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Rote Zahlen: Dammer Krankenhaus macht von 2016 bis 2019 Minus

Die Bilanz des Dammer Krankenhauses St. Elisabeth ist zwar besser als in den Vorjahren. Dennoch führt aus Sicht von Pfarrer Heiner Zumdohme kein Weg am Beitritt zur Schwester-Euthymia-Stiftung vorbei.

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Die Zukunft im Blick: Für Pfarrer Heiner Zumdohme (Mitte), Ulrich Pelster (links) und Dr. Niklas Cruse hätte das Krankenhaus St. Elisabeth ohne den Beitritt zur Schwester-Euthymia-Stiftung keine Zukunft. Der stärke aber auch die Position der anderen Krankenhäuser im Kreis. Foto: Niehues

Die Zukunft im Blick: Für Pfarrer Heiner Zumdohme (Mitte), Ulrich Pelster (links) und Dr. Niklas Cruse hätte das Krankenhaus St. Elisabeth ohne den Beitritt zur Schwester-Euthymia-Stiftung keine Zukunft. Der stärke aber auch die Position der anderen Krankenhäuser im Kreis. Foto: Niehues

Das Krankenhaus St. Elisabeth hat in den Jahren 2016 bis 2019 in ungenannter Höhe defizitär gearbeitet. Die Bilanzen seien nur wegen Transferleistungen der Stiftung St. Elisabeth ans Krankenhaus ausgeglichen gewesen.

Das sagte Pfarrer Heiner Zumdohme, Vorsitzender der Stiftung und der Gesellschafterversammlung, am Montag bei einem Pressegespräch, an dem auch der Ärztliche Direktor Gustav Peters, der scheidende Krankenhaus-Geschäftsführer Dr. Niklas Cruse, Stefan Röwe von der Gesellschafterversammlung und Ulrich Pelster, Vorstand der Schwester-Euthymia-Stiftung, teilnahmen.

Trotz des Minus' sei das Krankenhaus St. Elisabeth kein Sanierungsfall, betonten der Pfarrer und Dr. Cruse. Sie begründeten es auch mit den Folgen der umfangreichen Bauarbeiten in den vergangenen Jahren im Haus. Die führten dazu, dass Abteilungen nicht komplett ausgelastet werden konnten.

Stiftung St. Elisabeth war in Gefahr

Allerdings wäre die Stiftung, der das Krankenhausgelände und die Gebäude gehören, im Bestand in Gefahr gewesen, wenn sie weiter Geld an das Krankenhaus hätte zahlen müssen, um das Minus auszugleichen. Das habe ein Wirtschaftsprüfer erklärt. Darum habe er als Vorsitzender handeln müssen, um die Stiftung zu erhalten, sagte der Pfarrer weiter.

Das sei ein Grund für den Beitritt des Krankenhauses in die Schwester-Euthymia-Stiftung gewesen. Der andere: Das niedersächsische Sozialministerium habe eindeutig mitgeteilt, das Land werde keine Mittel mehr für die Krankenhäuser im Kreis Vechta bereitstellen, wenn nicht alle drei Häuser im Kreis eng zusammenarbeiten, wie es im Krankenhausplan des Landes vorgesehen sei. Dann wären weder Mittel für das geplante Zentralklinikum Vechta-Lohne noch für die neue Zentrale Notaufnahme in Damme geflossen.

Dass die Stimmung unter den Mitarbeitern im Dammer Krankenhaus St. Elisabeth derzeit nicht gut und von großer Sorge vieler um den eigenen Arbeitsplatz, aber auch um den Fortbestand der Einrichtung geprägt ist, daraus machen Pfarrer Zumdohme und die übrigen Teilnehmer des Pressegesprächs keinen Hehl.

Aber, heißt es dazu bei einem Pressegespräch, das Haus sei entgegen mancher Befürchtungen trotz der roten Zahlen in den Jahren 2016 bis 2019 kein Sanierungsfall. Im Gegenteil. Nachdem die wirtschaftliche Lage 4 Jahre lang angespannt gewesen sei, zeichneten sich seit 2020 wieder positive Jahresergebnisse ab.

