometer im Ortskern erlaubt sein.

„Wir können den Verkehr nicht verhindern, aber beruhigen. Es geht um die Sicherheit und die Lebensqualität im Ort“, erklärt Martina Thölking, die gemeinsam mit ihrem Sohn Hendrik eine neue Initiative gestartet hat. Sie sehen in dem Verkehrsaufkommen ein erhebliches Gefahrenpotenzial und auch eine Lärmbelästigung. Mit dem Aufhängen ihrer Transparente am Straßenrand wollen sie jetzt ein öffentliches Zeichen setzen.

Im Laufschritt über die Straße: Die Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte St. Laurentius sind häufig mit dem Verkehrsaufkommen auf der Ortsdurchfahrt in Langförden konfrontiert. Foto: SpeckmannIm Laufschritt über die Straße: Die Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte St. Laurentius sind häufig mit dem Verkehrsaufkommen auf der Ortsdurchfahrt in Langförden konfrontiert. Foto: Speckmann

Hendrik Thölking erinnert an die jüngsten Diskussionen vor den Kommunalwahlen, als auch der Ruf nach einer Umgehungsstraße immer lauter wurde. Bis ein solches Projekt im Verlauf der Kreisstraße umgesetzt werde, dürften aber noch viele Fahrzeuge durch den Ort fahren, weiß der Langfördener. Darum sagt der Dorfbewohner mit Blick auf die Verkehrssituation: „Es muss eine kurzfristige Lösung geben.“

Bei der Kirchengemeinde St. Laurentius laufen die beiden Initiatoren offene Türen ein. „Wir sind von dem Problem sehr betroffen“, erklärt Forthaus. Er weist darauf hin, dass viele Besucher auf dem Laurentiusplatz parken würden und dann die Lange Straße überqueren müssten, um die Kirche, das Pfarrbüro oder etwa die Bücherei zu erreichen. Zebrastreifen oder Ampel gibt es an dieser Stelle nicht.

„Die Autos fahren megaschnell. Ich habe selbst als Erwachsene das Gefühl, dass ich rennen muss, um über die Straße zu kommen.“Angelika Jäschke, Leiterin der Kindertagesstätte St. Laurentius in Langförden

Das Verkehrsaufkommen sei insbesondere im Frühjahr und Sommer durch Lastwagen und Traktoren eine Gefährdung sowohl für Kinder als auch ältere Menschen, so der Pastor weiter. Die Leiterin der kirchlichen Kindertagesstätte, Angelika Jäschke, nickt zustimmend mit dem Kopf: „Die Autos fahren megaschnell. Ich habe selbst als Erwachsene das Gefühl, dass ich rennen muss, um über die Straße zu kommen.“

Kirchenausschuss und Pfarreirat hätten sich einstimmig hinter die Aktion „Tempo 20“ gestellt, berichtet der Pastor. Wenn es nach dem Willen von Martina und Hendrik Thölking geht, sollte die Beschränkung nicht nur im Zuge der Kreisstraße, sondern auch im Bereich der Hauptstraße gelten. „Tempo 30“ wäre ihnen nicht genug. „Dann würden auch 40 Stundenkilometer oder mehr gefahren“, meint Martina Thölking.

"Tempo 30" auf Teilabschnitt der Langen Straße

Vor diesem Hintergrund dürfte die aktuelle Nachricht aus dem Rathaus immerhin ein Teilerfolg sein. Die Stadtverwaltung hat am Donnerstag auf Anfrage von OM-Online mitgeteilt, dass auf einem Teilstück der Langen Straße gehandelt wird. „Wir werden ,Tempo 30' von der Pastor-Meistermann-Straße bis zur Schulstraße im Zeitraum von 7 bis 16.30 Uhr anordnen“, erklärt Pressesprecher Herbert Fischer.

Die Entscheidung über die Geschwindigkeitsbeschränkung könne die Stadt Vechta selbst treffen, so der Pressesprecher weiter. Die verkehrsbehördliche Anordnung werde gerade vorbereitet und anschließend an den Landkreis Vechta, der als Straßenbaulastträger für die Umsetzung der Maßnahme zuständig sei, übersandt. „Ein genaues Datum, wann die Schilder dort stehen werden, kann ich noch nicht nennen“, so Fischer.

Verlässliche Datengrundlage für Ortsumgehung

Was die Planung einer Ortsumgehung betrifft, braucht es nach Angaben der Stadtverwaltung zunächst eine verlässliche Datengrundlage, die über einen längeren Zeitraum erhoben werden müsse. Im Frühjahr werde der Landkreis Vechta eine erneute Verkehrszählung in Langförden durchführen, um herauszufinden, ob die Belastung tatsächlich oder etwa nur gefühlt hoch sei.

Zudem müsse eine Trassenführung auch tatsächlich machbar sein, unterstreicht der Pressesprecher. Die Stadt Vechta habe bei der Neuaufstellung des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) eine mögliche Streckenführung im Westen Langfördens vorgeschlagen, die aber aufgrund des Verfahrensstandes nicht übernommen worden sei. Fischer: „Das ganze Thema wird man also nicht in Monaten, sondern in Jahren bemessen müssen.“

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Ruf nach einem Tempolimit in Langförden wird immer lauter - OM online