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Rosemarie Meyer sucht eine neue Herausforderung

Sie arbeitete fast 30 Jahre lang als Pastoralreferentin in Cloppenburg. Zuletzt für die Kirchengemeinde St. Andreas. Nun wechselt sie an das ev. Krankenhaus in Oldenburg als Krankenhausseelsorgerin.

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Setzt sich weiter für Pastoralreferentinnen ein: Rosemarie Meyer wechselt nur ihren Einsatzort innerhalb der Kirche.   Foto: Heinzel

Setzt sich weiter für Pastoralreferentinnen ein: Rosemarie Meyer wechselt nur ihren Einsatzort innerhalb der Kirche.   Foto: Heinzel

Rosemarie „Rosi“ Meyer geht neue Wege. Die 57-Jährige ist seit fast 30 Jahren in Cloppenburg als Pastoralreferentin tätig. Nun hat sie sich entschlossen, ihren Einsatzort zu wechseln. Sie geht als Krankenhausseelsorgerin an das evangelische Krankenhaus in Oldenburg. Dort fängt sie am Freitag (1. Oktober) an. Der Grund liegt darin, dass sie sich mit Blick auf die letzten 10 Berufsjahre die Frage gestellt habe: „Was ist mir an meinem Dienst wichtig?“ Ihre Antwort war eindeutig: „Für Menschen in Not da zu sein.“ Das könne sie in Oldenburg. Dabei sei sie sich bewusst, dass dies ein anstrengender und herausfordernder Dienst wird.

Doch Rosi Meyer ist eine Kämpferin. Sie habe Herausforderungen immer gesucht und angenommen. Kontinuierlich hat sie sich fort- und weitergebildet, erst zur Bibliodramaleiterin, dann in der Notfallseelsorge, im Qualitätsmanagement für Kindertagesstätten, in der seelsorgerischen Gesprächsführung, als Geistliche Begleiterin Exerzitium und schließlich im Begräbnisdienst. Nun steht eine etwa 6 Wochen dauernde Klinische Seelsorgeausbildung an.

"Wenn Du etwas ändern willst, musst Du dich engagieren." Rosemarie Meyer

Bereits als Jugendliche engagierte sich Rosi Meyer als Gruppenleiterin in der Kirche. Stieß aber schon damals auf Strukturen und Verhaltensweißen, die ihr nicht gefielen. Ihre Schlussfolgerung: „Wenn Du etwas ändern willst, musst Du dich engagieren.“ Ihr war allerdings noch nicht ganz klar, ob ehrenamtlich oder hauptamtlich. Sie absolvierte zuerst eine Ausbildung zur Bauzeichnerin und holte dann an der Fachoberschule Technik ihr Fachabitur nach. Parallel dazu machte sie ein 8-wöchiges Praktikum im Don-Bosco-Haus in Calhorn. Dies gab den Ausschlag für eine Ausbildung als Pastoralreferentin und ein hauptamtliches Engagement in der Kirche.

Damals musste sie bereits einen erlernten Beruf haben, um sich dann 3 Jahre an der Fachschule für kirchlichen Gemeindedienst in Hildesheim zur Gemeindereferentin ausbilden zu lassen. Es folgten ein Berufspraktisches Jahr in St. Maria Frieden und die 2-jährige Berufseinführung als Pastoralassistentin in Osterfeine. 9 Jahre hat sie also in ihre Berufsausbildung investiert. Heute ist es einfacher, in diesen Beruf einzusteigen.

Freut sich auf ihre neue Aufgabe: Rosemarie Meyer fängt am 1. Oktober in Oldenburg als Krankenhausseelsorgerin an. Foto: HeinzelFreut sich auf ihre neue Aufgabe: Rosemarie Meyer fängt am 1. Oktober in Oldenburg als Krankenhausseelsorgerin an. Foto: Heinzel

Rosemarie Meyer will für die Menschen da sein

1992 kam sie nach Cloppenburg und arbeitete in verschiedenen Kirchengemeinden – zuletzt in St. Andreas. Ihre Aufgabe sei es, „für die Menschen da zu sein, ein offenes Ohr zu haben und auch einen Halt anbieten können“. Die gebürtige Ellenstedterin sagt, wichtige Eigenschaften für ihren Beruf seien daher Offenheit, ein wertschätzender Umgang mit Jedermann, zuhören zu können und „erfüllt von der Liebe Gottes zu sein“.

Blickt sie auf die fast 3 Jahrzehnte ihrer Tätigkeit in der Soestestadt zurück, denkt sie vor allem an die „vielen Ehrenamtlichen, die meine Aktionen und Ideen mitgetragen haben“. Die Begeisterung sei übergesprungen und so entstanden Ereignisse wie die Kinder-Bibeltage, Kinder-Chortage oder eine 6-bändige, handschriftlich abgeschriebene Bibel. Das Ergebnis liegt heute in einer Vitrine und ist in Bethen zu sehen. Die Arbeit mit anderen und für andere war ihr immer wichtig.

Berufsbild der Pastoralreferenten hat sich verändert

Momente des Zweifels, ob ihre Berufswahl richtig war, gab es immer wieder. Die Ursache lag in der kirchlichen Hierarchie. „Ich fühlte mich oft ausgebremst“, sagt Rosemarie Meyer. „Man durfte immer mehr Verantwortung übernehmen, je weniger Priester da waren“, fährt sie kurz darauf fort. Aber weiterhin gelte: „Die Weihe zählt mehr als Kompetenz.“ Trotzdem stellt sie fest, dass „ein gewaltiger Wandel stattgefunden hat. Die Lage und das Berufsbild der Pastoralreferenten hat sich sehr verändert“. In ihren Anfangsjahren durfte sie praktisch nichts machen. Heute leitet sie Wort-Gottesdienste und Beerdigungen oder war als Notfallseelsorgerin unterwegs. Ihr Kollege Thomas Gehlenborg, ebenfalls Pastoralreferent, sieht darin aber keinen Gesinnungswandel der Kirche, sondern eher ein „Lücken stopfen“. Eine Einschätzung, die Rosemarie Meyer teilt.

Das will Rosi Meyer ändern. Sie möchte erreichen, dass übertragene Leitungsaufgaben dauerhaft festgeschrieben werden und nicht bei einem Priesterwechsel alles auf Anfang gesetzt wird. „Es darf nicht davon abhängig sein, was der nächste Priester denkt.“ Sie ermutigt Laien dazu, ihren Glauben zu leben und selbst Verantwortung zu übernehmen und nicht immer erst um Erlaubnis zu fragen. „Wenn Kirche lebendig bleiben soll, brauchen wir diese engagierten Menschen.“ Entscheidend sei dabei auch die Rolle der Frau in der Kirche. „Die Hierarchie und das Abwerten der Frau in der Kirche finde ich unmöglich“, so Rosi Meyer. Als Mitglied im Pastoralrat des Offizialats und im Pastoralreferentinnenrat des Bistums Münster möchte sie den Wandel anstoßen und begleiten. Auf die Zukunft angesprochen, zitiert sie ein Lied: „Lasst uns gemeinsam Kirche bauen – Männer und Frauen. Es ist Zeit!“

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