Ohne die Corona-Pandemie und ihre Folgen wäre 2020 bereits gut verlaufen. Und 2019 sei zumindest unter dem Gesichtspunkt der Fallzahlen das bislang beste in der Geschichte des Hauses gewesen.

Krankenhaus profitiert von Pflegebudget-Nachzahlungen

In diesem Jahr profitiere das Haus auch davon, dass Ansprüche aus dem Pflegebudget aus 2020 jetzt ausgezahlt werden. Dadurch verbessere sich die Liquidität des Krankenhauses, erklärt Ulrich Pelster.

Dennoch könne das Dammer Haus in Zukunft nicht allein auf dem Markt bestehen, begründet Heiner Zumdohme den von vielen Beschäftigten sehr kritisch verfolgten Beitritt zur Schwester-Euthymia-Stiftung, zu der auch das Krankenhaus in Cloppenburg gehört. Für ihn habe immer festgestanden, dass die zukünftigen Kooperationspartner die beiden katholischen Krankenhäuser im Landkreis Vechta sein müssen.

Natürlich hätte das Krankenhaus mit anderen Häusern außerhalb des Landkreises Vechta versuchen können, eine Zusammenarbeit umzusetzen. Aber das hätte zu einer Konkurrenzsituation innerhalb des Landkreises geführt, die er nicht haben wolle, erklärt der Pfarrer seinen Einsatz für die Schwester-Euthymia-Stiftung.

Ohne Zusammenarbeit werden Krankenhäuser überrollt

Die 3 Häuser im Kreis in Damme, Lohne und Vechta müssten zusammenarbeiten, sonst würden sie in den nächsten Jahren von Häusern in Osnabrück oder Bremen quasi überrollt.

Die Sorge vieler Beschäftigter, sie könnten nach dem seit vergangenen Freitag vollzogenen Beitritt des Krankenhauses St. Elisabeth zur Stiftung ihre Arbeitsplätze verlieren und Abteilungen in Damme könnten geschlossen werden, versuchen Pfarrer Zumdohme und Ulrich Pelster unter anderem mit dem Hinweis darauf zu zerstreuen, dass Schließungen von Abteilungen in den 4 Krankenhäusern des Verbundes nicht ohne die Zustimmung der jeweiligen örtlichen Krankenhausstiftung möglich seien.

Und: Die Leuchttürme in den einzelnen Häusern, in Damme zum Beispiel die Neurologie, sollten sogar weiterentwickelt werden, die Grund- und Regelversorgung bleibe erhalten. Betriebsbedingte Kündigungen von Mitarbeitern schließt Vorstand Pelster definitiv aus. Ferner: Es blieben die Mitarbeiter in Damme Angestellte der örtlichen Krankenhausgesellschaft.

Peters: Mangelnde Kommunikation ist eine Ursache für den Unmut

Ob sich damit die Wogen des Unmuts wirklich glätten lassen, muss sich aber erst noch zeigen. Als Ursachen für diesen Unmut nennt Ärztlicher Direktor Gustav Peters auch eine mangelnde Kommunikation der Leitung des Hauses etwa hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation und dem Beitritt zur Schwester-Euthymia-Stiftung. Es gehe jetzt darum, für Stabilität zu sorgen und den Beschäftigten ganz deutlich zu machen, dass ihre Stellen sicher sind.

Den Beitritt zur Schwester-Euthymia-Stiftung begrüßt der Ärztliche Direktor. Unter anderem verweist er auf Synergieeffekte wie den gemeinsamen Einkauf, aber auch auf die immer weiter steigenden Aufgaben etwa beim Qualitäts- oder Hygienemanagement, die die Krankenhäuser im Verbund leichter lösen können als alleine.

Dr. Cruse führt als weiteres Plus des Verbundes an, dass jedes Krankenhaus bei der Behandlung der Patienten vom Wissen der Ärzte in den anderen Verbund-Krankenhäusern profitiert.

Dr. Cruses Aufgabe: Lage analysieren und Maßnahmen vorschlagen

Zu seiner eigenen bisherigen Tätigkeit im Krankenhaus St. Elisabeth, die er auf eigenen Wunsch am 31. Juli 2021 beendet, sagt er: Seine Aufgabenstellung sei klar gewesen. Er habe die Lage des Hauses analysieren und Maßnahmen vorschlagen sollen, um das Haus für die Zukunft aufzustellen. Selbstkritisch räumt er ein, er hätte die Ergebnisse seiner Analysen vielleicht mehr kommunizieren sollen.

Entschieden weist er aber auch darauf hin, während seiner Zeit habe es keine Entlassungen von Mitarbeitern gegeben. Stattdessen sei das Personal in einigen Abteilungen sogar aufgestockt worden.

In dem Zusammenhang stellt Ulrich Pelster mit Blick auf die Kündigungen von mindestens 3 Chefärzten und einem Oberarzt klar, dass die Gespräche mit den Betroffenen über einen Verbleib im Haus noch nicht abgeschlossen sind. Wenn es allerdings zu keiner Einigung kommen sollte, werde ein Ersatz gefunden werden.

Unterdessen geht die Suche nach dem neuen Geschäftsführer weiter. Ab dem 1. August wird es voraussichtlich eine Übergangslösung geben. Mit dem Dienstantritt des neuen Geschäftsführers rechnet Stefan Röwe auch aus Gründen von Kündigungsfristen nicht vor dem 1. Januar kommenden Jahres.

"Die Ärzte würden sich über jemanden freuen, der nach innen und im Verbund ein Teamplayer ist und das Krankenhaus weiterentwickeln will."Gustav Peters, Ärztlicher Direktor

Das Anforderungsprofil umreißt Ulrich Pelster wie folgt: Fachkompetenz, Erfahrungen im Krankenhauswesen und Leistungsfunktionen im Gesundheitswesen. Außerdem muss der Dr.-Cruse-Nachfolger katholisch sein. Dazu ergänzt Gustav Peters: "Die Ärzte würden sich über jemanden freuen, der nach innen und im Verbund ein Teamplayer ist und das Krankenhaus weiterentwickeln will."

Zukünftig komplett ohne das Krankenhaus wird sich die Sozialstation St. Elisabeth entwickeln. Das Krankenhaus hat bis vor kurzem 53 Prozent der Gesellschaft gehalten. Die hat nun die Stiftung Maria-Rast übernommen. Pfarrer Zumdohme verteidigt diesen von manchem Krankenhaus-Mitarbeiter mit Unverständnis zur Kenntnis genommenen Schritt mit dem Hinweis darauf, dass die Sozialstation in ihrem Versorgungsauftrag viel mehr im Bereich der Altenpflege als im Bereich des Krankenhauses tätig sei.

In dem Zusammenhang räumt er mit einer Aussage auf, die jüngst öfter in der Stadt zu hören war: Die Sozialstation hat niemals Mittel aus ihrem Gewinn an das Krankenhaus abgeführt.

"Die Sozialstation behält ihr Geld, es fließt in ihre Arbeit."Heiner Zumdohme, Pfarrer

Auch werde zukünftig die Stiftung Maria-Rast kein Geld aus Einnahmen der Sozialstation bekommen. "Die Sozialstation behält ihr Geld, es fließt in ihre Arbeit", erklärt der Pfarrer und verweist auf den Bau seniorengerechter Wohnungen an der Rüschendorfer Straße.

Eines betont der Geistliche, der im Zusammenhang mit den Entwicklungen im Krankenhaus viel Kritik einstecken musste, am Ende des Pressegesprächs: Alle Entscheidungen rund um das Krankenhaus seien sehr wohl überlegt gewesen und nach intensiven Diskussionen einstimmig in der Gesellschafterversammlung beschlossen worden.

Teamplayer: Gustav Peters (links, hier mit Ulrich Pelster) hat konkrete Wünsche an den neuen Geschäftsführer.  Foto: NiehuesTeamplayer: Gustav Peters (links, hier mit Ulrich Pelster) hat konkrete Wünsche an den neuen Geschäftsführer.  Foto: Niehues

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